Jedes Jahr pflegt das Team des NABU-Vogelschutzzentrums Mössingen rund 1200 Vögel gesund – darunter auch besonders streng geschützte Arten. Helfen Sie uns dabei!
Starenwebcam aus Diefenbach
Vögel live beim Brüten und Aufziehen der Jungen beobachten
08. Mai – Ausgeflogen!
Heute war es so weit: 21 Tage nach dem Schlüpfen ist unsere Starenbrut ist ausgeflogen! Über mehrere Stunden hat sich das Verlassen des Nistkastens hingezogen. Gleich am Morgen haben die ersten beiden Jungvögel den Sprung ins Leben gewagt. Die verbliebenen waren sehr zögerlich. Sie saßen immer wieder am Flugloch, musterten die Umgebung, hüpften in den Kasten zurück und wieder ans Loch. Bis Mittag hatten es dann alle geschafft. Offenbar waren die vorwitzigen und kräftigen Jungvögel entschlossener und zuerst draußen, während sich das Nesthäkchen sehr schwergetan hat und lange allein zurückgeblieben ist. Es ist ja auch ein großer Schritt, aus dem Dunkel ins Helle zu starten, erstmals Luft unter den Schwingen zu haben und fliegen zu müssen, das man zuvor nicht üben konnte.
Die Elternvögel sind in den Bäumen der Umgebung unterwegs. Das Füttern der Jungen haben sie weitgehend eingestellt. Damit haben die Jungen einen Grund mehr den Kasten als behütete Heimat aufzugeben. In der Umgebung sind ständig die schnarrenden Kontaktlaute zu hören, über die die Eltern und der Nachwuchs als lockerer Familienverband vorerst noch in Verbindung stehen.
Somit ist unsere Starenbrut abgeschlossen. Aus sieben Eiern wurden sechs Jungvögel groß und sind erfolgreich ausgeflogen. Wir bedanken uns für das Interesse, das empathische Mitverfolgen des Brutverlaufes und wünschen unseren Jungstaren allzeit guten Flug!
5. Mai 2026 – Endspurt
Die Nestlingszeit neigt sich nach etwa 21 Tagen dem Ende zu. In dieser Zeitspanne haben die Vögel von wenigen Gramm Schlupfgewicht ihr Körpergewicht auf 60 bis 80 Gramm gesteigert. Und das nur dank der unermüdlichen Versorgung durch die Elternvögel. Das Federkleid ist nun weitgehend ausgebildet. Gut kann man die bei Jungvögeln noch hell gerandeten Schwungfedern erkennen. Ständig werden mit dem Schnabel die Federn geputzt und man sieht vermehrt Flatterübungen, um die Flugmuskulatur zu trainieren. Dafür bietet unser geräumiger Nistkasten viel Platz. In Baumhöhlen geht es wesentlich enger zu, dort steht weniger als die Hälfte dieser Grundfläche zur Verfügung. Die keckesten Jungvögel wagen in den letzten Tagen im Nest oft schon einen Blick aus dem Kasten in die weite Welt. Das ist typisch für Stare. Oft drängen sich sogar zwei Vögel gleichzeitig am Einflugloch. Man sieht dann nicht nur mehr, man ist auch vorne dran, wenn die Eltern mit Futter anfliegen. Noch haben die Jungstare den gelben Schnabelwulst und die wie Antennen hochstehenden Kopffedern. Dennoch werden sie den Nistkasten bald endgültig verlassen. Dann gibt es mehrere Möglichkeiten, wie es mit dem Brutplatz weiter geht. Er bleibt leer oder er wird von einem anderen Paar für eine weitere Brut bezogen. Potenzielle Interessenten halten sich bereits in der Nähe auf und pfeifen wie in der Balz. Wir bleiben jedenfalls vorerst online, um zu verfolgen was geschieht!
Jungstar am Einflug. - Foto: Jason Bosch
29. April – Lauthals Betteln
Am Verhalten der Jungen kann man übrigens auf das Wetter in Diefenbach schließen. Heute Morgen weht hier ein frischer Wind wie an der Küste. Deshalb kuscheln sich die Jungstare in der Mulde eng zusammen, um sich zu wärmen. Aus verschiedenen Gründen übertragen wir keine Tonaufnahmen, obwohl akustisch im Kasten einiges geboten ist. Seit Tagen zirpen die Jungvögel permanent leise, aber vernehmbar vor sich hin, manchmal langsam und rhythmisch, manchmal unregelmäßig. Sobald ein Elternteil am Einflug auftaucht, recken sie die Köpfe und das Zirpen geht in ein Crescendo zu einem schnellen, schrillen und lauten Betteln über. Dann ist die Kakophonie aus sechs Kehlen auch außerhalb des Kastens weithin deutlich hörbar. Sobald der Elternvogel den Kasten verlässt, beruhigen sich die Jungen und fallen wieder in den leisen, langsamen Zirprhythmus.
