Baden-Württemberg.NABU.de Projekte 111 Millionen Euro fürs 2010-Ziel 111 im Detail
Der Schneeleopard
Artensterben: Vollbremsung bis 2010 ist Pflicht!
Der NABU fordert 111 Millionen Euro für den Naturschutz
Damit Baden-Württemberg das 2010-Ziel erreichen kann, braucht der Naturschutz mehr Geld. Der NABU fordert deshalb von der Landesregierung, den Behörden 111 Millionen Euro zusätzlich bereitzustellen. Diese Zahl fällt nicht vom Himmel und ist kein billiger Werbegag des NABU, der in diesem Jahr seinen 111. Geburtstag feiert.
Längst ist bewiesen, dass die Erhaltung der Biologischen Vielfalt weder bloße Schwärmerei noch eine reine Frage der Ethik ist. Die von der EU und Deutschland 2007 veranlasste und noch laufende Studie „The Economics of Ecosystems and Biodiversity“ (TEEB) belegt bereits in den Zwischenberichten: Die Zerstörung allein der Landökosysteme kostet weltweit jährlich rund 50 Milliarden Euro – Naturschutz ist eine ökonomische Notwendigkeit! Investitionen in den Erhalt der Funktionsfähigkeit von Lebensräumen rechnen sich auch vor dem Hintergrund des drohenden Klimawandels.
Die vom NABU für unser Land geforderten 111 Millionen Euro setzen sich folgendermaßen zusammen:
Natura 2000: 30 Millionen Euro
Natura 2000 hilft auch den Auerhühnern im Schwarzwald.
Die EU hat alle Mitgliedsstaaten verpflichtet, das europäische Naturerbe zu schützen und dazu das Schutzgebietssystem Natura 2000 aufgestellt. Tausende Hektar bunter Blumenwiesen mit Salbei und Margeriten sollen erhalten, hunderte Hektar entwässerte Moore wieder renaturiert und die Zahl der Auerhühner im Schwarzwald erhöht werden.
Die Umsetzung von Natura 2000 ist aufwendig: Planungen müssen erstellt werden. Land- und Forstwirten sowie Landschaftspfleger müssen die Planungen umsetzen. Wissenschaftler sollen den Erfolg messen und kontrollieren. Nach Berechnungen des Ministeriums für Ernährung und Ländlichen Raum kosten diese drei Bausteine von Natura 2000 zwischen 30 bis 40 Millionen Euro Jahr für Jahr.
Biologische Vielfalt in Gemeinden: 15 Millionen Euro
Streuobstwiesen: Traditionelle "Hot Spots" der Biodiversität in vielen Gemeinden.
Die Artenvielfalt in Ulm ist eine andere als die in Heidelberg, in Konstanz kommen andere Lebensräume vor als in Stuttgart. Um die ganze Vielfalt Baden-Württembergs zu erhalten, muss in jeder Gemeinde und in jeder Stadt Natur geschützt werden. Vereine, Kindergärten und Schulen können auf gemeindeeigenen Flächen bunte Blumenwiesen anlegen, Patenschaften für Streuobstwiesen übernehmen und die Biotopvernetzung fördern. Die 1.101 Gemeinden und Städte sollen mit Anreizen und einer Betreuungsstelle unterstützt werden, damit 1.101-mal die biologische Vielfalt für Mensch und Natur geschützt wird. Auch das kostet Geld: jährlich 15 Millionen Euro.
Ökologische Vorrangflächen: 40 Millionen
Selbst ein kleiner Blühstreifen am Ackerrand ist wertvoll.
Um die lebendige Vielfalt zu erhalten, braucht unser Land mindestens 10 Prozent „ökologische Vorrangfläche“ – also Flächen, auf denen nicht das Geldverdienen im Vordergrund steht, sondern die Belange von Pflanzen und Tieren. Das können Blühstreifen zur Gliederung monotoner Maisflächen sein, breite Pufferstreifen zwischen Äckern und Bächen, traditionelle Streuobstwiesen und vieles mehr. Von diesem Ziel sind wir allerdings noch weit entfernt, obwohl im Bundesnaturschutzgesetz steht, dass mindestens 10 Prozent aller Flächen der Biotopvernetzung dienen sollen. Um Blühstreifen anzulegen und Landwirte für ihre Mindereinnahmen zu entschädigen, braucht es pro Jahr rund 40 Millionen Euro – gut angelegtes Geld für Pflanzen und Tiere und für unsere attraktive Heimat.
Moor-Aktionsplan: 15 Millionen Euro
Moore weltweit speichern mehr Kohlenstoff als alle Wälder.
Hätten Sie gewusst, dass Baden-Württemberg einmal ein Land war, das reich an Mooren war? Heute sind rund 95 Prozent unserer Moore zerstört. Ihre typischen Tier- und Pflanzenarten stehen hoch oben in der Roten Liste, wie die Torfmosaikjungfer oder die Sumpfohreule, wie der Rundblättrige Sonnentau oder das Karlszepter. Moorschutz ist aber mehr als nur Schutz von Arten. Moore sind bedeutende Wasserspeicher und noch bedeutendere Kohlenstoffspeicher. Die Moore weltweit speichern mehr Kohlenstoff als alle Wälder zusammen. Um das Klima zu schützen, ist ein aktiver Moorschutz sogar effektiver als die Wärmedämmung von Gebäuden. Der NABU fordert darum ein breit angelegtes Moorschutzprogramm für Baden-Württemberg, , für den Klimaschutz und die Erhaltung der biologischen Vielfalt. Kosten: Rund 15 Millionen Euro pro Jahr.
Wilde Wälder: 11 Millionen Euro
Naturnahe Wälder sind voller Leben.
Urwälder bedeckten einst fast ganz Baden-Württemberg. Ursprünglich gab es keine Wiesen, keine Felder und keine Weideflächen – nur Wald. Heute sind noch rund 30 Prozent der Landesfläche Wald, aber echte Urwälder gibt es keine mehr. Am nächsten kommen den Urwäldern noch die so genannten Bannwälder, also Waldflächen, auf denen der Wald sich selbst überlassen bleibt. Sie machen jedoch nur rund 0,6 Prozent der Waldfläche Baden-Württembergs aus.
Wilde Wälder, in denen auf großer Fläche der liebe Gott der Förster ist, braucht unser Land aber in viel größerem Umfang: für unzählige Tier- und Pflanzenarten, die auf Urwälder angewiesen sind. Wilde Wälder mit einem hohen Anteil an Alt- und Totholz sind wichtige Kohlenstoffsenken und leisten so einen Beitrag zum Klimaschutz. Wilde Wälder brauchen auch wir Menschen – als Rückzugs- und Erholungsraum. Der NABU fordert, die Bannwaldfläche kurzfristig auf ein Prozent zu erhöhen, mittelfristig auf drei Prozent. Doch auch das kostet Geld, nämlich rund 11 Millionen Euro pro Jahr.

