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Kormorane im Fadenkreuz

Im Sperrfeuer der Angler braucht der Vogel des Jahres unsere Hilfe mehr denn je

Kormoran im Fadenkreuz 1

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Er frisst Fische. Das reicht den (Hobby)-Anglern Baden-Württembergs für ihr Todesurteil. Sie wollen eine neue Kormoranverordnung durchboxen: eine so genannte Flächenlösung. Das Töten des Vogels des Jahres 2010 soll noch einfacher werden als es jetzt schon ist. Den vielen Fischarten, die im Land auf der Roten Liste stehen, wird das allerdings kaum helfen.

Die Angler wollen eine Ausweitung der Kormoranvergrämungen: Feuer frei auf ganzer Fläche. Eine Ausnahme sollen die Vogel- und Naturschutzgebiete sein. Dass diese Einschränkung nicht viel wert ist, hat die Aktion „Kaltei“ am 8. April 2008 gezeigt. Das Regierungspräsidium Freiburg hatte in einer kalten Nacht die brütenden Kormoraneltern im Natur- und Vogelschutzgebiet „Radolfzeller Aachried“ mit Halogenscheinwerfern von ihren Nestern und Eiern vertrieben, damit diese absterben. Die Behörde wusste, dass auch streng geschützte Vögel gestört werden.

Vernunft und Augenmaß gefragt

Einsamer Kormoran 220x150

Hat derzeit wenig Freunde: der Kormoran.

Der NABU glaubt, dass das illegal gewesen ist und klagt gegen das Land. „Wir werden auch gegen die Flächenlösung kämpfen“, verspricht Dr. Andre Baumann, NABU-Landesvorsitzender. Auch gegen den erbitterten Druck der Angler. Erst Anfang Januar haben wütende Angler und Bodenseefischer am Rande der Naturschutztage am Bodensee gegen den NABU demonstriert. „Statt Wut und Hass brauchen wir Vernunft und Augenmaß“, fordert Baumann.

Der Kormoran hat ein Recht darauf, zu bleiben und zu leben. Zudem bringt es nichts, Kormorane zu schießen. Für jeden erschossenen Vogel rückt ein anderer nach. Das Nahrungsangebot reguliert ihren Bestand. Gibt es viel zu fressen, gibt es auch viel Nachwuchs. Gibt es wenig, überleben nur wenige. Erst seit einigen Jahren brüten Kormorane wieder bei uns. Wenn sie nicht unter Naturschutz gestellt worden wären, gäbe es keine mehr. Mittlerweile hat sich ihr Bestand in Baden-Württemberg auf etwa 440 Brutpaare eingependelt. Die verteilen sich hauptsächlich am Oberrhein und am Bodensee. Die Brutkolonien sind alle in Naturschutzgebieten, etwa am nördlichen Oberrhein bei Karlsruhe oder im Radolfzeller Aachried am Bodensee.

Vorurteile trüben Blick

Gelege des Kormorans

Die Eier der Kormorane waren im April 2008 Ziel der Tötungsaktion "Kalt-Ei".

Viele Hobbyangler und Berufsfischer hassen den Kormoran. In einschlägigen Magazinen sprechen sie sogar von der schwarzen Pest. Warum? Sie werfen ihm vor: er frisst ihnen alle Fische weg. Die rund 30 badischen und schweizerischen Berufsfischer am Untersee des Bodensees fühlen sich sogar in ihrer Existenz bedroht. Tatsächlich gibt es immer weniger Fischer. Dieser Trend hat vor rund hundert Jahren begonnen, bevor die Kormorane wieder an den Bodensee zurückgekommen sind.

Tatsache ist, die Fangerträge mancher Fischarten gehen seit Jahren zurück. Aber daran ist der Kormoran nicht schuld. Der Bodensee ist dank Natur- und Umweltschutz wieder ein sauberes Gewässer. Vier Millionen Baden-Württembergern spendet er bestes Trinkwasser. Zehntausende Touristen baden in klarem Wasser ohne Algenmatten. Weniger Phosphate aus Abwässern bedeuten weniger Algen und damit weniger Fischfutter. Die Fische vermehren sich weniger und wachsen langsamer.

Außerdem glauben Hobbyangler und Fischer, der Kormoran rotte die landesweit bedrohte Äsche aus. Das geht nicht auf das Konto des Kormorans, der ohnehin vor allem Rotaugen, Brachsen und Kaulbarsch frisst, sondern auf das des Menschen. Er verändert die Fließdynamik von Flüssen, indem er sie staut, begradigt oder umleitet. Die strömungsarmen Uferbereiche heizen sich schnell auf, veralgen und taugen nicht mehr als Laichplatz für die Äsche und andere Fische.

„Der NABU setzt sich für naturnahe, fließende Gewässer ein, in denen auch Äschen laichen können“, sagt Baumann. Angler, Fischer, Behörden sollten sich gemeinsam mit den Naturschützern für mehr naturnahe Flüsse und Seen einsetzen – und mit uns für den Schutz des Klimas.

Retten Sie gemeinsam mit uns den Vogel des Jahres 2010 vor der Flinte!

Dr. Andre Baumann

Dr. Andre Baumann

Hobbyangler wollen den freien Schuss auf den Kormoran, immer und überall. Sie glauben, er frisst ihnen alle Fische weg und ist schuld am Rückgang der landesweit bedrohten Fischart Äsche. Der NABU weiß: Der Kormoran ist unschuldig und muss bleiben dürfen! Der NABU will verhindern, dass er grundlos abgeschossen wird. Erst seit wenigen Jahren brütet er wieder bei uns. Wir werden alle uns verfügbaren Mittel nutzen: den Dialog suchen, über Zusammenhänge aufklären, notfalls auch juristisch vorgehen. Unsere Klage gegen die illegale Brutstöraktion „Kaltei“ ist noch immer vor Gericht. Vielleicht müssen wir auch gegen die Kormoranverordnung klagen. Für unseren Protest brauchen wir Geld. Darum bitten ich Sie um Ihre Hilfe. Spenden Sie bitte für den Kormoran und für mehr Toleranz!

Herzlichen Dank,
Ihr Dr. Andre Baumann
NABU-Landesvorsitzender

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Ansprechpartnerin

Mariana Cankovic

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