Feldvögel wirksam schützen

Rebhuhn retten – Vielfalt fördern!

Das Rebhuhn ist auf Baden-Württembergs landwirtschaftlichen Flächen nur noch selten zu beobachten. Die Bestände des Feldvogels haben stark abgenommen. Im bundesweiten Verbundprojekt setzt sich der NABU Baden-Württemberg gemeinsam mit Projektpartnern für den Lebensraumerhalt des Rebhuhns ein.
Rebhühner auf Feld
© Foto: Lisa Dumpe

Aktuelles

Ein ungewöhnlicher Brutplatz

Im Projektgebiet in Fellbach entdeckte ein Landwirt beim Mähen seiner Streuobstwiese 16 Eier. Was für eine Überraschung! Denn Rebhühner halten meist Abstand zu Bäumen und hohen Hecken. Die Henne flog auf und blieb unverletzt. Der Landwirt informierte sofort die NABU-Gruppe Fellbach. Kurze Zeit später saß die Henne wieder auf ihrem Gelege. Nach ein paar Tagen fand Rebhuhnschützerin Marita Dorst die Eierschalen. 15 Küken waren geschlüpft und sind nun auf dem Schmidener Feld unterwegs. Wir drücken ihnen die Daumen!

Ebenso wie andere Vögel, Insekten und Feldhasen sind Rebhühner dringend auf schützende Deckung angewiesen. Hohes Gras im Hochsommer mag struppig aussehen, aber es rettet Leben. Gemeinsam mit dem Landesjagdverband arbeitet der NABU Baden-Württemberg im Projekt „Rebhuhn retten – Vielfalt fördern!“ daran, die Bodenbrüter noch besser zu schützen.

Bundesweites Verbundprojekt

Um sich für bessere Lebensbedingungen des Rebhuhns in der Agrarlandschaft einzusetzen, haben sich NABU und Landesjagdverband gemeinsam und erfolgreich als Projektpartner beim Projekt „Rebhuhn retten – Vielfalt fördern!“ beworben. Das bundesweite Verbundprojekt wird von der Abteilung Naturschutzbiologie der Uni Göttingen, dem Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL) und dem Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) koordiniert. Gefördert wird das sechsjährige Projekt im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt. Von 2023 bis 2029 werden deutschlandweit in zehn Projektgebieten verstärkt Schutzmaßnahmen für das Rebhuhn ergriffen. Diese Projektgebiete sind auf acht Bundesländer verteilt und decken insgesamt fast 2.900 km² unterschiedlicher Naturräume ab.

Zusätzlich zu den Fördermitteln des Bundesprogramms Biologische Vielfalt erhält unser Projekt in Baden-Württemberg Mittel vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft.

Traurige Spitzenposition: Das Rebhuhn auf der Roten Liste

Früher war das Rebhuhn einer der häufigsten Vögel unserer Agrarlandschaft. Seit 1980 sind die Bestände des Feldvogels allerdings europaweit um 94 Prozent zurückgegangen. Auf der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands wird das Rebhuhn inzwischen als „stark gefährdet“ eingestuft. In Baden-Württemberg ist die Situation noch ungünstiger und die Art sogar „vom Aussterben bedroht“. Gründe dafür sind:

  • immer weniger strukturreiche Offenlandschaften mit Brachen, mehrjährigen Blühflächen und Feldrainen
  • der Einsatz von Pestiziden
  • die Zunahme von Prädation
  • und das Zusammenwirken dieser drei Hauptursachen.

Höchste Zeit also, das Rebhuhn vor dem Aussterben zu retten!

