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NABU stellt Pestizidbericht vor

50 Prozent weniger Gift bis 2025 möglich

Der NABU hat den ersten Pestizidbericht für Baden-Württemberg vorgestellt. Hintergrund ist die Diskussion im Landtag um die Erarbeitung einer Strategie zur Pestizidreduktion, mit der auch ein Beitrag gegen das Insektensterben geleistet werden soll.


  • Wir fordern weniger Gift für mehr Vielfalt auf dem Acker. - Quelle: NABU BW

  • NABU-Referent für Landwirtschaft und Naturschutz Jochen Goedecke (links) und NABU-Landesvorsitzender Johannes Enssle stellen den Pestizidbericht bei der Landespressekonferenz vor. - Foto: NABU/Claudia Wild

22. März 2018 – Der NABU hat heute den ersten Pestizidbericht für Baden-Württemberg vorgestellt. Hintergrund ist die Diskussion im Landtag um die Erarbeitung einer Strategie zur Pestizidreduktion, mit der auch ein Beitrag gegen das Insektensterben geleistet werden soll. „Wir fordern den Pestizideinsatz in Baden-Württemberg bis 2025 um 50 Prozent zu reduzieren. Wie das gehen könnte und wo das Land auf dem Weg dorthin aktuell steht, zeigen wir mit unserem Pestizidbericht“, sagt der NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle im Rahmen einer Pressekonferenz.

„Mit unserem Bericht liegt erstmalig eine Übersicht über den Pestizideinsatz auf landwirtschaftlichen Flächen in Baden-Württemberg vor. Und da kommt eine Menge zusammen“, erläutert Enssle. „Rund 2.300 Tonnen Pestizide werden jedes Jahr allein im Weizen-, Gerste-, Mais-, Raps-, Zuckerrüben-, Kartoffel-, Wein- und Apfelanbau eingesetzt. Zusammen sind dies etwa 80 Prozent der Acker- beziehungsweise Dauerkulturflächen im Land. Im Südwesten werden damit etwa neun Prozent der bundesweit eingesetzten Pestizide in der Landwirtschaft ausgebracht. Angesichts des Flächenanteils dürften es jedoch nur sechs Prozent sein.“ Von den 2.300 Tonnen entfallen 56 Prozent auf Fungizide, 35 Prozent auf Herbizide, zwei Prozent auf Insektizide und sieben Prozent auf Wachstumsregulatoren. „Das weltweit umstrittene, wahrscheinlich krebserregende Totalherbizid Glyphosat ist mit 203 Tonnen pro Jahr auch in Baden-Württemberg das am häufigsten eingesetzte Mittel, um unerwünschte Wildkräuter auf dem Acker abzutöten.“

NABU-Landwirtschaftsreferent Jochen Goedecke führt aus: „Erschreckend ist, dass viele Flächen mehrfach im Jahr mit Pestiziden behandelt werden. Bei einem Durchschnitt von fast zehn Anwendungen pro Jahr summiert sich die mit den Giften behandelte Fläche bei den untersuchten Anbaukulturen auf insgesamt sechs Millionen Hektar. Allein beim Glyphosat kumuliert sich die behandelte Fläche auf insgesamt 145.000 Hektar im Jahr.“


Der Pestizideinsatz schadet nicht nur Honigbienen. Auch andere Insekten wie Schmetterlinge, Ameisen oder Hummeln sind betroffen. - Foto: NABU/Sabine Holmgeirsson

Der Pestizideinsatz schadet nicht nur Honigbienen. Auch andere Insekten wie Schmetterlinge, Ameisen oder Hummeln sind betroffen. - Foto: NABU/Sabine Holmgeirsson

Pestizide belasten die Umwelt und tragen zum Rückgang der Artenvielfalt bei. „Durch das Wegspritzen von Ackerwildkräutern mit Herbiziden wie Glyphosat finden Insekten wie Wildbienen keine Nahrung mehr. Hochgiftige Insektizide wie jene aus der berüchtigten Wirkstoffgruppe der Neonicotinoide töten die Tiere direkt, schwächen ihr Immunsystem oder führen zum Verlust ihres Orientierungssinns“, berichtet Goedecke. In der Folge verschwinden auch viele Vogelarten, die zur Jungenaufzucht auf Insekten als Eiweißquelle angewiesen sind. „Rückstände von Pestiziden finden sich mittlerweile in vielen Nahrungsmitteln, reichern sich in den Böden an und werden ins Grundwasser ausgewaschen. Selbst in den besonders geschützten Naturschutzgebieten ist der Pestizideinsatz in Baden-Württemberg bislang fast uneingeschränkt möglich. Deshalb macht das Artensterben auch nicht vor Schutzgebieten halt“, fügt der Landwirtschaftsexperte an.

Bei Obst und Wein besonders viel Pestizide
Der Pestizidbericht stellt dar, wie häufig welche Kulturpflanze mit welcher Pestizidgruppe behandelt wird und setzt dies in Relation zur Gesamtfläche Baden-Württembergs. Äpfel und Weinreben machen zwar nur sechs Prozent der Anbaufläche der acht untersuchten Anbaukulturen aus, es werden dort aber 44 Prozent aller Pestizidwirkstoffe ausgebracht. Die Getreidesorten Mais, Wintergerste und Winterweizen vereinen zusammen mit der Ölfrucht Winterraps 91 Prozent der Anbaufläche der acht Kulturen, werden jedoch „nur“ mit der Hälfte der ausgebrachten Pestizidwirkstoffe behandelt. „Die Wirkstoffmenge allein reicht aber noch nicht aus, um eine sinnvolle Bewertung vorzunehmen. Entscheidend ist, wie giftig die eingesetzten Wirkstoffe sind“, betont NABU-Landeschef Enssle. Mit Hilfe eines Indikators – dem sogenannten ‚Toxic Load Indicator‘ – sei es möglich, die umweltrelevante Pestizidlast für jeden Wirkstoff, für jede Kulturpflanze und für ganz Baden-Württemberg messbar zu machen.

