Baden-Württemberg.NABU.de Tiere & Pflanzen Amseln, Meisen und Co Gefahren für Vögel Amselsterben durch Usutu-Virus 168 Vögel bisher untersucht

Mittlerweile 168 tote Vögel untersucht

Mittlerweile 168 tote Vögel untersucht

Von den eingesendeten Amseln starben knapp 60 Prozent am Usutu-Virus

Badende Amsel

Amsel beim Bad


19. Oktober 2011 – Im Rahmen des Ausbruches des tropischen Usutu-Virus in der nördlichen Oberrheinebene sind vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut und anderen Untersuchungsstellen mittlerweile 168 tote Vögel untersucht und auf eine Infektion mit dem Erreger getestet worden.

Da Amseln nach Erfahrungen aus früheren Ausbrüchen als besonders anfällig für das Usutu-Virus gelten, wurde natürlich vor allem diese Art zur Untersuchung eingeschickt: 113 der 168 eingesandten Vögel sind Amseln. Und von ihnen sind in knapp 60 Prozent der Fälle das Usutu-Virus nachgewiesen worden. Dass nicht alle Amseln an Usutu-Viren erkrankt sind, hat verschiedene Gründe. Unter anderem stammen manche Vögel aus Regionen ohne Usutu-Problem, manche waren gesund und kamen durch andere häufige Todesursachen wie Straßenverkehr oder Glasscheibenanprall ums Leben.

Auch wenn Amseln schwerpunktmäßig betroffen sind, verursachen doch Usutu-Virus-Ausbrüche nicht ein reines „Amselsterben“, sondern schon ein „Vogelsterben“, denn auch andere Vogelarten sind mit betroffen – wenn auch in deutlich geringerem Umfang. Beim aktuellen Ausbruch war eine Usutu-Virus-Infektion in Einzelfällen auch bei einem Haussperling und einem Star nachweisbar. Erstmals in Europa wurden zudem zwei Eisvögel positiv getestet.

Naturräumlich scheinen sich die meisten Fälle in den Flusstälern von Rhein und unterem Neckar und deren Umland zu konzentrieren. Bereits benachbarte und etwas höher gelegene Gebiete weisen keinen beziehungsweise nur geringen Amselschwund und keine Usutu-Nachweise auf. Nach wie vor bleibt unklar, weshalb gerade Singvögel und vor allem Amseln für diesen Erreger besonders anfällig sind.

Jahreszeitlich bedingt wird in den jetzt bevorstehenden Herbst- und Wintermonaten mit der nachlassenden Stechmücken-Aktivität auch das Thema Usutu-Viren in den Hintergrund treten. Mit weiteren infektionsbedingten Todesfällen ist im Winterhalbjahr nicht zu rechnen. Dennoch sind gerade jetzt Vogelbeobachter gefordert, die Winterbestände der Amsel an Schlafplätzen oder an Futterstellen aufmerksam zu beobachten und zu dokumentieren. Auch bei der NABU-Wintervogelzählung vom 6. bis 8. Januar können möglichst viele Daten wertvolle Hinweise auf mögliche Bestandsveränderungen geben.

Dr. Stefan Bosch

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