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Freie Bahn für Wildtiere gefordert

Freie Bahn für Wildtiere

250.000 Kollisionen pro Jahr verdeutlichen Handlungsbedarf

Überfahrener Dachs

Zahlreiche Tiere sterben beim Überqueren einer Straße.

24. Februar 2011 - Auf Deutschlands Straßen sterben Wildtiere im Minutentakt. Nach den offiziellen Zahlen kollidiert alle zwei Minuten ein Tier mit einem Auto – Stunde um Stunde, Woche für Woche, Jahr für Jahr. Die Schäden sind für beide Seiten verheerend, die Dunkelziffer hoch. Der Landesjagdverband (LJV) und der NABU Baden-Württemberg fordern die Landesregierung daher gemeinsam auf, die Brennpunkte zu entschärfen und das Land für Tiere durchgängig zu machen. Die Verpflichtung nach dem Bundesnaturschutzgesetz dazu bestehe bereits seit 2002 und auch die Pläne lägen mit dem Generalwildwegeplan des Landes und dem NABU-Bundeswildwegeplan bereits in den Schubladen.

Rehbock

Der Generalwildwegeplan soll ein Hilfsprogramm für Rotwild, Dachs und Luchs sein und keines für den Papiertiger.

„Was das Land bislang unternommen hat und in Zukunft plant, um das Land durchgängig zu machen, reicht bei weitem nicht aus“, kritisieren Landesjägermeister Dr. Dieter Deuschle und der NABU-Landesvorsitzende Dr. Andre Baumann. „Landwirtschaftsminister Köberle und Umwelt- und Verkehrsministerin Gönner möchten zwar inzwischen bei Straßenneubauten die Belange wandernder Tierarten berücksichtigen, trauen sich aber nicht an die vielen tausend bestehenden Straßen heran. Das aber wäre dringend notwendig. Denn klar ist: Der Generalwildwegeplan soll ein Hilfsprogramm für Rotwild, Dachs und Luchs sein und keines für den Papiertiger.“

Beide Minister verweisen in aktuellen Schreiben an die Naturschützer lediglich auf Geldmittel für Vernetzungsmaßnahmen an Bundesfernstraßen und Bundesautobahnen des Konjunkturpakets II der Bundesregierung und des in Erarbeitung befindlichen „Bundesprogramms Wiedervernetzung“. „Geldmittel für Grünbrücken und Vernetzungsmaßnahmen etwa an Landstraßen gibt es leider nicht“, müssen Baumann und Deuschle enttäuscht feststellen. NABU und LJV fordern die Landesregierung auf, auch bestehende Verkehrstrassen des Landes mit eigenen Geldmitteln umzugestalten, wenn sie bedeutende Wildtierkorridore zerschneiden und eine Gefahr für Mensch und Tier sind. Dabei können sowohl Grünbrücken und Tier-Unterführungen neu gebaut als auch bestehende Querungen intelligent genutzt werden. Welche Brennpunkte dabei vorrangig zu entschärfen sind, könne die Regierung ihrem eigenen Generalwildwegeplan sowie dem NABU-Bundeswildwegeplan entnehmen.

Rotfuchs

Durch Verkehrstrassen werden natürliche Wanderbewegungen verhindert, und die Populationen können sich nicht vermischen.

„Unsere Nachbarländer sind uns hier zum Teil bereits einige Schritte voraus. Die Niederlande haben bereits ein nationales Entschneidungsprogramm mit Namen ‚ontsnippering’ gestartet, ähnlich Ansätze gibt es in Österreich. Und auch die Bundesregierung hat in ihrer Nationalen Biodiversitätsstrategie die ökologische Durchgängigkeit aller Verkehrswege bis 2020 angemahnt“, so Baumann und Deuschle.

In Deutschland kommt es im Straßenverkehr jedes Jahr zu ungefähr 250.000 Kollisionen. Da viele Unfälle nicht gemeldet werden, dürfte die tatsächliche Anzahl deutlich höher sein als diese offiziellen Zahlen. Zudem würden zahlreiche Kollisionen von den Autofahrern überhaupt nicht bemerkt – etwa wenn Kröten, Igel oder Fledermäuse überfahren werden, betont der NABU. Für die Menschen entstehen durch Wildunfälle jedes Jahr Schäden von rund 500 Millionen Euro. Den größten Preis bezahlen jedoch die Wildtiere, die sich schwer verletzen oder umkommen. Für die Natur insgesamt ist die immer weitergehende Zerschneidung der Landschaft durch Verkehrstrassen eine massive Bedrohung, weil Lebensräume verinseln und natürlich Wanderbewegungen sowie die Vermischung benachbarter Populationen verhindert werden.

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