Der Fischadler
Es ist eine Sensation: Nach 116 Jahren brütet der Fischadler erstmals wieder in Baden-Württemberg. Nun wird der Einsatz belohnt. Mehr →
Fischadlerjunge bei der Beringung. - Foto: NABU/Carolin Thorwarth
30. Juni 2026 – Jetzt wurden die Jungvögel vom NABU im Beisein von Umweltstaatssekretär Andre Baumann beringt, der als Star Wars-Fan zwei symbolträchtige Namen vorschlug: „Luke und Leia zeigen, wie viel Erneuerungskraft in der Natur steckt – ganz ohne Spezialeffekte haben die Fischadler ihre Jungen aufgezogen und gegen Feinde verteidigt. Die Rückkehr der Fischadler nach Baden-Württemberg belegt, dass Visionen wahr werden können, wenn Fachwissen und Leidenschaft zusammenkommen. Ich wünsche dem NABU und seinem Projektteam weiter viel Erfolg. Möge die Macht der Natur weiter mit Luke und Leia sein“, so Baumann mit einem Augenzwinkern. Die Beringung live miterlebt haben auch die Landtagsabgeordneten des Landkreises Rastatt, Dr. Alexander Becker (CDU) und Thomas Hentschel (Grüne).
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Langfristiger Artenschutz zahlt sich aus
Es ist die dritte erfolgreiche Brut, seitdem die Greifvögel 1907 im Südwesten ausgerottet worden waren und dann nach 116 Jahren erstmals 2023 wieder Jungtiere geschlüpft sind. Denn vergangenes Jahr hat ein Nesträuber, vermutlich ein Baummarder, die vier Eier von Weibchen Chronos und Männchen Kepler gefressen. „Dramen im Nest gibt es immer wieder. Wichtig ist, dass wir in Baden-Württemberg im Artenschutz vorankommen, dafür sind der Schutz und die Wiederherstellung von Lebensräumen elementar. Angesichts des dramatischen Artensterbens ist der Fischadler-Nachwuchs ein toller Lichtblick mit einer Botschaft: Dranbleiben lohnt sich. Geduld, Leidenschaft und Ausdauer zahlen sich aus“, sagt der NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle.
Das Engagement des NABU für den Fischadler ist nicht ganz so alt wie „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ (1983). Aber bereits seit 1990 setzt sich Daniel Schmidt-Rothmund, Leiter des NABU-Vogelschutzzentrums, im Rahmen eines Langzeit-Forschungs- und Artenschutzprojekts für die Fischadler ein. Mit dem diesjährigen Nachwuchs sind insgesamt sieben Jungvögel in Rastatt flügge geworden. Damit steigt die Chance, dass in den nächsten zehn Jahren mehrere Fischadlerpaare im Südwesten ihren Nachwuchs großziehen. Unterstützt werden sie dabei vom NABU, der weitere Nisthilfen in luftiger Höhe für die Fischjäger anbringt. Von den vier in Deutschland vorkommenden Adlerarten (See-, Schrei-, Stein- und Fischadler, alle gefährdet) sind sie die einzigen, die wieder in Baden-Württemberg brüten.
Zwei Ringe zur Wiedererkennung
Zum Beringen erklimmt Profi-Kletterer Max Unger den Horst und seilt die Jungtiere vorsichtig aus 25 Metern Höhe sicher in einem Sack ab. Unten angekommen, fallen die Vögel in eine Schreckstarre und erhalten einen ersten Gesundheitscheck, werden gewogen und vermessen. Das Ergebnis: „Die beiden – vermutlich ein Weibchen und ein Männchen – haben ein prächtiges Gefieder ausgebildet und die Hitzephase zum Glück gut überstanden. Die Vögel riechen intensiv und ganz typisch nach Fisch. Ihre Eltern haben einen super Job gemacht und die Jungen trotz wechselhaftem Wetter gut geschützt“, erklärt Schmidt-Rothmund. Mit ihrem etwa fünf Gramm leichten Ring an jedem Bein sind die Tiere eindeutig identifizierbar. Nach wenigen Minuten geht es mit dem Seillift sicher nach oben, zurück in die Kinderstube über den Baumwipfeln. Im Horst kehrt binnen weniger Minuten wieder Familien-Normalität ein. Mitte Juli werden die Jungvögel ihre ersten Flugübungen machen. Im August verlassen sie die badische Oberrheinebene und legen rund 5.000 Kilometer bis ins westliche Afrika zurück, wo sie überwintern.
Fischadler im Südwesten
Artenschutzprojekt Fischadler: www.NABU-Vogelschutzzentrum.de/projekte-partner/artenschutzprojekt-fischadler
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