Baden-Württemberg.NABU.de Themen Gewässer Neckar-Schleusen

Schleusenverlängerung am Neckar

Platz für Wassermänner und Nixen am Neckar

Baumann hält Impulsreferat auf dem Neckarkongress

Max-Eyth-See am Neckar

Ein Platz zum Wohlfühlen

Als „Nagelprobe“ bezeichnete der Vorsitzende des Naturschutzbundes NABU in Baden-Württemberg Dr. Andre Baumann die weitere Entwicklung des schiffbaren Neckars am 4. Februar auf dem Neckarkongress in Stuttgart. „Am Neckarausbau muss sich zeigen, ob es Land, Bund, Kommunen und Unternehmen ernst ist mit der Verbindung von Ökologie und Ökonomie oder ob es sich wieder nur um grünen Lack auf grauem Beton handelt“, sagte Baumann.

Neckarhochwasser

Wildnis und Wasserkraft

„Je stärker die Wirtschaft unseres Landes wuchs, umso stärker litt der Neckar und umso brutaler waren die Eingriffe in den Fluss. Diesen Trend gilt es umzukehren“, forderte der NABU-Landeschef. Baumann warb dafür, mit Konjunkturpaketen in die Renaturierung von Flüssen wie dem Neckar zu investieren statt in den Ausbau der Autobahnnetzes. „Beide Investitionen bringen Arbeiter in Lohn und Brot, aber nur von der Renaturierung werden wir und unsere Kinder auch in Zukunft profitieren. Für die Folgekosten der Straßenbauten dagegen müssen wir noch lange bezahlen.“

Neckar bei Hessigheim

Ein Fluss für Fische

„Wildnis und Wasserkraft“ sowie „Fische und Frachter“ – das sind für Baumann die Leitbilder für den Neckar. Im nicht-schiffbaren Neckar zwischen Schwenningen und Plochingen sollten in den nächsten 15 Jahren zehn großflächige Wildflussabschnitte entstehen und Wasserkraftwerke modernisiert werden. „Der schiffbare Neckar zwischen Plochingen und Mannheim muss nicht nur für 135-Meter-Schiffe, sondern auch für Fische passierbar sein. Besser als Fischtreppen sind hier revitalisierte Altarme“, sagte Baumann.

Als Indiz für eine gelungene Entwicklung des Neckars bezeichnete Baumann, wenn zukünftig wieder wild-verwunschene Stellen zu finden sind. „Wo sich die Wassermänner und Nixen unserer Sagenwelt wohl fühlen würden, da geht es auch Fischen, Vögeln und den Menschen gut“, erklärte er. „Frachter und Fische müssen sich nicht ausschließen. Wir brauchen einen lebendigen Neckar, von dem wir sowohl als Erholungs- und Lebensraum als auch als Wasserstraße und durch Energiegewinnung profitieren.“

4. Februar 2009

Neckar muss für Fische durchgängig werden

BUND, LFV, LNV und NABU fordern Ausgleich für den Ausbau des Flusses

Neackar bei Ludwigsburg - 220x150

Der Neckar soll für 135m lange Schiffe ausgebaut werden

Der Neckar zwischen Plochingen und Mannheim muss für Fische und wasserlebende Organismen wieder vollständig durchgängig sein. Das haben jetzt der baden-württembergische Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Landesfischereiverband (LFV), der Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg (LNV) und der Naturschutzbund (NABU) in ihrer gemeinsamen Stellungnahme von der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Südwest gefordert. Die aktuelle Vereinbarung zwischen der Behörde, und den zuständigen Ministerien des Landes sieht nur sieben der 29 Wehre vor, die ökologisch durchgängig gemacht werden sollen. „Diese Maßnahme reicht auf keinen Fall aus, um den Ausbaus des Neckars für 135-m-Schiffe auszugleichen“, erklären die Naturschutzverbände. Sie kritisieren auch die Weigerung der Schifffahrtsdirektion, ihren Pflichten für weit mehr ökologisch notwendige Verbesserungen nachzukommen, die sich aus der europäischen Wasserrahmenrichtlinie ergeben.

