Jedes Jahr pflegt das Team des NABU-Vogelschutzzentrums Mössingen rund 1200 Vögel gesund – darunter auch besonders streng geschützte Arten. Helfen Sie uns dabei!
Saatkrähen in Baden-Württemberg
Der NABU gibt Antworten auf häufige Fragen
Vorurteile und Fakten
Saatkrähe - Foto: Ingo Ludwichowski
1986 Vogel des Jahres und heute als „Schädling“ verschrien, gibt es zahlreiche Vorurteile gegenüber den schwarzen Vögeln.
„Warum fühlen sich manchen Menschen von Saatkrähen gestört?“
Saatkrähen können lokal vor allem in der Brutzeit als störend empfunden werden, wenn sie eine gewisse Koloniegröße erreichen und dann durch ihre Kommunikation, Kot und herabfallendes Nistmaterial auffallen oder auf landwirtschaftlichen Flächen für Schäden an Nutzpflanzen sorgen. Gleichzeitig sind Saatkrähen intelligente und soziale Tiere, Teil unseres Ökosystems und übernehmen wichtige Funktionen, etwa als „Schädlingsregulierer“, da sie neben pflanzlicher Kost auch Tiere wie Engerlinge oder Drahtwürmer fressen.
„Explodiert die Population unkontrolliert?“
In den 70er Jahren waren Saatkrähen durch Verfolgung fast ausgerottet worden und pendeln sich erst seit wenigen Jahren auf ein normales Bestandsniveau entsprechend der Lebensraumkapazität ein. Sie unterliegen einem natürlichen Regulationsprozess, der ihr Wachstum den Umweltfaktoren entsprechend begrenzt. Sie kommen schwerpunktmäßig am Oberrhein und in Oberschwaben vor, in anderen Landesteilen Baden-Württembergs sind sie eher selten.
Saatkrähenbestände können regional stark schwanken. Europaweit gesehen ist der Populationstrend in den letzten zehn Jahren sogar leicht rückläufig (Pan-European Common Bird Monitoring Scheme von 2015-2024). Deutschlandweit hat sich die Saatkrähe von der langfristigen früheren Verfolgung erholt und besitzt derzeit einen ungefährdeten Bestand von etwa 140.000 – 155.000 Brutpaaren.* Regional bestehen jedoch deutliche Unterschiede. Punktuelle Zunahmen in Städten sind oft Folge von Lebensraumverlusten und Verfolgungen in der Agrarlandschaft. Es handelt sich hierbei nicht um ein „unkontrolliertes Wachstum“. Neben den menschlichen Gefährdungsfaktoren besitzen Saatkrähen Fressfeinde, wie Uhus, Marder oder Waschbären.
Im Winterhalbjahr kommen Saatkrähen in großer Zahl aus ihren nordöstlichen Brutgebieten zu uns, um hier zu überwintern. Die winterlichen Vogelscharen entsprechen nicht dem örtlichen Brutbestand.
*Brutbestand von 2017-2022 aus Gerlach et al. 2025: Vögel in Deutschland – Bestandssituation 2025. DDA, BfN, LAG VSW, Münster
„Löst sich das Problem, wenn man die Saatkrähen-Kolonien vertreibt?“
Vergrämungsmaßnahmen erfordern eine Genehmigung der zuständigen Naturschutzbehörde. Eigenmächtige Störungen von Saatkrähe sind illegal. Zudem sind Vergrämungsmaßnahmen in Brutkolonien häufig wenig wirksam. Sie führen oft lediglich dazu, dass sich Kolonien verlagern oder sogar aufsplitten und Konflikte sich durch zahlreiche „Satelliten-Kolonien“ sogar vervielfältigen können. Jeder Konfliktfall im Siedlungsraum erfordert daher eine individuelle Prüfung von Fachexperten. Für langfristige Lösungen braucht es evidenzbasierte Konzepte. Diese sollten geeignete Ersatzstandorte in der Feldflur, etwa bei Feldgehölzen mit ausreichendem Wiesenanteil, an Ortsrändern oder in Gewerbegebieten in den Blick nehmen. Die Standorte sollten von Bevölkerung, Jägerschaft und Landwirtschaft akzeptiert sowie zwischen den Gemeinden abgestimmt sein. Ziel ist es, dass sich an unproblematischen Standorten stabile Kolonien dauerhaft ohne menschliche Störungen halten dürfen.
