Jedes Jahr pflegt das Team des NABU-Vogelschutzzentrums Mössingen rund 1200 Vögel gesund – darunter auch besonders streng geschützte Arten. Helfen Sie uns dabei!
Starenwebcam aus Diefenbach
Vögel live beim Brüten und Aufziehen der Jungen beobachten
17. April – Wie aus dem Ei gepellt: Erstes Küken geschlüpft!
Seit über zehn Tagen wird das Gelege bebrütet und erwartungsgemäß ist heute das erste Starenküken geschlüpft! Die Elternvögel wirkten in den letzten Tagen unruhiger als bisher und beschäftigen sich ständig mit den Eiern. Das liegt an der Kommunikation des Nachwuchses: Vor dem Schlupf „unterhalten“ sich die Jungvögel bereits durch die Eischale, um den Schlüpfzeitpunkt abzustimmen. Schlüpfen ist ein anstrengender Vorgang. Der Jungvogel knackt mit einem Höcker auf dem Oberschnabel von innen die Eischale an und muss sie dann auseinanderdrängen bis er frei liegt. Frischgeschlüpfte Nestlinge sind zunächst nackt und haben geschlossene Augen. Dem ersten Küken werden über das Wochenende die übrigen folgen und damit beginnt für die Stareneltern die stressige Nestlingszeit.
Das erste Küken ist geschlüpft. - Foto: NABU/S.Bosch
10.04.2026 – Dynamik im Nest
Es ist bei sieben Eiern geblieben. Jedes von ihnen misst übrigens etwa 3 x 2 Zentimeter. Die Stare sind nun in der ersten Hälfte der Bebrütungsphase. Das Brutgeschäft übernimmt überwiegend das Weibchen. Man kann aber auch vereinzelt Brutablösungen beobachten. Und man erkennt, dass Brüten ein dynamischer und bewegter Prozess ist: Nistmaterial, Eier und Brutvogel sind ständigen Veränderungen unterworfen. Das Weibchen wechselt häufig seine Sitzposition und nestelt am Nistmaterial herum. Bei jedem Blick auf das Kamerabild liegen die Halme etwas anders. Jüngst kamen sogar ein paar Vogelfedern als Auspolsterung hinzu. Auch die Eier wechseln ständig ihre Position. In Brutpausen, in denen der Vogel kurzzeitig das Gelege verlässt, liegen sie immer wieder in neuer Anordnung. Bei der Rückkehr setzt sich der Vogel auf die Eier und sortiert sie mit den Beinen unter sich neu zurecht, damit alle gut bedeckt und gleichmäßig gewärmt sind. Die Nächte verbringt das Starenweibchen schlafend auf dem Nest. Während sie tagsüber oft wach ist und aufmerksam umherblickt, legt sie nachts den Kopf in den Schulterfedern ab.
Beide Stare im Nest. - Foto: NABU/S.Bosch
7. April 2026 – Vollständiges Gelege mit sieben Eiern
Über das Osterwochenende hat das Starenweibchen fleißig gelegt und wir konnten live mitverfolgen, wie jeden Tag ein weiteres Ei im Nest lag. Mittlerweile umfasst das Gelege beachtliche sieben Eier. Und grau ist alle Theorie: Nicht nur der Brutbeginn lag frühzeitig, auch mit inzwischen sieben Eiern haben wir eine überdurchschnittliche Legeleistung. Statistisch liegt sie mit knapp zwei Eiern über dem Durchschnitt. Die Eiablagen erfolgten immer am späten Vormittag zwischen 10 und 12 Uhr und das Weibchen hat bereits früh manche Nacht auf dem Nest verbracht. Inzwischen geht die Legephase zu Ende und in die Bebrütung über. Die nächsten ca. 12 Tage wird vor allem das Weibchen ruhig im Nest sitzend und von nur kurzen Pausen unterbrochen 24/7 unter ihrem Körper die Eier so warmhalten, damit sich darin neues Leben entwickeln kann.