Wege zur Pestizidreduktion – Halbierung bis 2025 möglich
In vier unterschiedlichen Szenarien berechnet der NABU die Potenziale für eine Pestizidreduktion: „Allein, wenn wir bestehende Ansätze zum pestizidfreien Weizenanbau wie zum Beispiel die Initiative KraichgauKorn® auf den Weizenanbau im gesamten Land ausdehnen würden, könnten wir viel erreichen. Die Fläche, auf der Pestizide ausgebracht werden, würde sich auf einen Schlag um fast die Hälfte reduzieren. Das zeigt, dass wir mit dem Ruf nach einer Halbierung des Pestizideinsatzes bis 2025 keine unrealistischen Forderungen stellen“, betont Enssle.


Im Jahr 2014 wurden in Baden-Württemberg insgesamt 2.309 Tonnen Pestizidwirkstoffe ausgebracht. - Foto: Arndt Müller

Im Jahr 2014 wurden in Baden-Württemberg insgesamt 2.309 Tonnen Pestizidwirkstoffe ausgebracht. - Foto: Arndt Müller

Pestizidbericht liefert Referenzpunkt für Pestizidreduktionsprogramm des Landes
Der Pestizidbericht des NABU liefert die dringend notwendige Datengrundlage für eine erste „Baseline“ als Ausgangspunkt für die vom Land im Rahmen des „Sonderprogramms zur Stärkung der biologischen Vielfalt“ angekündigte Pestizidreduktionsstrategie. „Wir widerlegen damit den angeblichen Mangel an Daten und Fakten zum Pestizideinsatz im Land. Das in der Vergangenheit immer wieder vorgebrachte Argument, das Land könne sich keine konkreten Ziele setzen, da es nicht wisse, wo wir stehen, zieht damit nicht mehr“, sagt der NABU-Landesvorsitzende. Mit dem Papier unterstreicht der NABU seine Forderung, eine ambitionierte Strategie mit klaren quantitativen Zielen zur Pestizidreduktion und einer Erfolgskontrolle auf den Weg zu bringen. „Wir haben erste Zahlen vorgelegt. Jetzt ist Grün-Schwarz am Zug zu handeln und ein entsprechendes Programm aufzulegen.“

Politischer Wille und etwas Mut!
Den Abschluss des Pestizidberichts bilden zehn Maßnahmenvorschläge als Empfehlung an die Landesregierung. „Zur Umsetzung dieser zehn Punkte braucht das Land vor allem den politischen Willen und den Mut, die entsprechenden Maßnahmen zu ergreifen. Diesen Mut vermissen wir bei der grün-schwarz geführten Landesregierung derzeit noch“, so Enssle. Ein Marathonlauf werde das nicht. „Vieles lässt sich in kurzer Zeit auf den Weg bringen. Für den Rest braucht es etwas mehr Kondition und auch mehr Geld in den landwirtschaftlichen Fördertöpfen.“ Der NABU werde diesen Prozess weiterhin aufmerksam und konstruktiv begleiten.

Datengrundlage
Der Pestizidbericht basiert auf Erhebungen des Julius-Kühn-Instituts (JKI), dem Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, angesiedelt beim Deutschen Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Das JKI liefert Durchschnittswerte aus mehr als 1.300 landwirtschaftlichen Testbetrieben zum Einsatz von Pestiziden in unterschiedlichen Kulturen. Die aktuellsten öffentlich zugänglichen Zahlen stammen aus dem Jahr 2014. Für die Analyse betrachtet wurden die acht Kulturpflanzen Winterweizen, Wintergerste, Mais, Winterraps, Zuckerrüben, Kartoffeln, Wein und Äpfel. Sie machen zusammen etwa 80 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen der Dauerkulturen und des Ackerbaus von Baden-Württemberg aus.


Die zehn Hauptforderungen des NABU im Überblick:

  1. 1. Eine Strategie braucht messbare Ziele: Der Pestizidbericht liefert die Datengrundlage für das Ziel einer Halbierung bis 2025.

  2. 2. Erfolgskontrolle durch Pestizidmonitoring: Ein Pestizidmonitoring muss die Basis der Pestizidreduktionsstrategie des Landes bilden. Alle notwendigen Daten werden bereits auf den landwirtschaftlichen Betrieben erhoben.

  3. 3. Vorbildfunktion des Landes auf landeseigenen Flächen: Auf den 33.000 Hektar landeseigenen Flächen könnte das Land kurzfristig mit seiner Pestizidreduktion beginnen.

  4. 4. Pestizidreduktion auch bei Kommunen und Privatanwendern/-anwenderinnen: Nach dem Vorbild Frankreichs könnte auch hierzulande der Einsatz in Gärten, Parks und andernorts verboten werden.

