Japankäfer - Foto: Dieter Schneider
Der Japankäfer – eine invasive Art
Vergleich mit Gartenlaub-, Rosen- und Junikäfer
Der Japankäfer ist ein kleiner Käfer mit großem Appetit. Seitdem er an Orten in Baden-Württemberg entlang der Schweizer Grenze in aufgestellte Lockfallen tappt, sind vor allem landwirtschaftliche Betriebe alarmiert. Der nur etwa ein Zentimeter große Winzling kann ganze Kulturen vernichten. Er ernährt sich von Blättern, Blüten, Wurzeln und Früchten von sehr vielen Pflanzenarten, wobei er von den Blättern nur das Gerippe übrig lässt. Das Bundeslandwirtschaftsministerium informiert per Fahndungs-Postkarte über das kleine Insekt. Weil er leicht mit heimischen, völlig harmlosen Käferarten verwechselt werden kann, informiert der NABU darüber, wie sich Japankäfer eindeutig erkennen lassen.
Woher kommt der Japankäfer?
Popillia japonica gehört zur Familie der Blatthornkäfer. Er stammt, wie der Name schon sagt, aus Japan sowie dem fernen Osten Russlands. Dort ist der Japankäfer weit verbreitet und recht unauffällig. Vor etwa 100 Jahren wurde er in die USA eingeschleppt, wo er große wirtschaftliche Schäden verursacht. Seit rund zehn Jahren ist er in Italien und der Schweiz nachgewiesen. Blatthornkäfer heißen so, weil das letzte Glieder ihrer Fühler an ein Blatt erinnern. Mit den bis zu 50.000 Geruchssensoren auf den Fühlerlamellen spüren die Männchen die paarungsbereiten Weibchen auf.
Warum sind eingeschleppte Arten problematisch?
Durch den internationalen Reise- und Warenverkehr gelangt eine Vielzahl an Pflanzen, Tieren und Pilzen unerkannt und ungewollt in neue Gebiete. Wer ins Ausland reist, sollte sich stets bewusst machen, dass eine von tausend eingeschleppten Arten der neuen Heimat massive Probleme bereitet. Solche gebietsfremden Arten bedrohen mitunter die Biodiversität und verursachen Schäden in Milliardenhöhe. So ist etwa auch der Buchsbaumzünsler aus Asien eingereist und hat hier die Buchsbäume kahl gefressen. Der nordamerikanische Signalkrebs brachte die Krebspest mit, einen Pilz, der heimische Krebse befällt und tötet. In Baden-Württemberg kommen aktuell 33 Arten vor, die die EU als invasiv listet.
Wo in Baden-Württemberg gibt es den Japankäfer?
Im Südwesten werden seit 2021 immer wieder einzelne Japankäfer an Orten entlang der Schweizer Grenze entdeckt, wo sich Populationen bei Zürich und Basel etabliert haben. Im Juli 2023 wurden erstmals Käfer in Baden-Württemberg entdeckt – in Lockstofffallen, die in Freiburg und Weil am Rhein aufgestellt wurden. Vermutlich reisten die Käfer als blinde Passagiere im Güterverkehr von Süden aus über die Grenze. Im Laufe des Juli 2025 entdeckte der Pflanzenschutzdienst des Landes in aufgestellten Käferfallen elf weitere Tiere. Nach der Quelle der Käfer wird intensiv gesucht.
Ist der Japankäfer eine Bedrohung?
Der kleine Käfer ist nicht giftig, hat aber großen Appetit. Sehr viele Pflanzen stehen auf seinem Speiseplan, darunter Blätter, Blüten, Früchte und Wurzeln von Gehölzen und Obstbäumen (Apfel, Kirsche, Pflaume u.a.), landwirtschaftlichen Kulturen (Mais, Tomaten, Kartoffeln u.a.), wie Wein und Beerenobst, aber auch Grünflächen (Rasen, Wiesen, Weiden u.a.) sowie Zierpflanzen (Rosen, Schneeball, Heide, u.a.).