„Warum sind Saatkrähen so laut?“
Saatkrähen sind sehr soziale Tiere und kommunizieren über eine Vielzahl an Lautäußerungen mit ihren Nachbarn, ihrem Partner und ihren Jungen. Besonders laut geht es in der Kolonie jedoch nur für einen begrenzten Zeitraum von etwa drei bis vier Monaten während der Brutzeit zu. Mit dem Heranwachsen der Jungvögel, die um Futter betteln, nimmt die Geräuschkulisse in den Kolonien zu. Nachdem die Jungvögel flügge sind, fliegen sie mit ihren Eltern aus und auch in großen Brutkolonien, die mehrere hundert Nester umfassen können, sind dann bis zur nächsten Brutperiode verlassen.
„Können Konflikte durch Bejagung gelöst werden?“
Nein. Saatkrähen sind nach EU- und Bundesnaturschutzrecht besonders geschützt und unterliegen nicht dem Jagdrecht. Eine Bejagung zur Bestandsreduktion ist daher grundsätzlich rechtlich verboten. Nur in einzelnen Ausnahmefällen ist der Abschuss durch eine Ausnahmegenehmigung möglich. Saatkrähen verdienen Schutz wie alle anderen Vogelarten auch. Ausnahmegenehmigungen zum Abschuss werden zwar für landwirtschaftliche Flächen erteilt, diese sind jedoch umstritten, denn dabei werden ökologische Grundlagen wie arteigene Regulationsmechanismen nicht berücksichtigt. Der Abschuss stellt keine nachhaltige Lösung dar, da „freiwerdende“ Brutplätze in der Regel rasch von nachrückenden Tieren besetzt werden. In bewohnten Bereichen ist eine Bejagung darüber hinaus aus rechtlichen und sicherheitsrelevanten Gründen nicht vertretbar.
„Woran erkennt man eine Saatkrähe und wie unterscheidet sie sich von der Rabenkrähe?“
Saatkrähen werden manchmal mit Rabenkrähen verwechselt. Die beiden Krähen sind in etwa gleich groß und ähneln einander, aber es handelt sich um zwei verschiedene Tierarten. Erwachsene Saatkrähen lassen sich an ihrem „nackten“, d.h. federlosen Schnabelansatz erkennen. Jungvögel der Saatkrähen haben dort anfangs noch Federn, sodass sie leicht mit Rabenkrähen verwechselt werden können.
Saatkrähen sind anders als ihre Verwandten gesellige Koloniebrüter. Sieht man viele Krähennester auf einem Baum nahe beieinander, kann man sicher sein, es mit Saatkrähen zu tun zu haben. Darin ähneln sie sich wiederum mit ihren kleineren Verwandten: Dohlen. Dohlen mischen sich manchmal unter Saatkrähen, sowohl bei der Nahrungssuche als auch an Schlafplätzen. Vögel bestimmen: Rabenvögel im Vergleich - NABU
Weitere Informationen zur Saatkrähe gibt es hier: Vogelporträt: Saatkrähe - NABU[AI1]
Weitere Informationen zu Rabenvögeln: Rabenvögel: Vorurteile und Fakten - NABU
Saatkrähen im Siedlungsraum
Die intensive Verfolgung der Saatkrähe in der Agrarlandschaft hat in der Vergangenheit dazu beigetragen, dass sich die Art verstärkt in Siedlungsräumen angesiedelt hat*. Dort findet sie ein ausreichendes Nahrungsangebot, sowie vergleichsweise sichere Brutplätze, was sich in einer höheren Reproduktionsrate niederschlagen kann.
Gleichzeitig führen Saatkrähenkolonien im Siedlungsbereich zu Konflikten. Diese lassen sich nur langfristig und nachhaltig lösen, wenn außerorts oder an unkritischen Standorten geeignete und ungestörte Ausweichhabitate geschaffen werden.** Flankierend ist eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit notwendig. Information über die Lebensweise der Saatkrähe fördert Verständnis, beugt illegalen Störungen vor und stärkt die Akzeptanz von Koloniestandorten.