  5. 5. Verbote und Einschränkungen für ökologisch sensible Gebiete: In besonders schützenswerten Gebieten wie FFH-Lebensräumen und Wasserschutzgebieten kann die Landesregierung nach § 22 des Pflanzenschutzgesetzes schon heute den Gifteinsatz einschränken und den Umstieg auf Ökolandbau stärker fördern.

  6. 6. Landwirtschaftliche Förderung: Staatliche Fördergelder aus dem FAKT-Programm müssen in effektive Maßnahmen zur naturschonenden Landwirtschaft umgeleitet werden.

  7. 7. Verpflichtende Beratung zu Pflanzenschutz und Naturschutz: Die unabhängige Beratung sollte ausgebaut werden, denn allein durch verbesserte Beratung lässt sich der Pestizideinsatz bereits um ein Fünftel reduzieren.

  8. 8. Konsequente und ehrliche Anwendung des Integrierten Pflanzenschutzes: Bevor Pestizide zum Einsatz kommen, müssen zuerst alle naturschonenden Pflanzenschutzmethoden ausgeschöpft werden. Viele Landwirtinnen und Landwirte zeigen bereits wie es funktioniert.

  9. 9. Erhöhung des Flächenanteils des Ökolandbaus auf 30 Prozent: Damit würde der Südwesten die seit Jahren wachsende Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln selbst decken können.

  10. 10. „Regional und pestizidfrei aus Baden-Württemberg“ als Botschaft fürs Ländle: Das Land sollte pestizidfreien Anbau – ob konventionell oder „Bio“ – noch stärker bei der Vermarktung unterstützen.

Den Pestizidbericht als PDF-Datei downloaden:

1.1 MB - Pestizidbericht des NABU Baden-Württemberg
 

Häufige Fragen:


Wie repräsentativ sind die Werte für Baden-Württemberg?

Das Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (Julius-Kühn-Institut (JKI)), das zum Bundeslandwirtschaftsministerium gehört, führt seit 2011 jährliche wissenschaftlich fundierte Erhebungen der sechs bedeutendsten Ackerkulturen Winterweizen, Wintergerste, Winterroggen, Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben sowie der drei Dauerkulturen Tafeläpfel, Hopfen und Wein durch. Der Vergleich der Anbaufläche dieser Kulturen bezogen auf die Bundesrepublik mit den Anbauflächen in Baden-Württemberg zeigt, dass alle flächenmäßig bedeutsamen Kulturen in Baden-Württemberg durch die JKI-Daten erfasst werden. Das JKI deckt mit seinen Erhebungen für die Bundesrepublik 82 % aller Ackerkulturen und 79 % aller Dauerkulturen ab. Bezogen auf Baden-Württemberg werden rund 80 % der Acker- und Dauerkulturen repräsentiert.

Das bedeutet: Es gibt weder bezogen auf die Ackerfläche noch auf die Kulturen „weiße Flecken“. Trotzdem wird es aufgrund unterschiedlicher Betriebsstrukturen und klimatischer Bedingungen Unterschiede geben. Wahrscheinlich werden z. B. im Apfelanbau im Norden Deutschlands mehr Fungizide gegen den Apfelschorf eingesetzt als im Süden. Unterschiede mag es auch bei der Umsetzung von konservierender und/oder pflugloser Bodenbearbeitung geben. Diese hat Einfluss auf den Beikraut- und Schaderregerdruck. Die regionalen Unterschiede können mit den vorliegenden Daten nicht erfasst werden. Ebenso sind kleine jährliche Schwankungen aufgrund von wetterbedingten Unterschieden möglich.

Die bundesweit durch das JKI erhobenen landwirtschaftlichen Daten basieren auf den Angaben der über 1.300 Testbetriebe. Die Daten wurden für diesen Pestizidbericht auf Baden-Württemberg heruntergebrochen. Das Ergebnis der hier erstmalig für Baden-Württemberg hergeleiteten „Baseline“ ist aufgrund der wissenschaftlichen Daten als belastbar einzuschätzen, um daraus ein landesspezifisches Reduktionsziel abzuleiten. Für ein regelmäßiges Monitoring müsste allerdings das Testbetriebsnetz für Baden-Württemberg verdichtet werden, da sich nur so landesspezifische Trends herausfiltern lassen.

Warum wurden nicht nur JKI-Testbetriebe aus Baden-Württemberg betrachtet?

Mit den bundesweit erhobenen Daten des staatlichen Julius-Kühn-Instituts (JKI) liegen für die wichtigsten landwirtschaftlichen Kulturen Durchschnittswerte von mehr als 1.300 Testbetrieben aus ganz Deutschland vor. Diese Daten zum durchschnittlichen Pestizideinsatz haben wir auf die Anbaufläche der jeweiligen landwirtschaftlichen Kultur in Baden-Württemberg übertragen. Würden nur die Durchschnittswerte von aktuellen JKI-Testbetrieben aus Baden-Württemberg verwendet, wäre die Stichprobe zu klein und es entstünden möglicherweise Verzerrungen, die auf den Einzelbetrieb zurückzuführen sind. Darüber hinaus veröffentlicht das JKI keine landesspezifischen Durchschnittswerte. Würde das Testbetriebsnetz im Rahmen eines Pestizidmonitorings für Baden-Württemberg in Zukunft nachverdichtet, wäre auch die Darstellung landesspezifischer Durchschnittswerte möglich und sinnvoll.

