Luchs - Foto: Klemens Karkow
Der Luchs
Europas größte Katze im Porträt
Bestandsentwicklung und Situation in Baden-Württemberg
Bestandsentwicklung und Situation in Baden-Württemberg
Früher war der Luchs in fast ganz Europa verbreitet. Teils wegen seines kostbaren Pelzes, teils, weil er als vermeintlicher „Jagdschädling“ galt, wurde er stark verfolgt. In vielen Regionen verschwand er vollständig, so auch in Deutschland. Einzelne Tiere konnten nur in den Karpaten, in Russland und Skandinavien überleben.
Der Luchs galt in Baden-Württemberg gut 200 Jahren als ausgestorben. Inzwischen ist der Luchs auf leisen Pfoten in den Schwarzwald zurückgekehrt. Seit 1988 gibt es dort immer wieder Hinweise auf einzelne Tiere. Heute leben wieder mehrere Luchse dauerhaft in Baden-Württemberg. 38 Jahre später (2026) gelten mindestens neun Luchse als territorial: sechs männliche Tiere, sogenannte Kuder, die beiden Luchskatzen Verena und Elisabeth sowie ein weiteres Tier, dessen Geschlecht bislang nicht bekannt ist. Als territorial gelten Luchse, die über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten im selben Gebiet nachgewiesen werden konnten.
Sieben weitere Luchse wurden ebenfalls in Baden-Württemberg nachgewiesen. Sie gelten jedoch bisher nicht als territorial. Ob sie lediglich auf der Durchreise sind oder sich dauerhaft ansiedeln, wird sich zeigen. Insgesamt sind damit derzeit 16 Luchse in Baden-Württemberg bekannt (Stand: September 2026).
Für einen dauerhaft etablierten und sich selbst erhaltenden Luchsbestand in Baden-Württemberg sind vor allem weibliche Tiere entscheidend. Anders als Kuder wandern Luchskatzen in der Regel deutlich kürzere Strecken. Deshalb ist es wenig wahrscheinlich, dass ausreichend viele Weibchen aus benachbarten Luchsvorkommen, etwa aus der Pfalz, dem Harz oder der Schweiz, selbstständig nach Baden-Württemberg einwandern.
Um den Aufbau einer eigenständigen Luchspopulation zu unterstützen, wurde deshalb ein Wiederansiedlungsprojekt für Luchse in Baden-Württemberg gestartet. Der NABU Baden-Württemberg unterstützt dieses Vorhaben ausdrücklich.
Auswilderung von Luchsen
Im Dezember 2023 wurde mit Finja die erste Luchskatze im Rahmen des Projekts „Luchs Baden-Württemberg“ im Nordschwarzwald ausgewildert. Finja war in einem Wildgehege in Thüringen geboren und sorgfältig auf ein Leben in freier Wildbahn vorbereitet worden. Genetisch und verhaltensökologisch erfüllte sie alle Voraussetzungen für eine Auswilderung. Sie lebte sich gut im Schwarzwald ein, starb jedoch bereits im Juli 2024 an der Infektionskrankheit Staupe.
Im November 2024 folgte die junge Luchskatze Verena, einen Monat später wurde der Kuder Reinhold ausgewildert. Im Juli 2025 kam mit Martin ein weiterer Kuder hinzu, Ende September desselben Jahres folgte die Luchskatze Elisabeth. Im Juli 2026 wurde schließlich Luna und im September Nero in den Schwarzwald entlassen. Damit wurden seit Beginn des Projekts sieben Luchse ausgewildert.
2026 gelang dann der erhoffte Durchbruch: Bei Elisabeth wurde im Juni das erste in Baden-Württemberg geborene Luchsjunge seit rund 200 Jahren nachgewiesen. Wenig später konnte auch bei Verena ein Jungtier bestätigt werden. Bei beiden Jungtieren handelt es sich um ein Weibchen. Ein großer Erfolg für die Rückkehr des Luchses in den Schwarzwald und ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einem sich selbst erhaltenden Bestand.
Das Projekt „Luchs Baden-Württemberg“ wird im Auftrag des Ministeriums für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat Baden-Württemberg durchgeführt. Die Projektleitung liegt bei der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA). Weitere Auswilderungen sind im Rahmen des Projekts vorgesehen. Doch damit der Luchs langfristig in Baden-Württemberg heimisch bleiben kann, braucht es mehr als die Ansiedlung einzelner Tiere. Entscheidend ist die Vernetzung der Lebensräume. Der Schwarzwald kann dabei aufgrund seiner Lage eine wichtige Verbindung zwischen den Luchsvorkommen im Schweizer Jura, den Vogesen und dem Pfälzerwald bilden.
