Refugialflächen für die Artenvielfalt
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8. Mai 2026 – Bis zu 90 Pflanzenarten tummeln sich auf einem Quadratmeter Wiese und über 400 Pflanzen leben im Grünland. Auf extensiv bewirtschafteten Wiesen wird es jetzt kunterbunt. Dort läutet der Wiesen-Salbei (Salvia pratensis) in Blauviolett die Blühsaison ein. Für NABU-Agrarexpertin Miriam Willmott beginnt im Mai die schönste Zeit des Jahres. Wenn ihr zum Blau des Salbeis noch weiße Margeriten, lila Flockenblumen und gelber Wiesen-Pippau aus dem Gräsermeer entgegenleuchten, weiß sie, dass die Agrar-Fördermaßnahme „Artenreiches Grünland“ ihren Zweck erfüllt hat: „Es ist nicht nur die Farbenpracht und die Insektenvielfalt in diesen Mähwiesen, die mich begeistert. Artenreiches Grünland trägt durch Kohlenstoffspeicherung und Wasserrückhalt messbar zum natürlichen Klimaschutz bei – und wurde dabei lange unterschätzt.“
Mit Grünland Klima und Arten schützen
Um beim Vergleich mit dem Regenwald zu bleiben: Auch in der Wiese gibt es eine vielfältige Struktur. Statt hoher Bäume sorgen hier niedrige und hohe Gräser, krautige Bodendecker und hochwachsende Stauden dafür. Diese oberirdische Vielfalt spiegelt sich unterhalb des Bodens wider: Die artenreichen Bestände bilden ein komplexes Wurzelnetzwerk, das den Boden auflockert und in unterschiedliche Tiefen vordringt. So versickert der Regen besser, es wird mehr Wasser gespeichert und die Pflanzen können sich dieses aus verschiedenen Bodentiefen erschließen. So bleibt das kostbare Nass länger verfügbar – auch in Trockenphasen. Artenreiches, nur selten gemähtes oder wenig beweidetes Grünland kommt daher mit Hitze und Trockenheit deutlich besser zurecht als die intensiv genutzten Hochleistungswiesen und bleibt länger grün und produktiv.
Mehr Pflanzenvielfalt, mehr Kohlenstoffspeicherung
Artenreiches Grünland speichert mehr und stabileren organischen Bodenkohlenstoff als artenarmes. Dieser Effekt nimmt über die Jahre zu und reicht bis in den Unterboden. Je höher die Pflanzenartenvielfalt, desto mehr organischer Kohlenstoff wird im Boden gespeichert.
Beobachtungstipp im Mai: Salbei mit Bestäubungstrick
Der Wiesen-Salbei nutzt einen raffinierten Hebelmechanismus zur Bestäubung: Wenn eine Hummel tief in die Blüte kriecht, um an den begehrten Nektar zu kommen, betätigt sie mit dem Kopf einen Hebel. Dadurch klappen die Staubblätter aus der Oberlippe nach unten und streifen gezielt Pollen auf den Rücken der Hummel. Beim nächsten Blütenbesuch wird dieser Pollen an der Narbe eines anderen Salbeis wieder abgestreift. So sorgt der Wiesen-Salbei dafür, dass seine Pollen effizient und zielgerichtet übertragen werden: Ein clever abgestimmtes Zusammenspiel zwischen Pflanze und Bestäuber.
Tipp: Der Mechanismus lässt sich auch vorsichtig mit einem Grashalm auslösen.
Hintergrund Wiesen-Salbei:
Mehr zum NABU-Projekt: Refugialflächen für die Artenvielfalt:
Biologische Vielfalt auf Acker- und Grünlandflächen in Baden-Württemberg zu erhalten und zu fördern ist Ziel des NABU-Projekts „Landwirt-schaf(f)t Lebensraum – Refugialflächen für die Artenvielfalt“. Dieses wird mit Unterstützung der Stiftung Naturschutzfonds aus zweckgebundenen Erträgen der Glücksspirale gefördert. Refugialflächen sind hochwertige Lebens- und Rückzugsräume für Tier- und Pflanzenarten des Offenlandes. „Wir wollen Landwirtinnen und Landwirte für die Bedeutung hochwertiger mehrjähriger Refugialflächen sensibilisieren und für deren Anlage werben“, so Willmott.
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