Vögel werben um Brutpartner

Morgendlicher Vogelgesang begrüßt Frühjahr

Wenn die Tage länger werden und die ersten Blumen blühen, beginnen auch die Vögel zu singen. Am intensivsten schon früh morgens in der Dämmerung und so laut, dass es selbst Menschen auffällt, die sich sonst nicht speziell für die Vogelwelt interessieren.
  • Artikel
  • Lesedauer: 1 Min.
Blaumeise
Blaumeise© Foto: Frank Derer

Zu den ersten Sängern im Februar und März zählt die Amsel. Schon vor Sonnenaufgang beginnen die Männchen mit ihren melodiösen Strophen den Tag. Gerne singen sie von hohen exponierten Stellen wie Dachgiebeln und Baumkronen, damit ihr Gesang weithin hörbar ist. Manchmal kann man die Reviergrenzen genau sehen, wenn sie beispielsweise entlang einer Straße verlaufen und sich die Amsel-Männchen an der unsichtbaren Grenzlinie auch kleine Raufereien in der Luft liefern. Flatternd steigen sie dann gegeneinander hoch, um die Grenzlinie klar zu machen.

Der morgendliche Vogelgesang im Frühjahr dient in erster Linie der Revierabgrenzung und der Werbung um einen Brutpartner. Männchen mit einem Revier zeigen mit ihrem Gesang benachbarten Männchen: wo ich singe ist mein Revier! Und singende Männchen zeigen den Weibchen, dass sie bereit sind, hier in ihrem Revier eine Familie zu gründen, ein Nest zu bauen und Nachwuchs aufzuziehen. Weibchen können am Aussehen und am Gesang eines Männchens erkennen, ob es ein guter Brutpartner ist, mit dem man erfolgreich eine Familie gründen kann. Reviergesang ist auch eine Liebesbezeugung - bei der Goldammer passt das sogar genau, denn ihre Strophe klingt in unserer Menschensprache etwa wie „wie-wie-hab-ich-dich-lieb“. Auslöser für das Balzverhalten sind die länger werdenden Tage, die Einfluss auf den Hormonhaushalt nehmen und die Vögel zu diesen Aktivitäten animieren.

Manche Vogelmännchen präsentieren interessierten Weibchen sogar schon Brutplätze. Zaunkönige stellen im Unterholz gut versteckt mehrere Nestkugeln aus Moos im Rohbau fertig und das Weibchen darf sich eines davon aussuchen. Immerhin muss das Weibchen darin auch fast drei Wochen brüten, das heißt bis auf kurze Pausen unentwegt auf den Eiern sitzen - dabei muss man sich wohl und sicher fühlen! Der Gartenrotschwanz zeigt dem Weibchen passende Bruthöhlen in Obstbäumen oder Nistkästen. Auch hier trifft das Weibchen die endgültige Auswahl.

Zugvögel kehren zurück

Neben dem Gesang wie bei Kohl-und Blaumeisen, Haus- und Gartenrotschanz oder dem Zaunkönig spielen andere Vögel auch Instrumente: Buntspechte trommeln auf hohlen Ästen, um ihr Revier anzuzeigen und Weibchen anzulocken. Vom Grünspecht hört man im Frühjahr ein lautes Lachen auf Waldlichtungen und Obstbaumwiesen. Manche Vogelarten vollführen spektakuläre Singflüge, bei denen sie singend über ihrem Brutrevier fliegen. Grünfink, Girlitz oder die immer seltener werdende Feldlerche machen das so. Auch Greifvögel wie der Mäusebussard kreisen im März hoch in der Luft um ihre Territoriumsansprüche deutlich zu machen. Manchmal gibt es dabei auch kleine Scharmützel mit Reviernachbarn.

Bereits ab Februar kehren zu den bereits anwesenden Amseln, Meisen, Buchfinken, Zaunkönigen und Rotkehlchen weitere Vogelarten aus ihren Überwinterungsgebieten zu uns zurück und bereichern das Vogelkonzert zusätzlich. Im Februar sind es Stare und Singdrosseln, im März Zilpzalp, Haus- und Gartenrotschwanz, im April der Kuckuck und erst im Mai treffen Mauersegler, Nachtigall, Pirol und Grauer Fliegenschnäpper bei uns ein. Wenn also Meisen und Finken bereits auf den Eiern sitzen oder gerade die Jungen geschlüpft sind, kommen andere Vogelarten erst zu uns zurück und beginnen mit dem Balz- und Brutgeschäft.

Der Vogelgesang ebbt im Laufe des Jahres ab und erlischt mit Ende der Fortpflanzungsperiode im Juni und Juli völlig. Dann sind die meisten Jungvögel ausgeflogen und selbstständig und viele Vögel legen eine Ruhepause ein, in der sie in der Mauser ihr Gefieder erneuern. Aber zwischen März und Juni kann man jeden Tag Vögel singen hören, manche sogar zu einer bestimmten Tageszeit. Das liegt an den Aktivitätsmustern der einzelnen Arten. Manche sind Frühaufsteher, die schon vor Sonnenaufgang lauthals zu singen beginnen (wie Amsel, Feldlerche), manche melden sich erst lange nach Sonnenaufgang (Buntspecht). Manche Vögel singen auch nachts, wie beispielsweise Feldschwirl, Ziegenmelker und natürlich viele Eulenarten. Auch wenn der Name anderes suggeriert, die Nachtigall lässt ihre schluchzenden Strophen von Pausen unterbrochen rund um die Uhr hören.

Einige Vögel haben übrigens lautmalerische Namen, das bedeutet, sie heißen so ähnlich wie ihr Ruf. Bekannte Beispiele sind Kuck-uck, U-hu, Zilp-zalp oder Stieg-litz.

Text: Stefan Bosch

Alle Informationen zur sicheren Datenverarbeitung finden Sie in unserem Datenschutzhinweis.