Straßen, Siedlungen und andere Barrieren zerschneiden jedoch vielerorts die Lebensräume und Wanderrouten der Tiere. Grünbrücken, Wildtierkorridore und weitere Maßnahmen zur Biotopvernetzung können dazu beitragen, solche Barrieren zu überwinden und den genetischen Austausch zwischen den verschiedenen Luchsvorkommen zu ermöglichen.
Das langfristige Ziel reicht deshalb über Baden-Württemberg hinaus: eine grenzüberschreitend vernetzte, genetisch vielfältige und sich selbst erhaltende Luchspopulation in Mitteleuropa.
Wie werden einzelnen Luchse unterschieden?
Einige Luchse konnten eingefangen, mit einem Sendehalsband ausgestattet und anschließend wieder freigelassen werden. Diese Tiere tragen Namen wie Wilhelm, Toni, Verena, Reinhold, Portus, Gero, Martin, Elisabeth, Luna oder Nero. Mithilfe der Sender lassen sich ihre Wanderungen und Streifgebiete besonders genau verfolgen.
Doch auch Luchse ohne Sender können häufig individuell erkannt werden: Die Fleckenzeichnung ihres Fells ist bei jedem Tier einzigartig und funktioniert ähnlich wie ein Fingerabdruck. Tiere, die auf diese Weise anhand von Fotos eindeutig identifiziert werden, erhalten eine Kennzeichnung mit dem Buchstaben „B“ und einer fortlaufenden Nummer, beispielsweise B3011 oder B315.
Zusätzlich können Luchse über genetische Spuren nachgewiesen werden, etwa durch Abstriche an Beutetieren. Luchse, die in Baden-Württemberg bislang nur genetisch und noch nicht eindeutig anhand von Fotofallenaufnahmen im adulten Fellkleid identifiziert wurden, erhalten die Bezeichnung „BW_LL“ mit einer fortlaufenden Nummer. Beispiele dafür sind die Jungtiere BW_LL027w und BW_LL026w sowie der Kuder BW_LL025m.
Aktuelle Luchse in Baden-Württemberg (Stand: September 2026)
| Kennzeichnung | Name | Geschlecht | Herkunft | Territorial |
|---|---|---|---|---|
| B3000 | Wilhelm | Männchen | Unbekannt | Ja (2015 Südschwarzwald) | B3001 | Toni | Männchen | Schweizer Jura | Ja (2020 Nordschwarzwald) | B3008 | Verena | Weibchen | Wildgehege (Thüringen) | Ja (2025 Nordschwarzwald) | B3009 | Reinhold | Männchen | Wildkatzendorf (Thüringen) | Ja (2025 Nordschwarzwald) | B3010 | Portus | Männchen | 2023 im Schweizer Jura geboren | Ja (2026 Nordschwarzwald) | B3011 | - | Männchen | Unbekannt | Ja (2025 Südschwarzwald) | B3013 | Gero | Männchen | Unbekannt | Ja (2026 Nordschwarzwald) | B3014 | Martin | Männchen | Tiergarten Nürnberg (Bayern) | Nein | B3015 | - | Unbekannt | Unbekannt | Territorial (Südschwarzwald) | B3017 | Elisabeth | Weibchen | Tierpark Chemnitz (Sachsen) | Territorial (Nordschwarzwald) | BW_LL025m | - | Männchen | unbekannt | Nein | B3018 | Luna | Weibchen | Zoo Bojnice (Slowakei) | Nein | BW_LL026w | - | Weibchen | Nordschwarzwald (Tochter von Verena) | Nein | BW_LL027w | - | Weibchen | Nordschwarzwald (Tochter von Elisabeth) | Nein | B1230 | - | Unbekannt | Schweizer Jura | Nein | Nero | Männchen | Karlsruher Zoo (Baden-Württemberg) | Nein |
Schutzstatus
- Jagdbare Tierart nach Bundesjagdgesetz BJG mit ganzjähriger Schonzeit
- Rote Liste Deutschland: Kategorie 1 (vom Aussterben bedroht)
- FFH-Richtlinie: Anhang II und IV (streng geschützt)
- Im Schutzmanagement des Schalenmodells gelistet - JWMG § 7 (geschützte Arten mit ganzjähriger Schonzeit, Managementkonzepte obligatorisch)
Der Luchspfad:
Der Luchspfad im Nationalpark Schwarzwald lädt mit interaktiven Stationen dazu ein, mehr über die heimische Raubkatze zu erfahren. Weitere Informationen zum Luchspfad finden Sie Der Luchspfad im Nationalpark Schwarzwald lädt mit interaktiven Stationen dazu ein, mehr über die heimische Raubkatze zu erfahren. Weitere Informationen zum Luchspfad finden Sie hier: https://www.nationalpark-schwarzwald.de/de/erleben/unterwegs-im-park/erlebnispfade/luchspfad
Der Luchs im Porträt
Die Biologie
Der Eurasische Luchs (Lynx lynx) ist die größte heimische Raubkatze und für den Menschen völlig ungefährlich. Im Gegensatz zum Wolf lebt er als Einzelgänger und trifft sich nur während der Ranzzeit - also zur Paarung - mit Tieren des anderen Geschlechts. Das Weibchen zieht die Jungtiere alleine groß, welche mit ca. 10 Monaten das mütterliche Revier verlassen und sich ihr eigenes Territorium suchen müssen.