Vergleich von Japan-, Gartenlaub-, Rosen- und Junikäfer
Japankäfer | Gartenlaubkäfer | Rosenkäfer | Junikäfer | |
|---|---|---|---|---|
| Körpergröße | ca. 8–12 mm | ca. 8–11 mm | ca. 14–20 mm | ca. 14–18 mm | Aussehen | grün schimmernder Kopf und Halsschild, braune Flügeldecken, fünf weiße Haarbüschel an jeder Hinterleibsseite und zwei weiße Haarbüschel am Ende des Hinterleibs | grün schimmernder Kopf und Halsschild, braune Flügeldecken, besitzt keine weißen Haarbüschel | Grün-metallisch glänzend (auch goldfarben) | Braun, dicht behaart | Verbreitung | Ursprünglich Japan, nun Europa & USA | Europa, besonders Mitteleuropa | Mittel und Südeuropa | Europa | Ernährung | Blätter, Blüten, Früchte | Blätter (v. a. Rosen, Obstbäume) | Nektar, Pollen, süße Pflanzensäfte und reifes Obst | Blätter von Laubbäumen |
Woran erkennt man den Japankäfer?
Der Japankäfer ist mit 0,8 bis 1,1 Zentimetern nur etwa so groß wie eine Kaffeebohne, mit ebenso braunen Flügeln und einem goldgrün schimmernden Halsschild. Typisch und unverkennbar sind fünf weiße Haarbüschel an jeder Körperseite, die unter seinen verkürzten Flügeldecken gut sichtbar sind, sowie zusätzlich zwei weiße Puschel am Po. Bei Gefahr spreizt der Japankäfer ein Beinpaar seitlich ab – wie ein Segelflieger vor dem Absprung. Sein Markenzeichen ist, dass er von Blättern, die ihm besonders gut schmecken, nur das Gerippe übrig lässt.
Der heimische Gartenlaubkäfer Hyllopertha horticola sieht dem Japankäfer zum Verwechseln ähnlich, ist in etwa gleich groß und ähnlich gefärbt, hat aber keine weißen Puschel an den Seiten und einen grünen Vorderkörper. Er ist im Mai und Juni an Wiesen, Äckern und Gärten zu sehen. Sein größerer Bruder ist der Maikäfer, von dem er zwei Arten gibt – den Feld- und den Waldmaikäfer. Der Rosenkäfer Cetonia aurata, ebenfalls ein Blatthornkäfer, schimmert gänzlich gold-grün bis rötlich mit weißlicher Maserung. Er ist deutlich größer als der Japankäfer. Seine Larven ernähren sich von toten Pflanzenteilen, daher findet man ihn häufig im Kompost, wo er Holzbestandteile verdaut. Die Käfer liebt Nektar und Pollen und fliegen laut brummend von April bis September in strukturreichen Gärten umher. Auch der Junikäfer Amphimallon solstitiale ist mit 14 bis 18 Millimetern etwa doppelt so groß und komplett ledergelb bis braun gefärbt, ohne eine Spur grün.
Wann ist der Käfer unterwegs?
Der Japankäfer ist wärmeliebend. Ab 21 Grad ist er aktiv. Bei günstigem Klima vergeht nur ein Jahr, bis sich aus den in feuchten Wiesen und Weiden abgelegten Eiern die erwachsenen Käfer entwickelt haben. Aus den Eiern schlüpfen die Engerlinge, die ab zehn Grad in obere Bodenschichten wandern und dort an Wurzeln fressen. Sie verpuppen sich nach vier bis sechs Wochen und fliegen im Mai und Juni aus zur Partnersuche. Anschließend durchlaufen die Weibchen mehrere Zyklen von Fressen, Paaren und Eierlegen und legen zwischen 40 und 60 Eier ab. Darauf schlüpfen später die Larven, die im frostfreien Boden überwintern.
Wie geht man vor, wenn man ein Tier entdeckt und wo muss man es melden?
Hat man einen Japankäfer entdeckt, sollte man ihn in einem verschlossenen Röhrchen/Gläschen gesichert dem Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg (LTZ) zur exakten Bestimmung übergeben. Ist man sich nicht sicher, kann man ein scharfes Foto machen und mit dem Datum des Fundes sowie dem genauen Fundort ans LTZ senden.
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