Neckar bei Mannheim

Der Neckar bei Mannheim

„Der Ausbau für die Schifffahrt war die Ursache, dass der frei strömende Neckar heute einer Kette von Stauseen gleicht“, betont die BUND-Landesvorsitzende Dr. Brigitte Dahlbender: „Wenn der Neckar von Mannheim bis Plochingen für 135-m-Schiffe passierbar sein wird, muss er auch für Fische und andere Wassertiere wieder vollständig durchgängig sein.“

Die Verbände kritisieren außerdem, dass die geplanten Fischaufstiegsanlagen direkt in die Schleusenkanäle führen. Bei Kochendorf, Pleidelsheim und bei Heilbronn-Horkheim sei es aber ökologisch sinnvoller, wenn die Fische die Wehre über den jeweiligen Neckar-Altarm umschwimmen könnten. „Die Ufer und Sohlstrukturen der Altarme sind die weitaus wert-vollsten Lebensräume am schiffbaren Neckar, leiden aber unter der viel zu geringen Min-destwasserführung“, führt der NABU-Landesvorsitzende André Baumann aus. „Fisch-Durchgängigkeit und eine ausreichende Mindestwasserführung in den Altarmen müssen höchste Priorität haben – anders ist das ‚gute ökologische Potenzial’, das die Europäische Wasserrahmenrichtlinie fordert, am Neckar nicht zu erreichen.“

Strauwehr bei Ladenburg

Ein Neckarstauwehr

In der Verwaltungsvereinbarung wird der Neubau einer Fischaufstiegsanlage an der Staustufe Lauffen als Kompensationsmaßnahme für die geplante Schleusenverlängerung darge-stellt. „Hier spielt die Wasser- und Schifffahrtsdirektion mit falschen Karten“, kritisiert der Präsident des Landesfischereiverbands Wolfgang Reuther, „die alte Lauffener Fischtreppe wurde bei einer Baumaßnahme an der Schleuse abgeschnitten und damit funktionsunfähig gemacht. Wenn jetzt eine neue Fischaufstiegshilfe nach dem Stand der Technik angelegt wird, wird damit ein alter Fehler behoben, aber kein neuer Eingriff ausgeglichen.“

Karpfen

Karpfen im Neckar

Auch den Nutzer der Wasserkraft, die Neckar AG bzw. deren Mutterkonzern EnBW, sehen die Verbände in der Pflicht: „Die Mindestwasserführung in den Altarmen bedeutet weniger Wasser für die Kraftwerke“, stellt der LNV-Vorsitzende Reiner Ehret fest. „Hier lässt sich eine win-win-Situation schaffen, wenn die Wasserabgabe in die Altarme über Mindestwas-serkraftwerke erfolgt. Dann kann die Verbesserung der Gewässerökologie sogar mit einem Ausbau der regenerativen Stromerzeugung verbunden werden.“

30. Januar 2009

Schleusenverlängerung am Neckar

Verbände fordern gleichzeitig ökologische Aufwertung

Schleuse am Main

Auch der NABU befürwortet die Stärkung des Güterverkehrs auf dem Wasser.

"Mit der Verlängerung der Schleusen im Neckar müssen auch die ökologischen Verbesserungen nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie umgesetzt werden", fordern die Vorsitzenden von BUND, LFV, LNV und NABU anlässlich des ersten Plattformtreffens "Unser Neckar" am 12.6.07 im Landratsamt Esslingen.

Das Bundesverkehrsministerium möchte die 27 Neckarschleusen zwischen Plochingen und Mannheim verlängern, damit bis zu 135 Meter lange Schiffe den Neckar passieren können. Ab 2009 sind allerdings auch die Maßnahmen zur Verbesserung der ökologischen Situation am Neckar umzusetzen. Die Verbände erwarten von der Landesregierung, dass sie sich gegenüber dem Bundesverkehrsministerium mit einem integrierten Konzept derart einsetzt, wie man es von ihr im Sinne der Nachhaltigkeitsstrategie erwarten darf.

Grundsätzlich befürworten BUND, LFV, LNV und NABU, dass mehr Güter auf dem Wasser transportiert werden sollen. Im Vergleich zum Straßenverkehr verbrauchen Schiffe weniger Energie und erzeugen weniger CO2-Emissionen. Mit einer Verlängerung der Neckarschleusen muss aber zugleich die Verbesserung der ökologischen Funktionsfähigkeit des Flusses einhergehen, indem die Struktur- und Artenvielfalt im und am Wasser erhöht sowie die Zuflüsse miteinander verbunden werden.