Warum wurden Daten von 2014 verwendet?

Vollständige Ergebnisse liegen aus den Erhebungen von 2011 bis 2014 vor. Für die Jahre 2015 und 2016 werden die Ergebnisse nach Aussage des JKI erst in den kommenden Monaten veröffentlicht.

Ergeben sich Schwächen aus der „alten“ Datenbasis?

Für die Berechnung der Ist-Situation und der Szenarien musste auf die Daten aus dem Jahr 2014 zurückgegriffen werden. Dabei handelt es sich um die aktuellsten vollständig vorliegenden Daten. Einige Stoffe, die 2014 zum Beispiel noch bedeutend waren, sind heute nicht mehr zugelassen (u. a. Isoproturon, Topramezone, Carbendazim, Flusilazol, Fluquinconazol). Das hat Einfluss auf Toxic Load und andere Parameter, so dass die Pestiziddaten aus 2014 nicht einfach auf z. B. 2017 übertragen werden können. Mit Erscheinen neuer Daten sollte daher die Ist-Situation in den Berechnungen auf ein jüngeres Jahr gesetzt werden.

Wie entwickelte sich der Pestizidabsatz in den letzten Jahren?

Die Daten des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zum Inlandsabsatz der in der Landwirtschaft angewendeten Pestizide reichen aktuell bis 2016. Werden diese Zahlen betrachtet, so zeigt sich, dass der Inlandsabsatz von 2014 bis 2016 leicht abgenommen hat und sich nun wieder auf dem Niveau von 2013 befindet (siehe Grafik). Die Zeitreihe bis 1993 zeigt, dass der Pestizidabsatz seit 1993 zugenommen hat und dass Unterschiede wie zwischen 2014 und 2016 auf jährliche Schwankungen durch klimatische Einflüsse zurückzuführen sein könnten.

Warum werden im Pestizidbericht keine Angaben zu Hopfen gemacht, obwohl dieser in Baden-Württemberg angebaut wird und dazu auch Daten vorliegen?

Mit einer Anbaufläche von 1.100 Hektar im Bezugsjahr 2014 spielt der Hopfenanbau in Baden-Württemberg eine untergeordnete Rolle. Basierend auf allen neun durch das JKI erhobenen Kulturen macht die Dauerkultur Hopfen gerade einmal 0,5 % des Pestizideinsatzes in Baden-Württemberg aus.

Was ist der Toxic Load Indicator (TLI)?

Der Toxic Load Indicator (TLI) ist ein numerisches Rankingverfahren für Pestizidwirkstoffe. Er bietet einen schnellen und umfassenden Überblick über die wichtigsten umweltrelevanten Eigenschaften eines Wirkstoffes. Der TLI wurde u. a. entwickelt, um im Rahmen von Reduktionsprogrammen Erfolge oder Misserfolge besser sichtbar zu machen. Er kann für die umweltbezogene Analyse des Pestizideinsatzes sowohl auf der Ebene einzelner Kulturen als auch auf der Ebene eines landwirtschaftlichen Betriebes, einer Handelskette oder eines ganzen Landes eingesetzt werden.

Der TLI wird von Umweltverbänden wie Greenpeace, WWF, NABU sowie vom Pestizid Aktions-Netzwerk e. V. (PAN-Germany) anerkannt. Er wird derzeit in Pestizidreduktionsprogrammen der Handelskette Edeka und den Zertifizierungssystemen Fair´n Green und Better Cotton Initiative und der Aid by Trade Foundation angewendet. Der TLI hat in Verbindung mit den Einsatzdaten (Wirkstoffmengen) mehr Aussagekraft als die Wirkstoffmenge allein. In Dänemark wird zur Messung des Pestizideinsatzes ein sehr ähnlicher Indikator, der Pestizidbelastungsindikator (PBI) und seit kurzem eine „Pesticide Load“ verwendet.

Eine genauere Beschreibung zur Funktionsweise des TLI findet sich unter: http://www.pestizidexperte.de/tli.php. Eine wissenschaftliche Beschreibung des TLI unter: www.pestizidexperte.de/Publikationen/Neumeister_17_Toxic_Load_Indicator_Documentation.pdf

Wo liegen die Grenzen des Toxic Load Indicator (TLI)?

Der Toxic Load Indicator ist ein Indikator. Er ist ein Bewertungsinstrument, um die umweltrelevanten Eigenschaften von unterschiedlichen Wirkstoffen besser miteinander vergleichen zu können. Es sollte in Ergänzung zu Feldindikatoren wie Biodiversität, Boden- und Wasserbelastung gesehen werden. Der numerische TLI-Wert ist nur eine Größe unter vielen und es ist durchaus so, dass manche Pestizide mit bestimmten unerwünschten (negativen) Stoffeigenschaften (z. B. eine hohe Umwelttoxizität und Sterblichkeit bei Honigbienen) insgesamt aber einen niedrigen („guten“) TLI haben, weil sie bei anderen Parametern niedrig („besser“) bewertet werden. Obwohl es zudem wünschenswert wäre, noch manche weitere Eigenschaft (z. B. Wirkung auf den Hormonhaushalt des Menschen) zu erfassen, muss immer bedacht werden, dass valide Daten aus weitgehend standardisierten Tests für möglichst viele Wirkstoffe zur Verfügung stehen müssen.

Warum wird gerade mit den vier Reduktionsszenarien gearbeitet?

