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NABU fordert besseren Schutz von Mooren
NABU fordert besseren Schutz von Mooren
Baumann: „Moorschutz ist Klimaschutz für den kleinen Geldbeutel“
Der NABU fordert die Landesregierung dazu auf, ein Moorkonzept zu erstellen.
02. Oktober 2009 -
Um die Moore Baden-Württembergs besser zu schützen, fordert der NABU die Landesregierung auf, ein Moorschutzkonzept zu erstellen und ihre Landwirtschaftspolitik zu ändern. „Wer ernsthaft etwas für das Klima und die biologische Vielfalt tun möchte, muss unsere Moore schützen“, sagte der NABU-Landesvorsitzende Dr. Andre Baumann auf einer Pressekonferenz am heutigen Donnerstag in Stuttgart. „Mit wenig Geld lässt sich hier viel erreichen.“ Der NABU ist bereits seit über 100 Jahren im Moorschutz aktiv – etwa am Federsee in Oberschwaben.
Neben der Verbrennung von Kohle und Öl ist die fortschreitende Zerstörung der Moore einer der größten Klimakiller. Weltweit stammen zehn Prozent des freiwerdenden Kohlendioxids aus geschädigten – sprich: entwässerten – Mooren. Moore binden weltweit mehr Kohlenstoff als Wälder. Sie entstehen, wenn Torfmoose und andere tote Pflanzen bei hohen Wasserständen sich nicht vollständig zersetzen können. Die abgestorbenen Pflanzenteile bleiben somit größtenteils erhalten und der darin gebundene Kohlenstoff entweicht nicht in die Atmosphäre. Wenn Moore entwässert und zu Äckern umfunktioniert werden, zersetzt sich der über Jahrtausende gebildete Torf, wobei große Mengen klimaschädlicher Gase entstehen, etwa Kohlendioxid und Lachgas.
„Bis vor 200 Jahren war Baden-Württemberg bekannt für seinen Reichtum an Mooren“, sagte der Moorexperte und NABU-Landesvorstand Dr. Markus Röhl. „Davon kann heute keine Rede mehr sein, etwa 95 Prozent unserer Moore wurden seither zerstört: entwässert, abgetorft und in Ackerflächen umgewandelt.“ Heute gibt es noch rund 60.000 Hektar Moorfläche in Baden-Württemberg, vor allem im Allgäu und in Oberschwaben, auf der Baar, im Schwarzwald und am Oberrhein.
Durch den Schutz der Moore können Treibhausgase eingespart werden.
Neben ihrer Funktion für den Klimaschutz seien die Moore vor allem als Lebensraum für zahlreiche spezialisierte Pflanzen und Tiere sowie für den Wasserhaushalt unverzichtbar, erläutert Röhl weiter: „Es ist daher höchste Zeit, unsere Moore auf der gesamten Fläche zu bewahren und wieder aufzuwerten. Was das Land bislang an den Kronjuwelen der Moore, am Wildsee im Schwarzwald oder dem Wurzacher Ried geleistet hat, muss jetzt auf die gesamte Fläche gebracht werden. Die Zeit der Prototypen ist vorbei, jetzt müssen wir in die Serienproduktion einsteigen“, forderte Röhl.
Um die Moore im Land besser zu schützen, ruft der NABU die Landesregierung auf, vor allem in zwei Punkten tätig zu werden: „Das Land muss dringend ein Moorschutzkonzept ausarbeiten – ähnlich wie es der Freistaat Bayern bereits getan hat. Darin gilt es, den Ist-Zustand zu erheben, Maßnahmen zu planen und schließlich umzusetzen. Rund 15 Millionen Euro muss das Land dafür pro Jahr investieren“, sagte NABU-Landeschef Baumann. „Die bisher vom Umweltministerium angedachten Mittel im Moorschutz sind nicht mehr als ein Tropfen aufs ausgetrocknete Moor. Das Land muss zahlreiche Flächen kaufen, um sie wirkungsvoll zu schützen. Und das geht nicht ohne zusätzliche Mittel.“
Neben einem Moorschutzkonzept fordert der NABU auch eine Moor-verträglichere Agrarpolitik. So dürfe die EU aus NABU-Sicht keine Bewirtschaftung mehr fördern, für die Moorflächen entwässert werden. Von Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Rudolf Köberle fordert der NABU, dass es zukünftig keinen Ackerbau mehr auf ehemaligen Moorflächen geben dürfe. Stattdessen sollen diese Flächen wenn überhaupt nur als Wiesen und Weiden bewirtschaftet werden, da dies weit weniger schädlich für Klima und Artenvielfalt sei.
Baumann erinnerte die Landesregierung daran, dass der Schutz der Moore trotz notwendiger Investitionen die bei weitem günstigste Methode sei, Treibhausgase einzusparen. Während eine eingesparte Tonne an Treibhausgasen bei der Wärmedämmung von Häusern beispielsweise rund 500 Euro kostet, ist eine Tonne Ersparnis im Moorschutz schon ab zwei Euro zu haben. „Moorschutz ist Klimaschutz für den kleinen Geldbeutel“, betonte Baumann.
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