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„Fische sind keine Kartoffeln!“

„Fische sind keine Kartoffeln!“

NABU lehnt Düngung des Bodensees vehement ab

Bodenseefischer

Der NABU fordert, dass für den Fischartenschutz zukünftig die Naturschutzverwaltung zuständig ist und nicht wie bisher die Landwirtschaftsabteilung.


25. Juli 2013 - Eine klare Absage erteilt der Naturschutzbund NABU Baden-Württemberg den Forderungen der Fischerei, den Bodensee durch eine Reduktion der Klärleistungen zu düngen, um die Fischereierträge zu steigern. „Dank aufwändiger Klärung des Wassers ist der Bodensee endlich wieder kristallklar und wie von Natur aus nährstoffarm. Das ist einer der größten Erfolge des Umweltschutzes“, sagt der NABU-Landesvorsitzende Dr. Andre Baumann. „Es macht mich fassungslos, dass die Fischerei die Erfolge der Phosphatklärung zurückschrauben möchte.“

Der NABU befürchtet, dass sich die Fischereiverwaltung dieser seit Jahren immer wieder aufkommenden Forderung anschließt. Einmal mehr zeige diese Debatte um die Düngung, dass die Fischereiverwaltung als Teil der Landwirtschaftsabteilung im Ministerium für Ländlichen Raum nicht länger für den Fischartenschutz in öffentlichen Gewässern zuständig sein darf.

„Wie bei den Tier- und Pflanzenarten über der Wasserlinie muss zukünftig auch unter Wasser die Naturschutzverwaltung zuständig sein. Das muss Minister Bonde schnellstmöglich ändern“, fordert Baumann. „Es darf bei den Fischen nicht nur darum gehen, die Erträge zu steigern. Der Bodensee ist ein komplexer, vielfältiger Lebensraum und kein Kartoffelacker, auf dem man mit Dünger die Ernte vergrößert. Fische sind keine Kartoffeln!“

Der NABU sieht auch die Kehrseite der Rückkehr zur Nährstoffarmut: viel weniger Fische für die überwinternden Wasservögel. Bis zu einer Viertelmillion Wasservögel überwintern am Bodensee und sind auf große Nahrungsmengen angewiesen.

Während der Phosphatgehalt des Bodensees aus Sicht des NABU inzwischen im grünen Bereich angekommen ist, machen andere Schadstoffe den Naturschützern größte Sorgen: Die Rückstände von Medikamenten können die Tierwelt im See schädigen. „Die Rückstände der Anti-Baby-Pille etwa hemmen die Fortpflanzung der Fische. Vor allem aus Flüssen gibt es erschreckende Forschungsergebnisse, wonach stellenweise nur noch weibliche Fische schlüpfen.“

Dabei gäbe es bereits erste technische Lösungen, Medikamentenrückstände aus Abwässern zu entfernen. Der NABU fordert das Land auf, diese Technologien weiterzuentwickeln und einzusetzen.

Besorgt nimmt der NABU auch die immer wieder aufflammenden Angriffe gegen den Kormoran wahr. Dabei hat der NABU vor Gericht bewiesen, dass die Fischerei und Fischereiverwaltung falsch lag mit ihrer Behauptung, der Kormoran sei für den Rückgang der Fischbestände verantwortlich. „Die Fischbestände gehen wegen der sinkenden Phosphatgehalte zurück. Der Kormoran ist unschuldig“, betont der NABU-Landeschef.

NABU: Angelsport und Fischerei einschränken!

Stopp der Angelei in Schutzgebieten und längere Schonzeiten sind überfällig

Angler im Abendrot

16. Dezember 2009 - Bedrohte Fischarten sollen zukünftig in Baden-Württemberg besser geschützt werden – auch vor Anglern und Fischern. Das fordert der NABU in seiner Stellungnahme zur geplanten Änderung der Landesfischereiverordnung. „Um Fischarten zu schützen, weist das Land Schutzgebiete aus und meint sogar Kormorane abschießen zu müssen. Da ist es nur folgerichtig und notwenig, bedrohte Fischarten auch vor Anglern und Fischern zu schützen. Insbesondere in FFH-Gebieten, die dem Fischartenschutz dienen, dürfen keine Fische mehr geangelt werden“, fordert der NABU-Landesvorsitzende Dr. Andre Baumann. Ausnahmen von diesem Verbot dürfe es nur im Einzelfall geben.