Noch zur Eifarbe: Da wir nicht mit störendem sichtbarem Kunstlicht im Kasten arbeiten wirken die Eier aufgrund der Aufnahmetechnik weiß wie Hühnereier aus der Schachtel. Nur wenn vorübergehend Tageslicht in die Nestmulde fällt, zeigt sich, dass Stareneier bunt gefärbt sind. Die Literatur beschreibt sie als grünlich-blau, für mich ist es eher ein glänzendes milchiges Hellblau. Wie auch immer, eine bezaubernd schöne Farbe.
Alle sieben Eier im Nest. - Foto: NABU/S.Bosch
2. April 2026 – Und jeden Tag ein Ei
Seit heute Vormittag liegt das dritte Ei im Nest!
1. April 2026 – Erstes Ei
An Ostern werden Eier gelegt! Pünktlich zum Osterfest und entgegen unserer Prognose liegt bereits seit gestern das erste Ei im Nest, die Legeperiode hat begonnen! Und Ausnahmen bestätigen die Regel: Auch wenn manche Stare bereits Ende Februar mit der Eiablage beginnen, fallen nach älteren Statistiken die meisten Legebeginne bei uns im Südwesten auf Mitte April. Aber es gibt sehr frühe Brüter und auch der Klimawandel sorgt für Verschiebungen.
Ein durchschnittliches Starengelege umfasst vier bis sechs Eier. In diesen Tagen reift im Weibchen täglich ein Ei heran. Damit es sicher befruchtet wird, paaren sich die Vögel jetzt täglich mehrmals außerhalb des Kastens. Die Eiablage erfolgt bei Staren meistens in den Morgen- oder Vormittagsstunden. Unser erstes Ei lag gestern ab 10.21 Uhr im Nest und heute Nummer 2 ab 11.15 Uhr. Eigentlich verbleiben bei Singvögeln die Eier unbebrütet bis zum vorletzten Ei. Erst dann startet die Bebrütung, um sicherzustellen, dass die Jungvögel etwa zeitgleich schlüpfen. Doch das Leben ist vielfältig und variantenreich und auch bei Staren verlaufen nicht alle Bruten nach Lehrbuch. So hat unser Weibchen gleich nach dem ersten Ei die Nacht auf dem Nest und ersten Ei verbracht, was eher ungewöhnlich ist. Warten wir ab, wie sich die Brut entwickelt. Wenn unser Star im eintägigen Legetakt bleibt, dürfte das Gelege bis zum Osterwochenende vollständig sein. Mit etwas Glück kann man in den nächsten Tagen den Staren beim weiteren Legen zuschauen – am besten klickt man morgens zwischen 10 und 12 Uhr rein!
31. März 2026 – Nistplatz gegen Konkurrenten behaupten
Die Stare sind zunehmend aktiver und präsenter im Kasten. Lange Halme transportieren sie im Schnabel herbei, zerren sie mühevoll durchs Loch, verarbeiten sie im Nest und immer deutlicher bildet sich die Nestmulde ab. Da die Konkurrenz um Nistplätze groß ist, sind die Vögel vermehrt anwesend, entweder im Kasten oder im Einflugloch sitzend. Es lohnt sich immer ein Blick in die Ecke oben links zu werfen, ob Licht durch das Loch fällt oder ob es verdeckt und dunkel ist. Dann sitzt entweder ein Vogel im Loch oder draußen auf der Sitzstange unterhalb des Einflugs. Oft nimmt das Männchen diesen Platz ein und pfeift und singt lauthals. Mit der Eiablage ist bei Staren hier im Südwesten im Laufe des Aprils zu rechnen. Wir sind gespannt, wann es so weit ist.
