Rastloser Weltenbummler
Der Mauersegler
Die Mauersegler: Von Ende April bis Anfang August verweilen sie als Sommergäste in Deutschland, um ihren Nachwuchs großzuziehen. Danach beginnt die lange Rückreise in die Überwinterungsgebiete. Mehr →
Mauersegler. - Foto: Mathias Schäf
23. Juli 2026 – Den Startimpuls für den finalen Abflug geben genetische Informationen, die kürzeren Tage und das schwindende Nahrungsangebot. Zugleich gibt es spektakuläre Einflüge seltener Arten: So lassen sich zurzeit Schlangenadler beobachten, die auf dem Durchzug sind.
Mauersegler gehören zu den ersten Zugvögeln, die schon im Hochsommer Baden-Württemberg verlassen. Sie sind Meisterflieger und verbringen fast ihr gesamtes Leben in der Luft auf der Jagd nach Insekten. Eine gut trainierte Muskulatur und ein makelloses Gefieder sind ihre Lebensversicherung auf dem Vogelzug. Doch nicht alle jungen Mauersegler werden 2026 die lange, anstrengende und gefahrvolle Reise antreten können. Die extreme Trocken- und Hitzephase in diesem Sommer haben viele halbwüchsige Jungvögel nicht überlebt.
Mehr Nischen für Mauersegler schaffen
Die Mauersegler, erst Ende April aus dem Winterquartier in Äquatorialafrika zurückgekehrt, bleiben nur bis Ende Juli in unseren Siedlungen, wo sie im wilden Flug über den Dächern nach Insekten jagen. Sie versorgen zwischen Mai und Juli eine Brut. Anfang August sind die meisten schon wieder in Richtung Süden unterwegs – nur wenige Spätbruten bleiben noch etwas länger. Von rund 16.000 bis 23.000 Brutpaaren leben die meisten in den Metropolregionen Rhein-Neckar, Freiburg und Mittlerer Neckarraum. Weil es zu wenige Nistplätze an hohen Wohnhäusern, Türmen und Fabriken gibt, nimmt ihre Zahl seit Jahren stark ab, sodass die Vögel auf der Vorwarnliste der Roten Liste stehen. Auch ihre Beute, zumeist kleine Insekten wie Fliegen, Mücken, Käfer und fliegende Ameisen, schwindet.
Der NABU bittet daher die Bevölkerung im Land um Mithilfe: „Nutzen Sie die Zeit bis zur Rückkehr der Mauersegler nächstes Frühjahr, um neue Nisthilfen aufzuhängen und den Garten mit heimischen Pflanzen und Naturvielfalt für Insekten und Vögel attraktiv zu gestalten“, rät deshalb Julia Hiller, die im NABU-Projekt mensch.natur viele Tipps parat hat.
Störche: Vom Zug- zum Standvogel, vom Ost- zum Westzieher
In milderen Wintern steigen die Chancen für Weißstörche, ausreichend Nahrung bei uns zu finden. So bleiben immer mehr Tiere ganzjährig hier. Sie fressen im Winterhalbjahr Mäuse, Schnecken, Würmer oder Fische. Die Kälte macht ihnen nicht viel aus, ihr Federkleid ist ausreichend warm. Sichtungen sogenannter Winterstörche gibt es vor allem im milden Rheintal und in Oberschwaben (siehe NABU/naturgucker). Hier liegen auch die Storchen-Hochburgen im Südwesten. In ganz Deutschland leben aktuell wieder mehr Störche als anno 1900. Baden-Württemberg war 2026 bundesweit auf Platz 2 (2.602 Brutpaare) hinter Niedersachsen (2.737) und vor Bayern (1.629).
Immer mehr Weißstörche fliegen nicht mehr so weit und nehmen die kürzere Westroute nach Afrika. „Vor 30 Jahren zogen drei Viertel der Störche über den Balkan und den Nahen Osten nach Afrika. Heute fliegen drei Viertel nach Westen bis Spanien, wo sie auf Reisfeldern und Mülldeponien reichlich Nahrung finden. Den langen Flug via Gibraltar nach Nord- und Westafrika sparen sie sich“, berichtet NABU-Ornithologe Stefan Bosch. Bevor es auf den Zug geht, kurz oder lang, bilden sich größere Rastgruppen, auch im Südwesten. Sie stärken sich aktuell etwa in den Wässerwiesen im Enztal oder am Aalkistensee bei Maulbronn. Solche Ansammlungen sind ganz normal (siehe Faktenwissen Weißstorch). „Feuchtgebiete sind dabei wichtige Rast-, Nahrungs- und Übernachtungsgebiet für Weißstörche, vor der Abreise und auf dem Weg in den Süden“, sagt der Ornithologe. In den ersten Augusttagen beginnt der Abflug, erst der Jungen, später der Storcheneltern, die sich erst von der anstrengenden Aufzucht erholen müssen.
Wer macht die Sause: Viele Vögel fliegen fort
Nach Mauersegler und Störchen verlassen im August weitere Vögel Baden-Württemberg, so auch die Rauch- und Mehlschwalbe. Sind die letzten Bruten flügge, bleiben die Nester bis zum zeitigen Frühjahr leer. Diese sind, wie die Vögel selbst, streng geschützt und dürfen nicht entfernt werden.
Auch der Wespenbussard, der stets am Randecker Maar auf der Schwäbischen Alb brütet, macht sich bald auf den Weg nach Liberia. Der Vogel wurde verletzt im Frühjahr 2023 vom Vogelschutzzentrum aufgenommen und im Juni wieder gesund freigelassen. Ein GPS-Sender des Max-Planck-Instituts überträgt seitdem seine Reise auf den Rechner von Zentrumsleiter Schmidt-Rothmund: „Dieser Wespenbussard zeigt, dass unsere Arbeit wirkt: Er hat mehrfach seine beschwerliche Reise geschafft, Familien gegründet, fliegt jedes Jahr tausende Kilometer und kommt immer wieder zu uns zurück.“
Baden-Württemberg ist auch Rastplatz für Vögel aus anderen Gebieten: Mäusebussarde, Turmfalken, Kiebitze sowie Haus- und Gartenrotschwänze aus Nord und Ost rasten im Südwesten und fliegen dann weiter in ihr Winterquartier. „Aufgrund des Klimawandels nehmen Trocken- und Hitzephasen zu, wie wir dieses Jahr schmerzlich gespürt haben. Das belastet viele Wildvögel stark. Damit sie trotzdem ausreichend Nahrung finden, gilt es, mehr Feuchtgebiete zu schaffen und vorhandene zu vergrößern, damit sie nicht austrocknen. Dafür braucht es eine stabile Finanzierung des Naturschutzes im Land“, betont der NABU-Fachbeauftragte Stefan Bosch.
Hintergrund: Mauersegler
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