Es war den Autoren des Pestizidberichtes wichtig, ambitionierte, aber durchaus praxisnahe Szenarien durchzuspielen. Mit der Wahl der Praxisbeispiele „KraichgauKorn®“ (S1), „IP Suisse“ (S2), „Herbizidfreie Kulturen“ (S3) und einem Kombiszenario aus „KraichgauKorn® und IP Suisse“ (S4) konnte diese Praxisnähe hergestellt werden, da alle diese Bewirtschaftungsformen auch in der Praxis stattfinden.

Ob es realistisch ist, diese Szenarien wirklich auf der gesamten Anbaufläche von Baden-Württemberg umzusetzen, ist keine technische Frage, sondern vor allem eine Frage der politischen Rahmenbedingungen: Die Politik kann durch Fördertatbestände und/oder durch Ordnungsrecht (Auflagen) entsprechende Szenarien verwirklichen.

Der NABU fordert 30 Prozent Ökolandbau bis 2030. Warum wurde dieses Szenario nicht durchgespielt?

Ökologisch bewirtschaftete Flächen wurden im Pestizidbericht nicht berücksichtigt. Dies hat zwei Gründe: Erstens führt das JKI keine Erhebungen in Betrieben des ökologischen Landbaus durch, somit liegen auch keine deutschlandweit repräsentativen und vergleichbaren Durchschnittswerte für die im ökologischen Landbau zugelassenen Pestizide vor. Zweitens lagen dem NABU keine öffentlich zugänglichen Daten zum Ökolandbau in Baden-Württemberg für die acht betrachteten Kulturen für das Jahr 2014 vor.

Dies ist bedauerlich, denn mit Sicherheit hat der Anteil des Ökolandbaus auch Einfluss auf die Gesamtmenge der eingesetzten Pestizide. Im Ökolandbau sind chemisch-synthetische Pestizide nicht zugelassen. In einigen Kulturen innerhalb des ökologischen Landbaus (Obstbau, Weinbau und Kartoffeln) werden je nach Witterung und Pilzdruck in geringem Umfang Pestizide (u. a. Kupfer, Schwefel) eingesetzt. Alle weiteren Kulturen des ökologischen Landbaus wie Weizen sind entsprechend den Anforderungen der europäischen Basisverordnung – der EU-Öko-Verordnung – pestizidfrei. Aufgrund der derzeit noch vergleichsweise geringen Fläche von Bio-Getreide in Baden-Württemberg wird davon ausgegangen, dass die sich daraus ergebende Verminderung des Pestizideinsatzes auf Landesebene nicht ins Gewicht fällt.

Der Anteil ökologisch bewirtschafteter Flächen lag im Ackerbau in Baden-Württemberg im Jahr 2014 bei 4,7 % und bei den Dauerkulturen bei 6,1 % (Drucksache 16/277 Landtag). 2016 lagen die Anteile der Betriebe und der landwirtschaftlichen Fläche im Ökolandbau bezogen auf Baden-Württemberg insgesamt bei etwas unter zehn Prozent (8,5 % der Betriebe und 9,3 % der landwirtschaftlichen Fläche). Eine Ergänzung um ein Szenario „Ökolandbau“ (S5) sollte erfolgen, sobald hierzu die notwendigen Daten zum Pestizideinsatz im Ökolandbau verfügbar bzw. erhoben sind.

Warum gibt es bei der Modellierung Abweichungen vom eigentlichen IP Suisse-Modell?

Nicht für alle Vorgaben von IP Suisse zur Pestizidreduktion lagen Daten vor. Die daraus abzuleitenden Abweichungen führen eher zu einer Unterschätzung als zur Überschätzung des Reduktionspotenzials. Sie dürften aber so geringfügig sein, dass sie sich zahlenmäßig kaum niederschlagen.

Wie viele Tonnen Pestizidwirkstoffe werden in Baden-Württemberg im Jahr ausgebracht?

Im Jahr 2014 wurden in Baden-Württemberg insgesamt 2.309 Tonnen Pestizidwirkstoffe ausgebracht.

Fast alle Wirkstoffe werden nicht pur, sondern als Mischung (in Lösung mit anderen Chemikalien oder in Pulverform) ausgebracht. Teilweise stellen auch die den Präparaten beigemischten Begleitstoffe eine Umwelt- oder Gesundheitsbelastung dar. Viele werden als gefährlich im Sinne der Verordnung 1272/2008/EC eingestuft. Manche Begleitstoffe verstärken die Eigenschaften der Wirkstoffe oder verändern ihr Umweltverhalten. So kommen Begleitstoffe zum Einsatz, die die Zellstruktur der Pflanze so verändern, dass der Wirkstoff besser von der Pflanze aufgenommen werden kann. Die Menge der ausgebrachten Mischungen ist um ein Vielfaches höher als die Menge der eigentlichen Wirkstoffe, kann mit der vorhandenen Datenbasis aber nicht beziffert werden. In Deutschland wurden beispielsweise 2014 71.640 Tonnen Begleitstoffe und 34.515 Tonnen Wirkstoffe ausgebracht.

Bei den Wirkstoffen verteilt sich die ausgebrachte Menge von insgesamt 2.309 Tonnen in Baden-Württemberg wie folgt:

Fungizide: 1.301 Tonnen (56,3 %)
Herbizide: 810 Tonnen (35,1 %)
Insektizide: 43 Tonnen (1,9 %)
Wachstumsregulatoren: 152 Tonnen (6,6 %)
Pheromone: 3 Tonnen (0,1 %)

Warum konzentriert sich die öffentliche Debatte oft auf das Herbizid Glyphosat?