Apropos Nistplatzkonkurrenz: Stare gehen mit Konkurrenten nicht zimperlich um, wenn es um attraktive Brutplätze geht. Andere Arten werden hochkant hinausgeworfen, mit Artgenossen liefern sie sich mitunter erbitterte Kämpfe inner- und außerhalb des Kastens. Wir haben solche Szenen schon erlebt und es ist nicht ausgeschlossen, dass wir sie auch hier zu sehen bekommen. Aus diesem Grund verkleinert übrigens der Kleiber den Durchmesser seines Einflugloches mit Lehm: Stare müssen draußen bleiben. Auch Besitzerwechsel, Partnertausch und Neuverpaarungen sind jetzt noch durchaus an der Tagesordnung und typisch für Stare.
26. März 2026 – Nestbau schreitet voran
Momentan befinden wir uns mitten in der Nestbauphase. Tagsüber hält sich das Brutpaar meistens außerhalb unseres Nistkastens in der näheren Umgebung auf und das Männchen zeigt mit Flügelschlagen und Gesang, dass es der aktuelle Besitzer dieses Brutplatzes ist. Aktivitäten im Kasten sind vor allem in den frühen Morgenstunden zu beobachten, wenn die Vögel trockene Halme eintragen, verteilen und die Nestmulde formen. Dazu schiebt der Vogel das Nistmaterial mit seiner Brust und rudernden Flügelbewegungen vom Zentrum aus in alle Richtungen an den Nestrand. So entsteht allmählich eine kreisrunde Vertiefung in einem dicken Paket aus Grashalmen und anderem Nistmaterial. Schaut man in diesen Tagen öfters in den Livestream, stellt man fest, dass das Nestmaterial in Bewegung ist und ständig etwas anders liegt. Immer deutlicher kristallisiert sich aber die Vertiefung für das Gelege an der rechten Kastenwand heraus.
Die Starenwebcam
Stare sind häufige und weit verbreitete Singvögel, die in Specht- und Fäulnishöhlen an Waldrändern oder in alten Obstbäumen brüten. Gerne nutzen Stare auch Nistkästen als Brutplätze, sofern diese vom Platzangebot, der Aufhängehöhe und der Fluglochweite ihren Bedürfnissen entsprechen.
Im März beginnen die Stare in der Regel zu brüten. Um das sonst verborgen in den meist hoch gelegenen Baumhöhlen ablaufende Geschehen zu verfolgen, haben wir einen Starenkasten mit einer Kamera ausgestattet, mit der wir einen exklusiven Einblick in eine Bruthöhle haben und den Brutverlauf live miterleben können. Die Installation und Arbeitsweise der Kamera stört oder beeinträchtigt die Vögel nicht. Am Tag wird der Kasten in der Regel ausreichend durch Tageslicht beleuchtet. Nachts schaltet sich das Infrarotlicht hinzu, welches die Tiere nicht stört.
In unserem Starenkasten wurde bereits in den Vorjahren erfolgreich gebrütet. Von diesen Bruten wurde etwas altes Nistmaterial am Kastenboden belassen. Im Bild erkennt man links oben das Einflugloch und darunter die zweistufige „Leiter“, die den Vögeln beim Hochklettern hilft. Günstiger wären raue ungehobelte Holzwände, aber für einen optimales Bild wurden die Innenwände mit Sperrholz ausgekleidet und die Stufen angebracht. Während des Tageslaufs kommt es in allen Bruthöhlen je nach Sonnenstand vorübergehend zu hellen Lichtprojektionen im Inneren, da das Eingangsloch wie eine Blende wirkt. Man kennt das Phänomen als Camera obscura aus dem Physikunterricht.
Wir begleiten die Live-Übertragung des hoffentlich erfolgreichen Brutgeschehens mit ergänzenden Informationen auf dieser Seite.
Besonderer Dank für technische Unterstützung bei der Einrichtung der Webcam geht an das Team Elias Dewes, Michael Walter und Leon With von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Standort Karlsruhe.
Text: Dr. Stefan Bosch
Stand: 1. April 2026
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