Gemeinsam für das Rebhuhn

Das Projekt „Rebhuhn retten – Vielfalt fördern!“ kann in Baden-Württemberg auf langjährige Aktivitäten zum Rebhuhnschutz aufbauen. Eine Schlüsselrolle für die Erhöhung des Rebhuhnbestandes nehmen dabei die beiden Vorgängerprojekte PLENUM-Rebhuhnschutzprojekt in Tübingen und „Rebhuhnprojekt Schmidener Feld“ in Fellbach ein. Beide Gebiete dienen dem Projekt als positive Beispiele und spielen deshalb als Modellregionen eine herausragende Rolle. Positiv ist, dass NABU und Landesjagdverband bei den Vorläuferprojekten bereits engagiert waren und auf die vorhandenen Netzwerke aufbauen können, die diese Projekte ausgezeichnet haben. Mit den seit vielen Jahren in den Modellgebieten im Rebhuhn- und Feldvogelschutz erfolgreichen Partnerinnen und Partnern aus Landwirtschaft, Verbänden und Kommunen setzen NABU und LJV die erprobten Maßnahmen hier weiter um. Denn erfolgreicher Rebhuhnschutz geht nur gemeinsam.

Die in den beiden Modellgebieten gesammelten Erfahrungen und Erfolge werden wissenschaftlich begleitet und dienen als Best-Practice-Beispiele für den dazwischen liegenden Verbundraum. Dort wollen wir weitere Rebhuhnschutzprojekte in enger Zusammenarbeit mit Akteur*innen aus Landwirtschaft, Naturschutz und Jagd begleiten bzw. anstoßen. So soll eine effektive Maßnahmenumsetzung in der Fläche vorangebracht, einzelne Lebensräume gezielt aufgewertet und der Offenland-Biotopverbund in den Gäulandschaften zwischen Tübingen und Heilbronn gestärkt werden. Neben dem Rebhuhn profitieren davon viele weitere Arten, die auf strukturreiche, wenig oder zeitweise gar nicht bewirtschaftete Flächen angewiesen sind.

Projektgebiet in Baden-Württemberg

Das Projektgebiet im zentralen Baden-Württemberg umfasst einen etwa 2.650 km² großen Verbundraum, der sich über die Gäulandschaften und das Neckarbecken von Tübingen bis Heilbronn erstreckt. Hier finden sich einige der fruchtbarsten Ackerböden und einige der letzten größeren Rebhuhnvorkommen im Land. Innerhalb dieser Gebietskulisse liegen die zwei Modellgebiete „Westlicher Landkreis Tübingen“ und „Schmidener Feld in Fellbach“ bei Stuttgart, die zusammen ca. 129 km² groß sind.

Kooperation mit dem Landesjagdverband

NABU und Landesjagdverband (LJV) führen das Projekt in enger Kooperation durch. Unsere beiden Verbände eint der Einsatz für die biologische Vielfalt im Allgemeinen und die Begeisterung für das Rebhuhn, weitere Bodenbrüter und ihre Lebensräume im Besonderen. Als anerkannte Naturschutzverbände treten wir gemeinsam für die Verbesserung der Agrar- und Naturschutzpolitik sowie der Förderbedingungen in diesen Bereichen ein, um zusammen mehr zu erreichen.

Mit der Kooperation im Projekt zeigen wir, dass es durch gute Kommunikation und das Suchen nach Gemeinsamkeiten gelingen kann, miteinander und über Verbandsgrenzen hinweg einen ganzheitlichen Ansatz im Bodenbrüterschutz umzusetzen. Effektiver Rebhuhnschutz gelingt nur mit einer guten Zusammenarbeit zwischen Naturschutz, Jägerschaft und Landwirtschaft.

Bisherige gemeinsame Veröffentlichungen von NABU und LJV:

  • Volksantrag zum Flächenverbrauch
  • Eckpunktepapier für ein Bodenbrüterprogramm
  • Forderungen zur Agarpolitik

Zu den Ausschreibungen

Vogel-Icon auf hellblauem Hintergrund

Übersicht über Aufträge

Ausschreibungen des NABU Baden-Württemberg

Wir vergeben insbesondere im Rahmen unserer Förderprojekte unterschiedliche Liefer-, Dienstleistungs-, Werk- und Bauaufträge. Nachstehend finden Sie eine Übersicht über zu vergebende sowie bereits vergebene Aufträge, die wir hiermit öffentlich bekannt machen.

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Dominique Aichele
Dominique Aichele
Regionale Projektleitung „Rebhuhn retten – Vielfalt fördern!“ Referentin für Agrarbiodiversität