*Grüll, A. (1981). Das räumliche Aktivitätsmuster der Saatkrähe (Corvus frugilegus L.) im Laufe des Winters in Wien und Umgebung. Egretta 24 (Sonderheft), 39-63. Heiser 1986.
** Landesamt für Umwelt Rheinland-Pfalz (2024). Erster Handlungsleitfaden Saatkrähe Rheinland-Pfalz. S. 18-19.
Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU) (2022). 2. Zwischenbericht zum Landtagsbeschluss „Projekt zum Management von Saatkrähen“. S. 41
Machen Saatkrähen Lärm?
Saatkrähen sind intelligente und sehr soziale Tiere, die miteinander kommunizieren. Neben Bettel- und Futterrufen gibt es Duettkrächzen des Paares, Laute, die Männchen während der Fütterung des Weibchens verwenden, Alarmrufe für Bodenfeinde, Angriffslaute, Notschreie, Rufe zur Warnung vor Feinden aus der Luft sowie Laute zur Partnerwerbung. Vergleicht man die Lautstärke von Saatkrähen mit Verkehrslärm, stellt man fest, dass Autos erheblich lauter sind als Krähen*. Aus rechtlichen Gründen sind keine artenschutzrechtlichen Ausnahmegenehmigungen für den Abschuss der Saatkrähen aufgrund von Lärmbelästigung möglich.
*Frankhauser, T. (1995). Saatkrähe Corvus frugilegus als Brutvögel in der Stadt Bern und dadurch entstehende Probleme. Orn. Beob. 92, 59-68.
Treten Verschmutzungen durch Kot und herabfallendes Nistmaterial der Saatkrähen auf?
Störend können unter anderem Verschmutzungen durch Kot oder herunterfallendes Nistmaterial während der Brutzeit sein. Temporäre Park- oder Halteverbote unter den Koloniebäumen können helfen, die Verschmutzung von abgestellten Fahrzeugen zu verhindern. Parkbänke können räumlich versetzt werden. Eine temporäre Umleitung von Wegen, Hinweisschilder oder die Absperrung einzelner Bereiche in wenigen Metern Abstand zu Kronenbereichen mit hoher Nestdichte können helfen, unangenehme Überraschungen zu vermeiden. An kritischen Stellen können vorübergehend aufgestellte Sonnensegel, stabile Überdachungen oder Abdeckungen, sowie kürzere Reinigungsintervalle während der Brutzeit helfen, Konflikte zu minimieren. Diese Maßnahmen sind meist effektiver, schnell umsetzbar, günstiger und rechtlich unproblematischer als Vergrämungsversuche.
Saatkrähen auf landwirtschaftlichen Flächen
Saatkrähe - Foto: Frank Derer
Saatkrähen sind Allesfresser, wobei sie sich überwiegend von Würmern, Schnecken, Insekten (überwiegend Käfern) und anderen Kleintieren wie Mäuse ernähren, Pflanzenteile kommen hinzu. Obst und Beeren werden in einem sehr geringen Maße gefressen*. Gleichzeitig fressen Saatkrähen große Mengen an Schadinsekten wie Engerlinge oder Drahtwürmer und galten daher früher als „natürliche Schädlingsbekämpfer“. Aufgrund von chemischen Pflanzenschutzmitte, ist diese Dienstleistung heute kaum von Relevanz und das Image der Saatkrähen hat sich stark gewandelt.
Saatkrähen bevorzugen Grünland und Grünflächen während der Brutzeit als Nahrungsgrundlage für die Jungtiere. Bei Mangel an Grünland weichen Saatkrähen zur Nahrungssuche auf Äcker aus und nehmen auch pflanzliche Nahrung zu sich. Dabei können Saatkrähen landwirtschaftliche Kulturen beeinträchtigen, etwa durch das Herausziehen von Saatgut oder Fraß an Keimlingen. Schäden treten meist punktuell und zeitlich begrenzt auf. Das Risiko für Ertragsverluste variiert stark von Jahr zu Jahr. Ab einer Keimlingsgröße von 10-15 cm richten Saatkrähen keine Schäden mehr an. Um Konflikte in dieser kritischen Zeit zu minimieren, kann eine Kombination aus verschiedenen Maßnahmen wirkungsvoll sein. Zur Höhe und Entwicklung der von Saatkrähen versursachten Schäden gibt es keine Zahlen, was die sachliche Diskussion über die Bewertung des (potenziellen) Ertragsausfalls und den Erfolg der getroffenen Maßnahmen erschwert.