Man kann gut beobachten, wie die Flügelfedern sprießen und wie die Jungvögel sich häufig mit dem Schnabel das Gefieder putzen. Das ist notwendig, um die Reste der Federkiele zu entfernen. Auch erste Ruderübungen mit den Flügelchen sind zu sehen.
27. April – Mit Ring am Bein ins Leben
Gestern waren die Jungstare im richtigen Alter, um sie zu beringen. In Zusammenarbeit mit der Vogelwarte Radolfzell führen wir seit einigen Jahren ein Beringungsprojekt durch, bei dem Singvögel in Gärten erforscht werden. Wie jedes Jahr haben wir auch von dieser Brut die jungen Stare nacheinander kurzzeitig dem Nest entnommen. Jeder Jungvogel bekam einen, kleinen 0,2 Gramm schweren Aluminiumring ans Bein mit einer individuellen Buchstaben-Ziffern-Kombination und wurde wieder behutsam zurückgesetzt. Alle sechs haben das gelassen hingenommen und gut überstanden. Gewogen wurde der Nachwuchs bei dieser Gelegenheit auch und er steht gut im Futter: Die Gewichte lagen erwartungsgemäß zwischen 48 und 62 Gramm. Erwachsene Stare bringen um die 80 Gramm auf die Waage. Diesen Bereich erreichen wir bis zum Ausfliegen auch noch.
Vogelberingung liefert eindrucksvolle Entfernungs- und Streckenrekorde und gibt auch Aufschluss über ganze Lebensgeschichten einzelner Vögel, über Standorttreue, Todesursachen, die Altersstruktur einer Population oder Verwandtschaftsverhältnisse. Menschen, die Vögel beringen benötigen einen Kurs mit Prüfung und Praktikum, eine behördliche Genehmigung und spezielle Ringe von der Vogelwarte. Da man viele Vögel beringen muss, um Rückmeldungen zu bekommen, sollte jeder Ringfund mit Ringnummer, Orts- und Zeitangabe an die zuständige Vogelwarte (ring@ab.mpg.de) gemeldet werden.
26. April – die erste Nacht "alleine"
Letzte Nacht hat das Weibchen erstmals nicht auf dem Nest verbracht. Ein Zeichen, dass das Hudern nicht mehr erforderlich ist. Die Jungen sind schon sehr agil. Nachts und am kühlen Morgen sitzen sie eng zusammen gekuschelt wie Dachziegel übereinander. Wird es tagsüber warm, bilden sie einen Stern: Jeder streckt aus der Nestmulde den Kopf mit langem Hals in eine andere Richtung. Die Eltern versorgen die Brut nach wie vor regelmäßig mit Futter. Jetzt ist größere Nahrung gefragt, denn der Appetit ist groß. Außerdem hat es einige Tage nicht geregnet, so dass die obere Bodenschicht trocken und Nahrung schwerer zugänglich ist. Dafür müssen die Elternvögel weitere Strecken fliegen und kommen nicht so häufig zum Füttern. Von der Terrasse haben wir beobachtet, dass auch ein dritter Star mitfüttert. Solche „Helfer am Nest“ gibt es bei vielen Vogelarten. Das sind unverpaarte Nichtbrüter, die andere Familien unterstützen.
24. April – Füttern und Futtern
Man kann zusehen, wie der Nachwuchs heranwächst. Da die Jungstare in knapp drei Wochen Nestlingszeit das Gewicht und die Größe eines erwachsenen Stars erreichen müssen, geht es jetzt jeden Tag nur ums Füttern, Futtern und Wachsen. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang schaffen die Vogeleltern unermüdlich Spinnen, Raupen und Zikaden aus der Umgebung herbei. Die Larven der Wiesenschnake spielen dabei eine herausragende Rolle. Sie gibt es reichlich auf den angrenzenden Wiesen und auf der benachbarten Schafweide. Wenn ein Elternvogel ankommt, sperren die Jungen weit die Schnäbel auf. Wenn man nachzählt, bleibt es bei sechs Schnäbeln. Offenbar hat es unser Nesthäkchen wie schon befürchtet leider nicht geschafft. Solange das Gefieder der Jungen noch nicht ausreichend ausgebildet ist und sie die Körpertemperatur noch nicht selbst kontrollieren können, wärmt das Starenweibchen nachts die Brut. Dieses Hudern kann man in den Nachtstunden beobachten. Es ist auch noch notwendig, denn die Nächte werden noch empfindlich kalt. Trotz sonnig-warmer Tage hatten wie heute Morgen wieder Bodenfrost.