Die Daten des Julius-Kühn-Instituts und somit auch die Ergebnisse dieses Pestizidberichts zeigen, dass Glyphosat der am häufigsten eingesetzte Herbizidwirkstoff ist. Im Jahr 2014 wurden 203 Tonnen des Wirkstoffs durch die landwirtschaftliche Bewirtschaftung in die Umwelt ausgebracht. Auch weltweit hat es sehr viele Anwender/-innen. Beides rechtfertigt bereits das große gesellschaftliche Interesse an dem Gift. Hinzu kommt der Umstand, dass auf Herbizide durch einfachste und bewährte landwirtschaftliche Bewirtschaftungsformen (z. B. Fruchtfolge) verzichtet werden kann.

Welche Kulturen sind die „schlimmsten“ bzw. wo gibt es das größte Reduktionspotenzial?

Im Apfel- und Weinanbau sowie bei Kartoffeln werden besonders viele und besonders häufig Pestizide eingesetzt. Eine starke Reduktion insbesondere des Fungizideinsatzes ist im Apfelanbau und im Weinbau jedoch nicht einfach zu erreichen. Selbst Biobetriebe müssen hier auf Schwefel- und Kupferverbindungen als Pestizide zurückgreifen, um den ästhetischen Ansprüchen der Verbraucher/-innen genügen zu können. Erst wenn sehr viel stärker auf pilz-widerstandsfähige Sorten umgestellt wird, kann eine größere Reduktion erfolgen. Pilz-widerstandsfähige Sorten müssen sich jedoch zunächst am Markt etablieren. Hinzu kommt, dass eine Sortenumstellung für einen Obst- oder Weinbaubetrieb mit einem hohen ökonomischen Aufwand und geschäftlichen Risiken verbunden ist. Da bis zur Ertragsfähigkeit einige Jahre vergehen, ist eine Umstellung nicht binnen kurzer Zeit umzusetzen.

In Kulturen wie Weizen und Mais ist eine Pestizidreduktion durch Verzicht auf Herbizide und Fungizide einfacher zu erreichen, da hier leichter auf nicht-chemische Methoden der Beikraut- und Schädlingsregulierung (z. B. mechanische Beikrautregulierung oder Prävention durch Fruchtfolgen) zurückgegriffen werden kann. Aufgrund der großen Anbaufläche gibt es hier auch flächenmäßig das größte Reduktionspotenzial.

Unabhängig davon muss selbstverständlich auch im Bereich von Sonderkulturen wie Wein, Apfel, Erdbeeren etc. eine deutliche Reduktion erfolgen. Insbesondere beim Insektizideinsatz kann hier binnen kurzer Zeit viel erreicht werden.

Wie bewertet der NABU die aktuelle Debatte um Glyphosat?

Als Totalherbizid wird Glyphosat in der Landwirtschaft häufig eingesetzt. Dabei dezimiert es auch die Ackerbegleitflora. Mit diesem Verlust gehen Nahrungsgrundlagen und Lebensräume vieler Insekten verloren. Damit ist die gesamte Biodiversität in der Agrarlandschaft gefährdet. Gerade auf Herbizide kann durch bewährte und traditionelle landwirtschaftliche Methoden wie z. B. weite Fruchtfolgen, Zwischenfrüchte, Bodenbedeckung und mechanische Beikrautregulierung jedoch gut verzichtet werden. Die Vorteile für die Biodiversität – z. B. der letztgenannten Methode – gehen aber oftmals mit einem höheren Arbeitsaufwand (Personal-, Maschinen- und auch Dieselkosten) einher.

International wird die von Glyphosat ausgehende Krebsgefahr unterschiedlich bewertet. Es liegen diverse wissenschaftliche Studien vor mit zum Teil konträren Aussagen. Viele dieser Studien sind von der Industrie in Auftrag gegeben und öffentlich nicht zugänglich, so dass die Ergebnisse nicht nachvollzogen bzw. beurteilt werden können. Für die Einschätzung des NABU und für die Bewertung von Glyphosat als humantoxisch im Rahmen des Toxic Load Indicator ist die Einstufung von Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ durch die Internationale Krebsagentur (IARC) maßgeblich (vgl. monographs.iarc.fr/ENG/Monographs/vol112/mono112-10.pdf).

Die Anwendung von Glyphosat geht zudem international häufig mit dem Anbau von gentechnisch veränderten Kulturpflanzen einher. Diese Kulturpflanzen wurden gentechnisch so manipuliert, dass sie gegenüber dem Herbizid Glyphosat resistent sind: Es kann auf dem gesamten Feld gespritzt werden. Ähnlich wie bei Antibiotika können bei zu häufiger Anwendung von Herbiziden jedoch sogenannte „Superunkräuter“ entstehen, die gegen Wirkstoffe wie Glyphosat resistent sind. Ein Beispiel hierfür ist das Acker-Fuchsschwanzgras, der sich durch mangelnde Fruchtfolgen rasch ausbreitet und im konventionellen Ackerbau zu erheblichen Ertragseinbußen führen kann, weil die Pflanze Multiresistenzen gegenüber verschiedenen Herbiziden entwickelt hat.