"Im Schnitt zerschneidet alle vier Kilometer ein Querbauwerk den Neckar auf der rund 202 Kilometer langen Strecke zwischen Plochingen und Mannheim", rechnen die vier Verbände vor. Durch den Ausbau als Wasserstraße ist der Neckar, der nahezu komplett in Baden-Württemberg verläuft, deshalb längst kein fließendes Gewässer mehr. Insgesamt 48 Wehre und Schleusen entlang der Wasserstraße verhindern, dass Fische den Fluss durchwandern und die wenigen Rückzugs- und Laichgebiete erreichen können. Diese liegen insbesondere in den fünf Altneckarabschnitten bei Ilvesheim, Heidelberg, Neckarsulm, Heilbronn und Freiberg. Hier sind Reste des frei fließenden Neckars und seiner Aue erhalten geblieben. Jedoch leiden alle Altneckarabschnitte bis heute unter Wassermangel, weil der Neckar praktisch vollständig für die Stromgewinnung und Schleusung von Schiffen genutzt wird. Neben der Schifffahrt ist die Erzeugung von Wasserkraft an den Wehranlagen die wichtigste Nutzung am Neckar zwischen Plochingen und Mannheim. Daher sehen die Verbände den Bund, die Betreiber der Wasserkraftanlagen sowie das Land in gemeinsamer Verantwortung für die dringend notwendige ökologische Aufwertung des Flusses.

"Wie ernst es die Landesregierung mit ihrer Nachhaltigkeitsstrategie meint, wird sich an diesem Prüfstein zeigen" sind sich die vier Vorsitzenden einig. Jede Nachhaltigkeitsdiskussion werde unglaubwürdig, wenn zwar für die allein ökonomisch motivierte Schleusenverlängerung vom Bund über 150 Millionen Euro plus zusätzliches Personal bereit gestellt werden und andererseits für die Pflicht zur zeitgleich notwendigen Umsetzung europäischer Naturschutzziele im Gewässerbereich die Verantwortung geleugnet und die Finanzmittel verweigert werden. Hier sei die Landesregierung in der Pflicht, mit ihrem Versprechen ernst zu machen, der Ökologie den gleichen Stellenwert einzuräumen wie der Ökonomie. Die fälligen Ausgleichsgelder für die Eingriffe in die Natur durch die geplanten Schleusenverlängerungen reichen nicht ansatzweise aus, um eine Korrektur der in der Vergangenheit am Neckar durch Bebauung verursachten Zerstörungen auszugleichen. Damit erteilen die Verbände auch denjenigen Kommunen eine Absage, die bereits begehrliche Blicke auf die Ausgleichsgelder werfen und hoffen, damit ihre Gemeinden sanieren oder ihre eigenen Hausaufgaben fremd finanzieren zu können.

Die grundlegenden Forderungen der vier Verbände für eine Zustimmung zur Verlängerung der Schleusen und eine parallel angestrebte Verlängerung der Konzession zur Gewinnung von Wasserkraft am schiffbaren Neckar sind:

  • Der Bau von Fischaufstiegshilfen an allen Querbauwerken, an denen dies ökologisch notwendig ist, sowie Abstiegshilfen für die Fische nach aktuellem Stand der Technik.
  • Die Sicherstellung einer bislang fehlenden, ausreichenden Mindestwasserabgabe in die Altneckarabschnitte von in der Regel 10 m³/Sekunde.
  • Die Einrichtung eines ökologischen Sonderfonds "Neckar-Einzugsgebiet Nord", in den ein Anteil von 0,01 Euro pro kWh erzeugten Stroms aus Wasserkraft eingezahlt wird. Mit den Mitteln sollen weitere Maßnahmen zur Verbesserung des ökologischen Zustands vom Neckar und seinen Zuflüssen finanziert werden.
  • Der Verzicht auf einen weiteren Ausbau des Neckars wie etwa eine weitere Vertiefung der Fahrrinne oder auf intensivere Unterhaltungsmaßnahmen als Folge der Schleusenverlängerung.
  • Eine Verankerung der aktiven Verlagerung des Güterverkehrs weg von der Straße hin zu Schiff und Bahn im Generalverkehrsplan . Das bedeutet z. B. den Verzicht auf alle Straßenneu- und Straßenausbaumaßnahmen parallel zum schiffbaren Neckar.
"Nur wenn der Neckar in Zukunft nicht nur für große Schiffe, sondern auch für die seit jeher heimischen Fische durchgängig sein wird, stellt die volkswirtschaftlich zweifelhafte Verlängerung der Schleusen auch eine Verbesserung für den Lebensraum Neckar dar und ist gegenüber den Steuerzahlern zu rechtfertigen", sind sich die vier Verbände einig.


11. Juni 2007



mehr Mehr Infos zum NABU-Engagement am Neckar unter www.Lebendiger-Neckar.de

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