Stare werden blind geboren. Die Augenspalten öffnen sich in diesen Tagen um den 7. Lebenstag und bis zum 11. oder 12. Lebenstag sind die Augen vollständig geöffnet.
20. April – Sieben hungrige Schnäbel
Am Freitag ging es Schlag auf Schlag: Dem ersten Küken folgten bis in die Abendstunden alle Geschwister und nun sitzen sieben nackte Jungstare im Nest, die bei jeder Ankunft der Eltern mit weit geöffneten Schnäbeln gierig die Hälse recken.
Eierschalen finden sich keine mehr, diese wurden von den Eltern konsequent aus dem Kasten entfernt, ebenso wie Jungvogelkot säuberlich beseitigt wird. Nach der Fütterung reckt der Jungvogel seinen Hintern in die Höhe und drückt ein kleines weißes Paket heraus. Das ist mit einer Hülle versehener Kot, ähnlich einer modernen Babywindel. Übrigens werden jetzt in der frühen Nestlingsphase diese Kotpakete auch gerne von den Eltern vor Ort aufgefressen. Das erspart Arbeit und liefert ihnen wertvolle Nährstoffe und Flüssigkeit.
Bereits jetzt zeigen sich Unterschiede im Verhalten der Nestgeschwister. Manche Jungvögel sind forscher, gieriger und kräftiger als andere. Wenn ein Elternvogel erscheint, betteln meistens vier oder fünf Junge. Wir haben genau nachgezählt, es sind immer noch alle sieben da. Ein ziemlich kleines Nesthäkchen scheint etwas im Hintertreffen gegenüber den anderen. Solche Nesthäkchen sind in der Natur der Joker: Bei guter Versorgungslage verbessern sie das Brutergebnis um einen oder zwei zusätzlich ausgeflogene Jungvögel und bei Nahrungsknappheit schaffen es nur die stärkeren.
17. April – Wie aus dem Ei gepellt: Erstes Küken geschlüpft!
Seit über zehn Tagen wird das Gelege bebrütet und erwartungsgemäß ist heute das erste Starenküken geschlüpft! Die Elternvögel wirkten in den letzten Tagen unruhiger als bisher und beschäftigen sich ständig mit den Eiern. Das liegt an der Kommunikation des Nachwuchses: Vor dem Schlupf „unterhalten“ sich die Jungvögel bereits durch die Eischale, um den Schlüpfzeitpunkt abzustimmen. Schlüpfen ist ein anstrengender Vorgang. Der Jungvogel knackt mit einem Höcker auf dem Oberschnabel von innen die Eischale an und muss sie dann auseinanderdrängen bis er frei liegt. Frischgeschlüpfte Nestlinge sind zunächst nackt und haben geschlossene Augen. Dem ersten Küken werden über das Wochenende die übrigen folgen und damit beginnt für die Stareneltern die stressige Nestlingszeit.
Das erste Küken ist geschlüpft. - Foto: NABU/S.Bosch
10.04.2026 – Dynamik im Nest
Es ist bei sieben Eiern geblieben. Jedes von ihnen misst übrigens etwa 3 x 2 Zentimeter. Die Stare sind nun in der ersten Hälfte der Bebrütungsphase. Das Brutgeschäft übernimmt überwiegend das Weibchen. Man kann aber auch vereinzelt Brutablösungen beobachten. Und man erkennt, dass Brüten ein dynamischer und bewegter Prozess ist: Nistmaterial, Eier und Brutvogel sind ständigen Veränderungen unterworfen. Das Weibchen wechselt häufig seine Sitzposition und nestelt am Nistmaterial herum. Bei jedem Blick auf das Kamerabild liegen die Halme etwas anders. Jüngst kamen sogar ein paar Vogelfedern als Auspolsterung hinzu. Auch die Eier wechseln ständig ihre Position. In Brutpausen, in denen der Vogel kurzzeitig das Gelege verlässt, liegen sie immer wieder in neuer Anordnung. Bei der Rückkehr setzt sich der Vogel auf die Eier und sortiert sie mit den Beinen unter sich neu zurecht, damit alle gut bedeckt und gleichmäßig gewärmt sind. Die Nächte verbringt das Starenweibchen schlafend auf dem Nest. Während sie tagsüber oft wach ist und aufmerksam umherblickt, legt sie nachts den Kopf in den Schulterfedern ab.