Der Pestizidbericht zeigt, dass der Wirkstoff mit 203 Tonnen der am häufigsten eingesetzte Herbizidwirkstoff in Baden-Württemberg ist.

Was ist das Problem mit den Neonicotinoiden?

Die Wirkstoffgruppe der Neonicotinoide, als Insektizide eingesetzt, zeichnet sich durch eine sehr hohe Umwelttoxizität aus. Die Wirkstoffe wirken systemisch, d. h. sie werden so ausgebracht, dass die Pflanze den Wirkstoff in jede Zelle aufnimmt und alle Organismen, die Pflanzenteile fressen oder die Pflanzensäfte saugen, geschädigt bzw. getötet werden.

Im Gegensatz zu den geltenden gesetzlichen Vorgaben des Integrierten Pflanzenschutzes, wonach chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel stets das letzte Mittel der Wahl sein müssen, werden Neonicotinoide häufig vorsorglich ausgebracht, also nicht erst zu einem Schadensereignis, sondern teilweise bereits mit der Saat als sogenannte Saatgutbeizung. Neonicotinoide können in einer mehrjährigen Pflanze bis zu vier Jahren ihre Wirkung entfalten. Bei gebeiztem Saatgut werden bis zu 94 % des Wirkstoffes nicht von der Pflanze aufgenommen, so dass dieser große Teil im Boden verbleibt und in das Grundwasser gelangen kann. Zudem sind die Wirkstoffe dieser Gruppe gut wasserlöslich und schwer abbaubar.

Bereits vor zehn Jahren gab es aufgrund der Nutzung der Neonicotinoide im Rheingraben großräumig ein massives Bienensterben. Trotz Teilverboten können sie nach wie vor z. B. bei Zuckerrüben zur Anwendung kommen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat aktuell festgestellt: „Die Mehrzahl der Anwendungen von Neonicotinoid-haltigen Pestiziden stellt ein Risiko für Wild- und Honigbienen dar.“ Von vielen Insektenkundlerinnen und -kundlern werden die Neonicotinoide als Teilursache des drastischen Insektenrückgangs betrachtet, der sich seit einigen Jahren abzeichnet (vgl. www.NABU-BW.de/insektensterben).

Wie hoch ist der Anteil des Pestizideinsatzes in der Landwirtschaft von Baden-Württemberg im Vergleich zu anderen Bundesländern und zur gesamten Bundesrepublik?

Vergleichszahlen zu anderen Bundesländern liegen nicht vor, da die JKI-Daten bislang erstmalig für ein Bundesland ausgewertet worden sind. Der Anteil des Pestizideinsatzes in der Landwirtschaft von Baden-Württemberg am bundesweiten Pestizideinsatz lässt sich jedoch anhand der Daten des JKI und des BVL berechnen.

Der Pestizideinsatz in der Landwirtschaft von Baden-Württemberg im Jahr 2014 betrug 9,3 % des Pestizideinsatzes der Landwirtschaft bundesweit. Angesichts des Flächenanteils dürften es jedoch nur sechs Prozent sein.

In Deutschland wurden im Jahr 2014 insgesamt 73 % aller angewendeten Herbizide, Fungizide, Insektizide und Wachstumsregulatoren in der Landwirtschaft eingesetzt. Der Rest findet z. B. in privaten Haushalten, bei Unternehmen (z. B. Deutsche Bahn) oder in Kommunen Anwendung.

Auch in Biobetrieben werden Pestizide eingesetzt. Wie sehen die Umwelt-gefährdungen durch Kupfer & Co. aus?

Der Schutz der Kulturpflanzen im biologischen Landbau besteht aus einer konsequenten und systematischen Nutzung aller vorbeugenden Maßnahmen und der ökologischen Selbstregulationsmechanismen. Treten dennoch Krankheiten oder Schädlinge auf, können zu deren Abwehr natürliche Substanzen eingesetzt werden. Der Einsatz chemisch-synthetischer Pestizide ist verboten. Deshalb kann es vereinzelt bei besonders starkem oder plötzlichem Krankheits- oder Schädlingsbefall vorkommen, dass der Öko-Landwirt bzw. die Öko-Landwirtin Ertragsausfälle hinnehmen muss. Mit diesem „sanften“ Pflanzenschutz vermeidet der Bio-Bauer/die Bio-Bäuerin Rückstände von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln im Erzeugnis, entlastet die Umwelt von schädlichen und naturfremden Substanzen und stärkt die biologische Vielfalt.

Trotz der Erfolge dieses ganzheitlich orientierten, „sanften“ Pflanzengesundheitskonzeptes ergeben sich derzeit noch einige Problemfelder. Hierzu zählt zweifelsohne der Einsatz der – mangels Alternativen – unverzichtbaren Kupfermittel, vor allem in Sonderkulturen wie Obst und Wein und im Kartoffelanbau. Der Öko-Landbau hat hierzulande strengte Mengenbegrenzungen für deren Anwendung gesetzt, deren Einhaltung kontrolliert wird. Die Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte zeigen, dass insbesondere in Sonderkulturen oft die vorbeugenden Maßnahmen alleine und zuweilen auch die direkten Maßnahmen nicht ausreichen, um einen hinreichenden Schutz der Pflanzen vor Krankheiten und Schädlingen zu gewährleisten. Daher kann es bei Bio-Bauern/-Bäuerinnen auch zu teils starken Ernteausfällen kommen, die sich in höheren Produktionskosten widerspiegeln.

