Von der Theorie in die Praxis
Mauer und Neuenbürg zeigen, wie naturnahe Flächen entstehen

Wie entstehen naturnahe Grünflächen, die Bienen, Schmetterlingen, Reptilien und Vögeln Lebensraum bieten? Das konnten rund 30 Mitarbeitende aus Städten und Gemeinden im September 2026 bei zwei Praxisschulungen selbst ausprobieren. Am 22. September trafen sie sich in Mauer, am 24. September in Neuenbürg. Dort gestalteten sie gemeinsam mit den örtlichen Bauhöfen mehrere öffentliche Grünflächen um.
Beide Gemeinden sind in diesem Jahr Demonstrationskommunen des NABU-Projekts „Natur nah dran“. Das bedeutet: Sie erproben beispielhaft verschiedene Methoden zur naturnahen Gestaltung kommunaler Grünflächen und geben ihr Wissen an die übrigen teilnehmenden Kommunen weiter. In Mauer nahmen Mitarbeitende aus sechs weiteren Gemeinden an der Schulung teil, in Neuenbürg waren es sieben.
Der richtige Boden macht den Unterschied
Unter fachkundiger Anleitung der Naturgartenplanenden Dr. Eva Distler in Mauer und Dr. Reinhard Witt in Neuenbürg lernten die Teilnehmenden unterschiedliche Methoden der Flächenumgestaltung kennen. Besonders wichtig ist dabei die Vorbereitung des Bodens.
„Je magerer der Boden, desto bunter, also artenreicher“, erklärte Dr. Eva Distler bei der Schulung in Mauer. Ein nährstoffarmer Boden bietet vielen Wildpflanzen gute Wachstumsbedingungen. Gleichzeitig gilt es, vorhandene Samen und Wurzelstücke unerwünschter, stark wuchernder Pflanzen zu entfernen, damit diese die neu eingesäten Arten später nicht verdrängen.
Deshalb wird an einigen Standorten der vorhandene Boden teilweise durch Schotter und Kies ersetzt. Was zunächst ungewohnt karg aussieht, hat einen guten Grund: Die mageren Substrate schaffen geeignete Bedingungen für eine artenreiche Vegetation.
Dr. Reinhard Witt machte in Neuenbürg deutlich, dass diese Flächen nicht mit den umstrittenen Schottergärten zu verwechseln sind. Auch wenn sie unmittelbar nach der Anlage ähnlich aussehen können, entwickeln sie sich mit der Zeit zu blühenden Lebensräumen und Nahrungsquellen für Insekten.
Geduld wird mit Blüten und Leben belohnt
Die neu angelegten Flächen verändern sich im Laufe der Jahreszeiten. In den ersten Monaten wirken sie häufig noch karg. Doch bereits im Frühjahr zeigen sich die ersten Blüten. Mit ihnen kommen die Insekten: Frühblühende Pflanzen bieten beispielsweise der Mauerbiene eine wichtige Nahrungsgrundlage.
„Die Bürgerinnen und Bürger können sich auf mehr Summen und Brummen mitten in ihrer Nachbarschaft freuen“, sagt NABU-Projektleiter Martin Klatt. Die naturnahen Flächen seien nicht nur wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen, sondern lüden auch Jung und Alt zum Verweilen, Staunen und Erleben ein.
Es lohnt sich deshalb, die Entwicklung der Flächen aufmerksam zu beobachten. Naturnahe Grünflächen sind keine statischen Anlagen, sondern verändern sich stetig. Aus zunächst unscheinbaren Bereichen entstehen nach und nach vielfältige Lebensräume.
Gemeinsam für mehr Artenvielfalt in den Kommunen
IAuch die sogenannte Burri-Methode kam zum Einsatz: Dabei wurde der Boden streifenweise gefräst und eingesät. So können sich die Wildpflanzen nach und nach über die gesamte Fläche ausbreiten.
In Neuenbürg lag ein Schwerpunkt auf der Neuanlage einer Fläche am Kreisel Wilhelmshöhe. Außerdem besuchten die Teilnehmenden die Verbindungsstraße zwischen Neuenbürg und Arnbach. Dort war der Boden bereits streifenweise gefräst und eingesät worden.
Die Bürgermeister beider Gemeinden begrüßten die Teilnehmenden und betonten die Bedeutung des Projekts für eine zukunftsfähige Gestaltung kommunaler Grünflächen. Sowohl Mauer als auch Neuenbürg sehen in „Natur nah dran“ eine wertvolle Gelegenheit, neue Methoden kennenzulernen und praktische Erfahrungen zu sammeln.