Beide Stare im Nest. - Foto: NABU/S.Bosch
7. April 2026 – Vollständiges Gelege mit sieben Eiern
Über das Osterwochenende hat das Starenweibchen fleißig gelegt und wir konnten live mitverfolgen, wie jeden Tag ein weiteres Ei im Nest lag. Mittlerweile umfasst das Gelege beachtliche sieben Eier. Und grau ist alle Theorie: Nicht nur der Brutbeginn lag frühzeitig, auch mit inzwischen sieben Eiern haben wir eine überdurchschnittliche Legeleistung. Statistisch liegt sie mit knapp zwei Eiern über dem Durchschnitt. Die Eiablagen erfolgten immer am späten Vormittag zwischen 10 und 12 Uhr und das Weibchen hat bereits früh manche Nacht auf dem Nest verbracht. Inzwischen geht die Legephase zu Ende und in die Bebrütung über. Die nächsten ca. 12 Tage wird vor allem das Weibchen ruhig im Nest sitzend und von nur kurzen Pausen unterbrochen 24/7 unter ihrem Körper die Eier so warmhalten, damit sich darin neues Leben entwickeln kann.
Noch zur Eifarbe: Da wir nicht mit störendem sichtbarem Kunstlicht im Kasten arbeiten wirken die Eier aufgrund der Aufnahmetechnik weiß wie Hühnereier aus der Schachtel. Nur wenn vorübergehend Tageslicht in die Nestmulde fällt, zeigt sich, dass Stareneier bunt gefärbt sind. Die Literatur beschreibt sie als grünlich-blau, für mich ist es eher ein glänzendes milchiges Hellblau. Wie auch immer, eine bezaubernd schöne Farbe.
Alle sieben Eier im Nest. - Foto: NABU/S.Bosch
2. April 2026 – Und jeden Tag ein Ei
Seit heute Vormittag liegt das dritte Ei im Nest!
1. April 2026 – Erstes Ei
An Ostern werden Eier gelegt! Pünktlich zum Osterfest und entgegen unserer Prognose liegt bereits seit gestern das erste Ei im Nest, die Legeperiode hat begonnen! Und Ausnahmen bestätigen die Regel: Auch wenn manche Stare bereits Ende Februar mit der Eiablage beginnen, fallen nach älteren Statistiken die meisten Legebeginne bei uns im Südwesten auf Mitte April. Aber es gibt sehr frühe Brüter und auch der Klimawandel sorgt für Verschiebungen.
Ein durchschnittliches Starengelege umfasst vier bis sechs Eier. In diesen Tagen reift im Weibchen täglich ein Ei heran. Damit es sicher befruchtet wird, paaren sich die Vögel jetzt täglich mehrmals außerhalb des Kastens. Die Eiablage erfolgt bei Staren meistens in den Morgen- oder Vormittagsstunden. Unser erstes Ei lag gestern ab 10.21 Uhr im Nest und heute Nummer 2 ab 11.15 Uhr. Eigentlich verbleiben bei Singvögeln die Eier unbebrütet bis zum vorletzten Ei. Erst dann startet die Bebrütung, um sicherzustellen, dass die Jungvögel etwa zeitgleich schlüpfen. Doch das Leben ist vielfältig und variantenreich und auch bei Staren verlaufen nicht alle Bruten nach Lehrbuch. So hat unser Weibchen gleich nach dem ersten Ei die Nacht auf dem Nest und ersten Ei verbracht, was eher ungewöhnlich ist. Warten wir ab, wie sich die Brut entwickelt. Wenn unser Star im eintägigen Legetakt bleibt, dürfte das Gelege bis zum Osterwochenende vollständig sein. Mit etwas Glück kann man in den nächsten Tagen den Staren beim weiteren Legen zuschauen – am besten klickt man morgens zwischen 10 und 12 Uhr rein!
31. März 2026 – Nistplatz gegen Konkurrenten behaupten
Die Stare sind zunehmend aktiver und präsenter im Kasten. Lange Halme transportieren sie im Schnabel herbei, zerren sie mühevoll durchs Loch, verarbeiten sie im Nest und immer deutlicher bildet sich die Nestmulde ab. Da die Konkurrenz um Nistplätze groß ist, sind die Vögel vermehrt anwesend, entweder im Kasten oder im Einflugloch sitzend. Es lohnt sich immer ein Blick in die Ecke oben links zu werfen, ob Licht durch das Loch fällt oder ob es verdeckt und dunkel ist. Dann sitzt entweder ein Vogel im Loch oder draußen auf der Sitzstange unterhalb des Einflugs. Oft nimmt das Männchen diesen Platz ein und pfeift und singt lauthals. Mit der Eiablage ist bei Staren hier im Südwesten im Laufe des Aprils zu rechnen. Wir sind gespannt, wann es so weit ist.
