Baden-Württemberg.NABU.de Themen Gewässer Fischerei
Angelsport und Fischerei einschränken!
NABU: Angelsport und Fischerei einschränken!
Stopp der Angelei in Schutzgebieten und längere Schonzeiten sind überfällig
16. Dezember 2009 -
Bedrohte Fischarten sollen zukünftig in Baden-Württemberg besser geschützt werden – auch vor Anglern und Fischern. Das fordert der NABU in seiner Stellungnahme zur geplanten Änderung der Landesfischereiverordnung. „Um Fischarten zu schützen, weist das Land Schutzgebiete aus und meint sogar Kormorane abschießen zu müssen. Da ist es nur folgerichtig und notwenig, bedrohte Fischarten auch vor Anglern und Fischern zu schützen. Insbesondere in FFH-Gebieten, die dem Fischartenschutz dienen, dürfen keine Fische mehr geangelt werden“, fordert der NABU-Landesvorsitzende Dr. Andre Baumann. Ausnahmen von diesem Verbot dürfe es nur im Einzelfall geben.
Forellen
In seiner Stellungnahme fordert der NABU zudem, die Schonzeiten für Fisch- und Krebsarten mit rückläufigem Bestandstrend auszudehnen. Gefährdete und vom Aussterben bedrohte Arten müssten ganzjährig geschont werden. „Die Jäger machen den Anglern vor, wie’s geht: Sie schonen Reb- und Auerhuhn aufgrund ihrer Bestandsrückgänge ganzjährig“, sagt Baumann. „Was für Reb- und Auerhühner gilt, muss auch für Äschen, Bachforellen und Co. gelten. Es ist nicht einzusehen, dass Fischarten der Roten Liste in der Bratpfanne brutzeln.“
Der NABU fordert weiter, dass in EU-Vogelschutzgebieten während der Brutzeit von geschützten Vögeln der Angelsport ruht. Zahlreiche Untersuchungen zeigten, dass Angler die Vögel dann erheblich stören und den Bruterfolg vermindern. In Vogelschutzgebieten müssten auch Angler mehr Rücksicht nehmen.
Angeln in Fisch-Schutzgebieten sollte tabu sein.
Natur- und tierverträglicher muss aus NABU-Sicht auch die Fischerei am Bodensee und insbesondere am Untersee werden: „Wir fordern, dass die Fischer ihre Netze zukünftig nur noch eine Nacht lang – von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang – gestellt lassen dürfen. Das ist internationaler Standard, erspart den gefangenen Fischen tagelange Qual und schützt zuverlässig vor dem Zugriff des Kormorans. Der jagt nämlich nur tagsüber“, erklärt Baumann. Derzeit belassen zahlreiche Fischer ihre Netze zwei Tage lang im See und fahren erst dann hinaus, um die gefangenen Fische einzuholen.
Der NABU macht in seiner Stellungnahme deutlich, dass er die Fischerei als legitime Nutzung natürlicher Ressourcen akzeptiert. Wie bei jeder Landnutzung sei es jedoch unabdingbar, dass sie nachhaltig und naturverträglich erfolgt. Sowohl beim Angelsport (Hobby) als bei der Fischerei (Erwerb) sieht der NABU dringenden Korrekturbedarf.
![]() |
NABU-Stellungnahme zur Landesfischereiverordnung (16.12.2009)
|
|
![]() |
Anlage: Fischarten in BW: Gefährdung und Schonzeiten
|
|
Naturnahe Fischerei
Fischbesatz - sinnvoll oder schädlich?
In die fischereilich genutzten Gewässer Baden-Württembergs werden jährlich viele Millionen Jungfische eingesetzt. Dies geschieht in der Hoffnung, dass die besetzten Fischarten in den Gewässern erhalten bleiben und letztlich das Fangergebnis verbessern. Dahinter steht die Annahme: Wer ernten will muss auch säen. Aber bei wildlebenden Tieren gibt es den Zusammenhang zwischen Saat und Ernte nicht. Bei der Bachforelle, die deutschlandweit am häufigsten eingesetzt wird, ist der größte Teil eines neuen Fischbesatzes nach wenigen Tagen nicht mehr nachweisbar. Mehrere Studien belegen, dass Fischbesatz ökonomisch nicht sinnvoll ist: eine ertragssteigernde Wirkung ist in den meisten Fällen nicht festzustellen.
Das Ausbringen von Millionen von Fischen birgt aber auch vielfältige Gefahren für das Ökosystem Gewässer. Dies zeigt eine NABU-Studie. Am stärksten sind die Fischarten bedroht, denen eigentlich durch den Besatz geholfen werden sollte. Ihnen droht die Gefahr der genetischen Vereinheitlichung, wobei eine Vielfalt von gewässerspezifischen Varianten und Ökotypen verloren gehen kann. Außerdem sind die aus Zuchten stammenden Tiere nicht an das Leben unter natürlichen Bedingungen angepasst. Regelmäßige Fütterungen, fehlende Nahrungskonkurrenz und fehlender Feinddruck machen sie gleichsam zu Haustieren. Kommen diese Fische aus den Zuchtbecken nun in eine natürliche Umgebung, so fallen sie innerhalb kürzester Zeit dem Feinddruck zum Opfer oder sie verhungern.
Der NABU empfiehlt daher auf Fischbesatz in Fließgewässern und naturnahen Stillgewässern grundsätzlich zu verzichten und die Fischerei auf der Grundlage von ökologischen Bewirtschaftungsplänen durchzuführen. Statt dessen sollte den Fischen durch den naturnahen Ausbau von Gewässern, die Beseitigung von Wanderungshindernissen und die Vermehrung der Überschwemmungsgebiete geholfen werden. Hierbei bietet sich eine noch engere Zusammenarbeit zwischen Fischern und Naturschützern an.

NABU Regional
Service
E-Cards
Podcasts
Ab sofort gibt es den NABU zum Hören. Vogelstimmen, Musik und Interviews machen den Podcast zu einem wahren Vergnügen fürs Ohr.
Desktopmotive
Verbandsnetz
NATIONALPARK
Alle Infos auf NationalparkNordschwarzwald.de Mehr
Broschüren
Sie suchen Broschüren und Vorträge? Hier sind Sie richtig! Mehr