*Landesanstalt für Umweltschutz BW, Institut für Ökologie und Naturschutz (1986). Die Saatkrähe in der Kulturlandschaft. Arbeitsblatt Naturschutz (4). S. 5-7.
Maßnahmenkatalog
Es gibt zahlreiche nicht-tödliche Maßnahmen, welche auf landwirtschaftlichen Flächen ergriffen werden können, um ernste Schäden zu vermeiden oder zu verringern. Diese müssten zwingend als „milderes Mittel“ vor einem Abschuss der Saatkrähen umgesetzt werden.
Technische Abwehrmethoden
Technische Abwehrmethoden sind zumeist Gegenstände, welche auf Maisfelder aufgestellt werden, um eine Vergrämung der Saatkrähen zu bewirken. Darunter zählen: Schreckschuss-Apparate, Leuchtraketen, gasgefüllte Luftballons an 20 m langen Leinen, Rotationsbälle, (selbstaufblasbare) Vogelscheuchen, Krähen-Attrappen (welche tote Artgenossen darstellen sollen), Flatterband, CDs, Apparate mit akustischen oder optischen Reizen, Windspiele, parkende Autos.
Diese Maßnahmen sollten jedoch wegen des Gewöhnungseffektes nur kurz (während der sensiblen Keimzeit für einige Tage und anschließend im Wechsel mit einer anderen Methode) an unterschiedlichen Stellen eingesetzt werden.
Wertvolle Saaten und Beeren lassen sich auch durch Überziehen von Fäden (in Reihen von 2 m Abstand und 25 cm Höhe) durch einen Draht bespannen. Auch das Auflegen von Dornenreisig schützt. Die frühe Saat im Gemüseanbau kann durch Flies geschützt werden.
Darüber hinaus gibt es auch in der Praxis als erfolgreich beschriebene Greifvogelattrappen, sogenannte „Falkendrachen“, welche wie ein Lenkdrachen an langen Kunststoffruten hängend aufgestellt werden und durch ihre Bewegung im Wind „lebendig“ und somit für Saatkrähen erfolgreich abschreckend wirken oder KI-Systeme, welche gezielt Saatkrähen erkennen und Vergrämungs-Reaktionen verursachen.
Natürliche Abwehrmaßnahmen
Grünland bieten Saatkrähen gute Nahrungshabitate. Dort wo keine artenreichen Wiesen mehr vorhanden sind, weichen Krähen auf Ackerflächen aus. Dabei bevorzugen sie weite, überschaubare Flächen; sind Hecken und Büschen vorhanden, ist dieser Bereich weniger attraktiv für sie, denn sie bieten Deckungs- und Jagdmöglichkeiten für natürliche Fressfeinde. Eine hohe Randvegetation um Felder (hoch gewachsene Feldraine), können ebenfalls dazu führen, dass Saatkrähen dieses Feld meiden.
Erfolge können auch mit schwarzen Federn, die als Schwanz- oder Flügelfedern kreisförmig an mehreren Stellen im Feld platziert und im Innenbereich zusätzlich mit Konturfedern ausgestattet werden, erzielt werden. Das symbolisiert Habichtrupfungen, die die Saatkrähen meiden*. Statt Saatkrähenfedern kann man auch schwarze Hühnerfedern nehmen oder Federn einfärben.
*Schweizer Bauer (2011). Man muss listiger als die Krähen vorgehen. SB_Kraehenabwehr_2011-04-02.pdf (Abgerufen am 12.03.2025).
Ablenkungsfütterung
Als kurzfristige, einmalige Möglichkeit kann man Ablenkungsfütterungen einsetzten, um Krähen von einem Feld wegzulocken. Sie müssen auf offenen, überschaubaren Flächen und nicht in Feldnähe angelegt werden und das angebotene Futter muss in Qualität, Quantität und Zugänglichkeit die zu schützenden Felder übertreffen. Als sehr günstig haben sich mistgedüngte oder frisch gemähte Wiesen erwiesen, die sich in einiger Entfernung vom frisch eingesäten Feld befinden. Eine weitere Methode ist die Einsaat von Erbsen in geringer Tiefe in einem Feld-Streifen.
