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Bunte Streuobstwiesen statt Infostände

Bunte Streuobstwiesen statt bunte Infostände

NABU übt Kritik an Sympathiekampagne von Landwirtschaftsminister Köberle

Streuobstäpfel in Korb

Baden-Württemberg ist das Streuobstwiesenland Nummer eins europaweit.

23. Januar 2011 - „Die Sympathiekampagne des Landes zum Streuobst ist nett, aber nicht wirkungsvoll“, sagte NABU-Landeschef Dr. Andre Baumann. Baumann kritisierte Landwirtschaftsminister Köberle, der heute auf der Grünen Woche in Berlin die Sympathiekampagne des Landes Baden-Württemberg zum Streuobst vorgestellt hatte. "Landwirtschaftsminister Köberle möchte anscheinend mit der bunten Sympathiekampagne vom Versagen des Landes beim Streuobstwiesenschutz ablenken, um die falsche Landwirtschaftspolitik fortzusetzen."

Der NABU begrüße zwar den Einsatz Köberles für Streuobstwiesen, denn diese gehörten zu den artenreichsten Lebensräumen Europas und sie prägten das Gesicht mancher Regionen Baden-Württembergs. Baden-Württemberg sei das Streuobstwiesenland Nummer eins europaweit: "Mehr als jeder dritte Streuobstbaum Deutschlands wächst in Baden-Württemberg. Streuobstwiesen gehören mit über 5.000 Tier- und Pflanzenarten sowie über 3.000 Obstsorten allein in Deutschland zu den Ökosystemen mit der höchsten Biodiversität in ganz Europa." Das Schlimme aber sei: Bei der Mehrzahl der Streuobstwiesenflächen lohne es sich für Landwirte kaum, diese zu bewirtschaften.

Birnen

Allein durch die Sympathiekampagne wird der Negativtrend bei Streuobstwiesen nicht aufgehalten.

Allein durch die Sympathiekampagne und eine Landwirtschaftsförderung mit der Gießkanne werde der Negativtrend bei Streuobstwiesen nicht aufgehalten. "Wir fordern einen gesetzlichen Biotopschutz im Naturschutzgesetz Baden-Württemberg, damit Streuobstwiesen endlich besser gegen die Vernichtung durch Baugebiete gesichert sind. Wir wollen eine bessere Förderung für Landwirte, die Streuobstwiesen ohne Pestizide und ohne künstliche Düngemittel bewirtschaften", so Baumann. "Die Anlage, Pflege und Bewirtschaftung von Streuobstwiesen muss sich wieder lohnen. Es muss sich für Bauern und Gartenbesitzer lohnen, im Herbst den Buckel krumm zu machen und Äpfel und Birnen aufzulesen." Daher sei eine professionelle Bewerbung und Vermarktungsförderung für die rund 40 Streuobst-Aufpreisvermarkter im Ländle ebenfalls notwendig. „Diese vermarkten zum Teil seit über 20 Jahren zunehmend erfolgreich hundertprozentige Streuobstprodukte und garantieren faire Preise zwischen 15 und 20 Euro/dz. Mit ihren vielfältigen Produkten tragen sie millionenfach dazu bei, dass sich die Verbraucher mit gutem Gewissen und ohne Angst vor Giftstoffen von Obst und Getränken ernähren können“, sagte Baumann.

Die Landesregierung habe den Rückgang des wertvollen Kulturerbes nicht ansatzweise aufgehalten. Ein rein "sympathischeres Weiter-so" in der Landwirtschaftspolitik wäre aus der Sicht des Umweltverbands fatal. "Das Land muss endlich ein Rettungspaket für die Streuobstwiesen schnüren“, betonte Baumann. Der NABU forderte im Herbst 2010 alle Parteien auf, in der nächsten Legislatur den Schutz der Streuobstwiesen ins Zentrum des Naturschutzes und der Landwirtschaftspolitik zu rücken.


Hintergrundinformationen
Heute gibt es noch 130.000 Hektar Streuobstwiesen in Baden-Württemberg. Das sieht auf den ersten Blick gut aus, leider aber nur auf den ersten Blick: Der Rückgang der Streuobstbestände in Baden-Württemberg beträgt seit 1990 etwa 20 Prozent, seit 1951 sogar über 60 Prozent. Seit 1951 ging die Zahl der Hochstamm-Obstbäume von über 25 Mio. Bäume auf gut neun Mio Hochstämme (höher als 1,60 m) und damit um rund 250.000 ha Streuobstwiesen zurück. Eine Fläche so groß wie das ganze Saarland ist Plantagen und Straßen, einer verfehlten Agrarpolitik und Baggern zum Opfer gefallen.

Der Vogel des Jahres 2011, der Gartenrotschwanz, ist ein typischer Bewohner von Streuobstwiesen. Der Vogel des Jahres wird seit 1970 jedes Jahr vom NABU gekürt. Mit der Wahl des Gartenrotschwanzes zum Vogel des Jahres möchte der NABU insbesondere auf den Rückgang der Streuobstwiesen hinweisen und Aktionen für Gartenrotschwanz und Streuobstwiesen starten.

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