Baden-Württemberg.NABU.de Themen Streuobst Verarbeitung
Holz
Holz
Nachwachsender Rohstoff
Obstbaumholz ist vielseitig verwendbar.
Früher nutzten die Menschen nicht nur den Unterwuchs als Viehfutter und die Früchte zur Mostherstellung. Äste und Zweige, die beim Baumschnitt anfielen, wurden als Brennholz verwendet.
Die guten, gesunden Stämme der verschiedenen Obstholzarten waren viel zu wertvoll, um einfach verbrannt zu werden. Aus ihnen entstanden Truhen, Tische und Bänke oder diverse Musikinstrumente.
Aber auch für Intarsienarbeiten war Obstholz sehr begehrt.
Für den Blockflötenbau bezogen die Instrumentenbauer ursprünglich das Holz aus der näheren Region. Das bedeutete, dass zum Beispiel Obsthölzer wie Pflaume oder Birne, aber auch Laubhölzer wie Ahorn als Werkstoff für die Herstellung der Blockflöten Verwendung fanden. Holzpfeifen für den Orgelbau können neben Eiche oder Nadelhölzern auch aus Obsthölzern hergestellt werden.
Obstarten wie Apfel-, Kirsch- und Birnbaum werden auch als Edelhölzer bezeichnet. Sie werden besonders von Kunsthandwerkern bevorzugt. Typische Bauernmöbel, die heute oft nur noch in Museen zu sehen sind, wurden oftmals ganz aus Obstholz gefertigt oder mit Einlegearbeiten verziert.
In Amerika und Großbritannien fand vor allem Kirschholz großen Anklang, wo es aufgrund seiner großen Ähnlichkeit anstatt Mahagoni verwendet wurde.
Wertholznutzung - Modellprojekt
Werden hochstämmige Obstbäume mit dem Ziel gepflanzt, den Stamm später als Wertholz zu nutzen, sollten Stammhöhen von mindestens 2 Metern, besser sind 2,5 Meter gewählt werden. Um Verwachsungen durch Äste im Stammbereich zu vermeiden, wird der Baum aufgeastet. Das bedeutet, die unteren Äste werden sukzessive entfernt. Wird dies nicht gemacht, mindern diese Astansätze die Holzqualität des Stammholzes und damit den Verkaufspreis.
Beim Modellprojekt "Streuobst und Holznutzung" wurden im Dezember 2005 im Bliesgau (Saarland) rund 500 hochstämmige Obstbäume mit einer Stammhöhe von 2,5 Metern gepflanzt. Ziel ist es, die Bäume bzw. deren Stammholz für die Möbelverarbeitung zu nutzen.
Deshalb wurden dafür besonders geeignete Obstarten wie Birne, Walnuss, Kirsche und Wildobstarten wie Speierling sowie Elsbeere ausgewählt. Abhängig von der Obstart werden sie nach einer Standzeit von ca. 60 bzw. 120 Jahren einzeln aus dem Streuobstbestand für die Verarbeitung entnommen.
Weitere Informationen zum Projekt bzw. mögliche Ansprechpartner finden Sie beim NABU, Bundesfachausschuss Streuobst, unter www.streuobst.de
Ein weiteres Pionierprojekt mit dem Ziel, einen Obstgarten vorrangig zur Holzgewinnung anzulegen, wird auf den Seiten der Thurgauer Beratungsstelle für Obstverarbeitung vorgestellt.
Holzarten und ihre Verwendung
Apfelbaum (Malus domestica)
Das Holz des Apfelbaumes ist hart. Deshalb sind beim Spalten größere Kraftanstrengungen notwendig, um es im wahrsten Sinne des Wortes kleinzukriegen. Gut gewachsenes, gesundes Stammholz sollte aber anstatt kleingehackt, besser für Spielsachen, Werkzeuge, Furniere, Möbel, Drechsler- oder Schnitzarbeiten verwendet werden.
Apfelbäume sind häufig drehwüchsig und wiederspänig. Diese Eigenschaften mindern die Holzqualität und schränken die Verwendbarkeit ein. Beispielsweise kann in der Möbelindustrie drehwüchsiges Holz kaum mehr eingesetzt werden.
Birnbaum (Pyrus communis)
Ist in der Holzwirtschaft von Schweizer Birnbaum die Rede, dann handelt es sich nicht wie vielleicht angenommen um eine besondere Birnensorte aus der Schweiz, sondern um einen Sammelbegriff. Er umschreibt neben den Wildobstarten Elsbeere und Speierling auch das Holz des Birnbaumes.