Aussaat
Experimente mit Chili-Eukalyptus-Beize zeigten vielversprechende Ergebnisse, um die Körner für Krähen ungenießbar zu machen (100 ml Eukaplytusöl, 100 g Chilipulver und Cola oder Zuckerlösung als Träger)*.
Saatgut möglichst tief einsäen, besonders Mais. Wirksam sind 8 cm Saattiefe und anschließendes Walzen. Bodenbearbeitung macht Krähen neugierig und lockt sie aufgrund des erhöhten Nahrungsangebotes durch Bodenorganismen an. Deshalb empfiehlt es sich nach Vorbereitungsarbeiten erst nach ein oder zwei Tagen Pause einzusäen und nicht unmittelbar nach dem Pflügen und Eggen. Den Aussaatzeitpunkt sollte man möglichst günstig wählen und eher spät aussäen, um die Dauer des Keimens bis zum Auflaufen möglichst kurz zu halten. Über der kritischen Pflanzengröße von 10 bis 15 Zentimetern richten Krähen keine Schäden mehr an. Eine exakte und saubere Einsaat ist wichtig: an der Erdoberfläche sollten keine Körner oder Samen liegenbleiben, denn dies lockt Rabenvögel an. Der Anbau von anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen wie Gerste als Sommergetreide anstatt Mais ist ebenfalls in Betracht zu ziehen.
*Bayerisches Landesamt für Umwelt, LfU Bayern (2023). 3. Zwischenbericht zum Landtagsbeschluss „Projekt zum Management von Saatkrähen“. S. 44
Feldbestellung
Möglichst alle umliegenden Felder sollten zum selben Zeitpunkt bestellt werden. Eine hohe Randvegetation mit Bewuchs über 15 cm Höhe hält Krähen ab. Bei auflaufendem Mais sollten keine verlockenden Maßnahmen wie Düngung mit Mist, Mähen oder Umbrechen in der nahen Umgebung stattfinden.
Wirken Abwehrmaßnahmen auf landwirtschaftliche Flächen nicht?
Trotz der zahlreichen Maßnahmen, die bei drohenden Konflikten ergriffen werden können, wird aus der Landwirtschaft immer wieder eingewandt, dass insbesondere technische Vergrämungsmaßnahmen Saatkrähen häufig nur kurzfristig verunsichern. Die Wirkung lasse rasch nach, sobald die Vögel erkennen, dass von den eingesetzten Mitteln keine tatsächliche Gefahr ausgeht.
- Bewährt haben sich jedoch vor allem bewegliche, unvorhersehbare und gezielt nach Bedarf eingesetzte Maßnahmen. Werden sie insbesondere während der kurzen, besonders schadensanfälligen Entwicklungsphasen der Kulturen angewendet, können sie dazu beitragen, Schäden auf ein zumutbares Maß zu begrenzen.
- Zudem müssen präventive Abwehrmaßnahmen in ausreichendem Umfang und geeigneter Qualität als mildere Alternative zu einem Abschuss ausgeschöpft werden. Andernfalls besteht die Gefahr, dass ein Abschuss gegen artenschutzrechtliche Vorgaben verstößt.
- Darüber hinaus können Abschüsse ebenfalls zu Lern- und Gewöhnungseffekten führen. Saatkrähen sind in der Lage, wiederkehrende Gefahrenquellen wie Jäger oder deren Fahrzeuge zu erkennen und die betroffenen Flächen vorübergehend zu meiden. Häufig kehren sie zurück, sobald keine unmittelbare Gefahr mehr wahrnehmbar ist. Die abschreckende Wirkung eines Abschusses kann daher zeitlich begrenzt bleiben.
Abschüsse in Baden-Württemberg
Saatkrähe - Foto: Frank Derer
Trotz der vielen möglichen Maßnahmen werden in Baden-Württemberg vermehrt „Allgemeinverfügungen“ erlassen, in denen der Abschuss der Saatkrähe auf landwirtschaftlichen Flächen während der Brutzeit zur Abwendung ernster Schäden erlaubt wird.