Forellen

Forellen

In seiner Stellungnahme fordert der NABU zudem, die Schonzeiten für Fisch- und Krebsarten mit rückläufigem Bestandstrend auszudehnen. Gefährdete und vom Aussterben bedrohte Arten müssten ganzjährig geschont werden. „Die Jäger machen den Anglern vor, wie’s geht: Sie schonen Reb- und Auerhuhn aufgrund ihrer Bestandsrückgänge ganzjährig“, sagt Baumann. „Was für Reb- und Auerhühner gilt, muss auch für Äschen, Bachforellen und Co. gelten. Es ist nicht einzusehen, dass Fischarten der Roten Liste in der Bratpfanne brutzeln.“

Der NABU fordert weiter, dass in EU-Vogelschutzgebieten während der Brutzeit von geschützten Vögeln der Angelsport ruht. Zahlreiche Untersuchungen zeigten, dass Angler die Vögel dann erheblich stören und den Bruterfolg vermindern. In Vogelschutzgebieten müssten auch Angler mehr Rücksicht nehmen.

Angler mit Ausrüstung

Angeln in Fisch-Schutzgebieten sollte tabu sein.

Natur- und tierverträglicher muss aus NABU-Sicht auch die Fischerei am Bodensee und insbesondere am Untersee werden: „Wir fordern, dass die Fischer ihre Netze zukünftig nur noch eine Nacht lang – von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang – gestellt lassen dürfen. Das ist internationaler Standard, erspart den gefangenen Fischen tagelange Qual und schützt zuverlässig vor dem Zugriff des Kormorans. Der jagt nämlich nur tagsüber“, erklärt Baumann. Derzeit belassen zahlreiche Fischer ihre Netze zwei Tage lang im See und fahren erst dann hinaus, um die gefangenen Fische einzuholen.

Der NABU macht in seiner Stellungnahme deutlich, dass er die Fischerei als legitime Nutzung natürlicher Ressourcen akzeptiert. Wie bei jeder Landnutzung sei es jedoch unabdingbar, dass sie nachhaltig und naturverträglich erfolgt. Sowohl beim Angelsport (Hobby) als bei der Fischerei (Erwerb) sieht der NABU dringenden Korrekturbedarf.

NABU-Stellungnahme zur Landesfischereiverordnung (16.12.2009)
Anlage: Fischarten in BW: Gefährdung und Schonzeiten

Naturnahe Fischerei

Fischbesatz - sinnvoll oder schädlich?

In die fischereilich genutzten Gewässer Baden-Württembergs werden jährlich viele Millionen Jungfische eingesetzt. Dies geschieht in der Hoffnung, dass die besetzten Fischarten in den Gewässern erhalten bleiben und letztlich das Fangergebnis verbessern. Dahinter steht die Annahme: Wer ernten will muss auch säen. Aber bei wildlebenden Tieren gibt es den Zusammenhang zwischen Saat und Ernte nicht. Bei der Bachforelle, die deutschlandweit am häufigsten eingesetzt wird, ist der größte Teil eines neuen Fischbesatzes nach wenigen Tagen nicht mehr nachweisbar. Mehrere Studien belegen, dass Fischbesatz ökonomisch nicht sinnvoll ist: eine ertragssteigernde Wirkung ist in den meisten Fällen nicht festzustellen.

Das Ausbringen von Millionen von Fischen birgt aber auch vielfältige Gefahren für das Ökosystem Gewässer. Dies zeigt eine NABU-Studie. Am stärksten sind die Fischarten bedroht, denen eigentlich durch den Besatz geholfen werden sollte. Ihnen droht die Gefahr der genetischen Vereinheitlichung, wobei eine Vielfalt von gewässerspezifischen Varianten und Ökotypen verloren gehen kann. Außerdem sind die aus Zuchten stammenden Tiere nicht an das Leben unter natürlichen Bedingungen angepasst. Regelmäßige Fütterungen, fehlende Nahrungskonkurrenz und fehlender Feinddruck machen sie gleichsam zu Haustieren. Kommen diese Fische aus den Zuchtbecken nun in eine natürliche Umgebung, so fallen sie innerhalb kürzester Zeit dem Feinddruck zum Opfer oder sie verhungern.

Der NABU empfiehlt daher auf Fischbesatz in Fließgewässern und naturnahen Stillgewässern grundsätzlich zu verzichten und die Fischerei auf der Grundlage von ökologischen Bewirtschaftungsplänen durchzuführen. Statt dessen sollte den Fischen durch den naturnahen Ausbau von Gewässern, die Beseitigung von Wanderungshindernissen und die Vermehrung der Überschwemmungsgebiete geholfen werden. Hierbei bietet sich eine noch engere Zusammenarbeit zwischen Fischern und Naturschützern an.

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