Apropos Nistplatzkonkurrenz: Stare gehen mit Konkurrenten nicht zimperlich um, wenn es um attraktive Brutplätze geht. Andere Arten werden hochkant hinausgeworfen, mit Artgenossen liefern sie sich mitunter erbitterte Kämpfe inner- und außerhalb des Kastens. Wir haben solche Szenen schon erlebt und es ist nicht ausgeschlossen, dass wir sie auch hier zu sehen bekommen. Aus diesem Grund verkleinert übrigens der Kleiber den Durchmesser seines Einflugloches mit Lehm: Stare müssen draußen bleiben. Auch Besitzerwechsel, Partnertausch und Neuverpaarungen sind jetzt noch durchaus an der Tagesordnung und typisch für Stare.
26. März 2026 – Nestbau schreitet voran
Momentan befinden wir uns mitten in der Nestbauphase. Tagsüber hält sich das Brutpaar meistens außerhalb unseres Nistkastens in der näheren Umgebung auf und das Männchen zeigt mit Flügelschlagen und Gesang, dass es der aktuelle Besitzer dieses Brutplatzes ist. Aktivitäten im Kasten sind vor allem in den frühen Morgenstunden zu beobachten, wenn die Vögel trockene Halme eintragen, verteilen und die Nestmulde formen. Dazu schiebt der Vogel das Nistmaterial mit seiner Brust und rudernden Flügelbewegungen vom Zentrum aus in alle Richtungen an den Nestrand. So entsteht allmählich eine kreisrunde Vertiefung in einem dicken Paket aus Grashalmen und anderem Nistmaterial. Schaut man in diesen Tagen öfters in den Livestream, stellt man fest, dass das Nestmaterial in Bewegung ist und ständig etwas anders liegt. Immer deutlicher kristallisiert sich aber die Vertiefung für das Gelege an der rechten Kastenwand heraus.
Die Starenwebcam
Stare sind häufige und weit verbreitete Singvögel, die in Specht- und Fäulnishöhlen an Waldrändern oder in alten Obstbäumen brüten. Gerne nutzen Stare auch Nistkästen als Brutplätze, sofern diese vom Platzangebot, der Aufhängehöhe und der Fluglochweite ihren Bedürfnissen entsprechen.
Im März beginnen die Stare in der Regel zu brüten. Um das sonst verborgen in den meist hoch gelegenen Baumhöhlen ablaufende Geschehen zu verfolgen, haben wir einen Starenkasten mit einer Kamera ausgestattet, mit der wir einen exklusiven Einblick in eine Bruthöhle haben und den Brutverlauf live miterleben können. Die Installation und Arbeitsweise der Kamera stört oder beeinträchtigt die Vögel nicht. Am Tag wird der Kasten in der Regel ausreichend durch Tageslicht beleuchtet. Nachts schaltet sich das Infrarotlicht hinzu, welches die Tiere nicht stört.
In unserem Starenkasten wurde bereits in den Vorjahren erfolgreich gebrütet. Von diesen Bruten wurde etwas altes Nistmaterial am Kastenboden belassen. Im Bild erkennt man links oben das Einflugloch und darunter die zweistufige „Leiter“, die den Vögeln beim Hochklettern hilft. Günstiger wären raue ungehobelte Holzwände, aber für einen optimales Bild wurden die Innenwände mit Sperrholz ausgekleidet und die Stufen angebracht. Während des Tageslaufs kommt es in allen Bruthöhlen je nach Sonnenstand vorübergehend zu hellen Lichtprojektionen im Inneren, da das Eingangsloch wie eine Blende wirkt. Man kennt das Phänomen als Camera obscura aus dem Physikunterricht.
Wir begleiten die Live-Übertragung des hoffentlich erfolgreichen Brutgeschehens mit ergänzenden Informationen auf dieser Seite.
Besonderer Dank für technische Unterstützung bei der Einrichtung der Webcam geht an das Team Elias Dewes, Michael Walter und Leon With von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Standort Karlsruhe.
Text: Dr. Stefan Bosch
Stand: 1. April 2026
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