Der NABU kritisiert dieses Vorgehen. Die Gründe:
- Es ist nicht zu erwarten, dass Abschüsse eine dauerhafte Wirkung entfalten. Sie können bestehende Konflikte sogar verschärfen, wenn die Verfolgung in der Agrarlandschaft dazu führt, dass Saatkrähen ihre Kolonien verstärkt in Siedlungsbereiche verlagern.
- Zudem fehlen wissenschaftliche Untersuchungen, die den Einfluss der Bejagung von Saatkrähen auf Ernteschäden unmittelbar belegen. Auf der anderen Seite gibt es Studien die belegen, dass durch die Rabenvögel-Bejagung keine Bestandsreduzierung und damit keine Wirksamkeit gegeben ist*.
- Da die Saatkrähe, anders als die Rabenkrähe, nicht dem Jagdrecht unterliegen, dürfen Abschüsse rechtlich nicht mit dem Ziel erfolgen, ihre Population zu dezimieren. Sie kommen allenfalls im Rahmen eng begrenzter artenschutzrechtlicher Ausnahmen als Form der tödlichen Vergrämung auf landwirtschaftlichen Flächen in Betracht, sofern damit ernste wirtschaftliche Schäden verhindert werden sollen und keine zumutbaren milderen Maßnahmen zur Verfügung stehen.
- Erschwerend zum Abschuss der Saatkrähe hinzu kommt, dass bei einem Abschuss innerhalb der Brutzeit mit größter Wahrscheinlichkeit fütternde Altvögel betroffen sind. Bei Saatkrähen bebrütet das Weibchen das Nest und hudert die Jungtiere. In dieser Zeit findet die Nahrungsaufnahme durch das Männchen statt, welches Futter für das Weibchen und die Jungtiere heranschafft. Erst ab dem ca. 15. Nestlingstag geht das Weibchen zunehmend mehr auf Nahrungssuche und beteiligt sich dann an der Jungtierversorgung mit Futter**. Die Jungen werden nach dem Verlassen des Nestes noch etwa sechs Wochen geführt und gefüttert***. Vereinzelt kann diese Phase bis Juli/August andauern****. Bereits bei Wegfall eines einzelnen Elternteils kann die Versorgung der Jungvögel nicht mehr gewährleistet werden. Ein leidvoller Tod von Jungtieren wird durch den wahllosen Abschuss der Tiere in Kauf genommen. Ein Abschuss während der Brutzeit führt daher zu einem erhöhten Risiko des Verlustes von fütternden Altvögeln und damit zum Verhungern der Jungtiere im Nest.
- Die Kosten für den regelmäßigen Einsatz der Jägerschaft wird häufig nicht berücksichtigt. Diese können die geschätzten Schadenskosten übersteigen, während eine Kombination verschiedenerer nicht-letaler Maßnahmen im Rahmen eines integrierten Pflanzenschutzes die Schadenshöhe deutlich reduzieren kann.
Fazit: Wir fordern, dass ethisch nicht vertretbare Töten der Saatkrähen einzustellen, mildere Maßnahmen für eine Konfliktminderung konsequent anzuwenden und konfliktarme Gebiete als geschützte Landschaftsbestandteile gemäß § 29 Abs. 1 BNatSchG, in denen Saatkrähen-Kolonien dauerhaft leben können, zu sichern.
*Craplet et al. (2025). Why do we keep killing crows? Farmers’ attachment to a controversial method in an attempt to protect their crops. Journal of Rural Studies, 119 (2025), Article 103707, 10.1016/j.jrurstud.2025.103707
**Glutz von Blotzheim (2001). Handbuch der Vögel Mitteleuropas. Band 13-III. S. 1842
***Reskaft, E., Y. Espmark & T. Järvi (1983). Reproductive effort and breeding success in relation to age by the Rook. Ornis Scand. 14. S. 169-174
****Z. B. Garling (1942 und 1944). Beitr. FortPflBiol. Vögel 18, 1942 und 20, 1944
Stand: 4.9.2026