Aufgrund des vergleichsweise geringen Angebots an Birnbaum- und Speierlingholz, wird das Holz der Elsbeere am häufigsten verarbeit.
Für gesundes, gutgewachsenes Stammholz des Birnbaumes werden heutzutage hohe Preise bezahlt. Dies liegt daran, dass die Zahl der Birnbäume stetig abnimmt, während die Nachfrage nach diesem hochwertigen Holz stark angestiegen ist.
Birnbaumholz ist vielseitig verwendbar und gilt als sehr elegantes Holz. Kleine Kunstgegenstände oder Holzschalen werden daraus hergestellt sowie Besenstiele oder ganze Besen. Es eignet sich ausgezeichnet für Bildhauer- und Schnitzarbeiten. Verarbeitet zu Furnieren oder gedämpft und schwarz gefärbt als Ebenholzersatz findet das Holz genauso Verwendung wie zur Herstellung von Möbeln, im Innenausbau oder im Modellbau. Dabei ist diese Liste keinesfalls vollständig.
Die Stämme des Birnbaumes bilden häufig Braunkern. Dies mindert die Holzqualität. Die Rohware ist nicht mehr für exklusive Furnierarbeiten einsetzbar. Oft werden auch feine Härchen ausgebildet sowie so genannte Riegel, die bei der Verarbeitung nicht erwünscht sind.
Kirsche bzw. Vogelkirsche (Prunus avium)
Die für die Holzwirtschaft genutzte und gesuchte Kirsche ist nicht der im Garten kultivierte Kirschbaum, sondern die Vogelkirsche. Die heimische Lichtbaumart wächst wild am Waldrand oder in Hecken.
Ihr Stammholz eignet sich hervorragend für die Herstellung von sehr exklusivem Furnierholz, aber auch für den Innenausbau.
Dort kommt Kirschbaumholz bei Deckenverkleidungen oder Verschalungen zum Einsatz. Gerne wird das Holz auch zu Parkett verarbeitet oder für Intarsienarbeiten genutzt. Schnitzerei, Bildhauerei sowie der Musikinstrumentenbau zählen ebenfalls zu den Abnehmern dieser begehrten Holzart.
Kirschbaumholz besitzt einen angenehmen Geruch. Es ist mäßig hart, elastisch und fest, für Außenarbeiten aber nicht geeignet und für Insekten und Pilzbefall anfällig.
Zwetschge (Prunus domestica ssp. domestica)
Das rot- bis violettbraune Kernholz der Zwetschge, das teilweise von dunkleren Adern durchzogen wird, wirkt sehr dekorativ und wird deshalb gerne für Einlegearbeiten oder als Furnier für kleinere Möbel wie Kommoden oder Tische verwendet.
Aufgrund der relativ geringen Stammhöhe, selten sind über zwei Meter nutzbar, besitzt Zwetschgenholz aber nur eine geringe wirtschaftliche Bedeutung in der Furnierindustrie. Es eignet sich sehr gut für Drechslerei- und Schnitzarbeiten. Kleinere Gebrauchsgegenstände und Schmuck werden daraus gefertigt.
Im Musikinstrumentenbau entstehen daraus Blasinstrumente wie beispielsweise Blockflöten. Das Holz der Zwetschge ist dicht, hart und schwer, aber nicht witterungsfest.
Walnuss (Juglans regia)
Wallnuss am Baum
Die Echte Walnuss liefert begehrtes Edelholz, das aber in der Regel nur dann verfügbar ist, wenn die Fruchtbäume gefällt werden.
Ein gezielter Anbau der Walnussbäume zur Wertholzerzeugung wird nur ansatzweise praktiziert. Häufig werden die Bäume auch mitsamt ihrem Wurzelstock ausgegraben.
Der Grund ist allerdings nicht die Knappheit des wertvollen Holzes, sondern sind die knollenartig verdickten bis in die Erde reichenden untersten Stammbereiche: Sie liefern eines der wertvollsten Maser-Furniere. Die gefragten Wurzelfurniere zieren häufig die Armaturen teurer Autos.
Das typische Kernholz des Walnussbaums besitzt einen grauweißen bis rötlich weißen Splint und einen dunkelfarbigen Kern. Walnussholz findet im Möbel- und Innenausbau genauso Verwendung wie für Parkettarbeiten oder Täfelungen.
Aufgrund des hohen Holzpreises wird das Holz vorwiegend als Furnierholz verarbeitet. Eine Besonderheit ist die Herstellung von Gewehrschäften aus Walnussholz. Seine hervorragenden Eigenschaften wie die hohe dynamische Festigkeit und die geringe Neigung zum Splittern, machen es zum idealen Holz für die Gewehrherstellung.

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