Gesamtwirtschaftlich betrachtet sind die Folgekosten des konventionellen Pflanzenschutzes durch die unerwünschten Effekte chemisch-synthetischer Pestizide auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit jedoch weitaus höher – nicht zuletzt aufgrund der Belastung des Trinkwassers und von Lebensmitteln durch Pestizidrückstände. Das spiegelt sich jedoch nicht in den Lebensmittelpreisen nieder, sondern wird auf die Steuerzahler und Trinkwasserkundinnen und -kunden abgewälzt.

Ist nicht zu befürchten, dass die Produktionsmenge sinkt, wenn weniger Pestizide verwendet werden?

Bei einem Verzicht im Getreideanbau sinken die Erträge geringfügig. Hier ist vor allem landwirtschaftliches Fachwissen gefragt: Je mehr Wissen es in den landwirtschaftlichen Betrieben über die eigenen Äcker gibt, desto geringer sind die Ertragseinbußen. Geringeren Erträgen stehen üblicherweise eine Gesundung des Bodens und die Reduktion schädlicher Einträge in den Boden sowie in das Oberflächen- und Grundwasser gegenüber. Zudem werden die für die Landwirtschaft nützlichen Insekten unterstützt. Viele Landwirtinnen und Landwirte zeigen ja bereits, dass es geht.

Insgesamt kann mit leicht sinkenden Erträgen gerechnet werden – allerdings bei einer deutlichen Verbesserung unserer Lebensumstände. Nicht zu vergessen: Es werden ausreichend Lebensmittel produziert, das Problem ist die Verteilung.

Wenn nur Baden-Württemberg (oder Deutschland) den Pestizideinsatz massiv reduziert: Verlagern wir das Pestizidproblem nicht einfach ins Ausland, weil mehr billige Lebensmittel importiert werden?

Ein wenig ist es wie beim Klimaschutz: Wenn keiner anfängt, geht nichts voran. Es ist klar die Position des NABU, dass wir perspektivisch nicht nur eine regionale Reduktion einfordern, sondern dass europa- und weltweit eine starke Reduktion des Pestizideinsatzes erfolgen muss. Dafür setzen wir uns auch mit unserem NABU-Büro in Brüssel auf EU-Ebene ein. Dabei greift die häufige Fokussierung der öffentlichen Diskussion auf Glyphosat zu kurz bzw. berührt nur die „Spitze des Eisbergs“ – es braucht die Reduktion aller Pestizide und ergibt keinen Sinn, einen Wirkstoff einfach durch einen anderen auszutauschen. Wir alle müssen – und dafür setzt sich auch der NABU ein – die weltweiten Standards erhöhen. Zum Schutz der Menschen, der Böden, des Wassers und der Artenvielfalt.

Klar ist, das Lebensmittel in Mitteleuropa vielfach zu billig sind. Die niedrigen Preise, die in den Discountern teilweise für Lebensmittel aufgerufen werden, spiegeln oft nicht die wirklichen Kosten wieder. Als NABU verlangen wir Kostentransparenz. Das heißt, auch die externen Kosten, die durch Pestizide entstehen (beispielsweise für den Verlust der Artenvielfalt oder die Aufbereitung des Trinkwassers) müssen miteinberechnet werden. Viele Folgeerscheinungen der Pestizidanwendung belasten den öffentlichen Haushalt und damit die Geldbeutel der Bürger/-innen. Dazu gehören z. B. die Trinkwasseraufbereitung, der Verlust von Bodenstrukturen und der Verlust an bestäubenden Insekten.

Gleichzeitig brauchen die landwirtschaftlichen Betriebe ein ehrliches und auskömmliches Einkommen. Viele Landwirtinnen und Landwirte – vor allem bäuerliche Familienbetriebe – arbeiten unterhalb des Mindestlohns. Es braucht in der Gesellschaft auch eine Debatte darüber, was Lebensmittel wert sind und wie positive Leistungen der Landwirtschaft besser honoriert werden können. Nach Einschätzung des NABU ist eine angemessene Basisförderung, die durch ökologische und soziale Pluspunkte aufgestockt wird, für zielführend.

Kritisiert der NABU Landwirtinnen und Landwirte?

Nein, der NABU hat im Zuge der Vorstellung seines Pestizidberichts die Politik kritisiert, er stellt nicht die Landwirtinnen und Landwirte an den Pranger. Denn: Das Land hat angekündigt, im Rahmen des Sonderprogramms zur Stärkung der biologischen Vielfalt eine Pestizidreduktionsstrategie aufzusetzen. Um für diese Strategie klare Ziele definieren und ihren Erfolg messen zu können, braucht es Transparenz über den Status quo der Pestizidverwendung im Land. Vorgaben und Rahmenbedingungen dafür muss das Land dringend schaffen – bleibt das aber bisher schuldig.

Dass die Landwirtschaft ohne chemisch-synthetische Pestizide bzw. mit einem deutlich geringeren Einsatz derselben auskommen kann als derzeit gemeinhin eingesetzt werden, zeigen viele tausende, vorbildlich wirtschaftende Betriebe, längst nicht nur aus dem Bio-Bereich. Im NABU-Pestizidbericht beziehen wir uns exemplarisch auf Initiativen wie KraichgauKorn oder IP Suisse, die zeigen, wie eine naturverträgliche Landwirtschaft ohne oder mit wenig Pestizideinsatz funktioniert.

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