Große Flächen für den Fernwanderer
Der Luchs ist ein reiner Waldbewohner. Zur Jagd braucht er einen Lebensraum, in dem er sich gut verstecken kann, um seiner Beute aufzulauern. Als Fernwanderer benötigt er große, zusammenhängende und naturbelassene Waldgebiete. Waldarme Gebiete und dicht besiedelte Gegenden werden von Jungtieren nicht durchquert und gemieden, wenn sie auf der Suche nach einem eigenen Territorium auf Wanderschaft sind. Zunehmender Flächenverbrauch und die Zerschneidung der Landschaft durch Autobahnen, Städte und intensiv genutzte landwirtschaftliche Flächen erschweren die Wanderungen, auf viel befahrenen Fernstraßen kann er leicht zum Verkehrsopfer werden. Aus diesen Gründen ist es wichtig, die vorhandenen Gebiete zu bewahren, auszudehnen und miteinander zu vernetzen.
Den Luchs erkennen
Einen Luchs zu erkennen, ist nicht sonderlich schwer, wenn man ihn tatsächlich vor Augen hat. Meist weisen jedoch nur Spuren auf seine Anwesenheit hin - und da wird es dann doch knifflig. Einen Luchs anhand einer Trittspur oder anhand eines gerissenen Tiers erkennen nur Fachleute richtig, wie etwa die Mitarbeitenden von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg. Die Mitarbeitenden dort beschäftigen sich seit Jahren mit der Katze und haben einen guten Überblick über „unsere“ Luchse in Baden-Württemberg
Das Aussehen
Das Fell des Luchses ist im Sommer graugelb bis rötlichbraun gefärbt mit dunklen Flecken. Im Winter geht die Färbung mehr ins Graue, das Fell ist dichter und die Fleckung weniger ausgeprägt. Auffällig sind die rund 4 cm langen Ohrpinsel, der Backenbart und der kurze Schwanz (20-25 cm lang, die Spitze ist schwarz). Männliche Tiere wiegen zwischen 15-30 kg, weibliche zwischen 15-20 kg. Die Schulterhöhe von männlichen Tieren beträgt 50-75 cm. Weibchen sind etwas kleiner. Der Luchs wirkt sehr hochbeinig und ist fast so groß wie ein Schäferhund.
Die Spuren
Im Gegensatz zum Hund zieht der Luchs wie alle Katzen seine Krallen beim Laufen ein. Nur in steilem Gelände sind manchmal feine, scharfe Krallenspuren sichtbar. Die Pfotenabdrücke sind rund 6-8 cm groß, die Hinterpfoten sind größer als die Vorderpfoten. Für einen sicheren Nachweis braucht man mehrere Abdrücke, die am besten über mehrere Meter verfolgt werden können.
Der Kot
Die Kotballen sind rund 2,5 cm dick und 3-12 cm lang und liegen meist unter auffälligen Laub- oder Grashäufchen oder werden verscharrt, wenn der Untergrund es zulässt. Inhalte können unter anderem Haare oder selten Knochensplitter sein. Luchskot kann aber leicht mit dem Kot des Fuchses verwechselt werden. Sicherheit schafft hier nur die Laboranalyse. Typisch ist jedoch der Geruch nach Raubkatze, wie z. B. im Raubkatzenhaus oder am Raubkatzengehege eines Zoos.
Der Ruf
Während der Ranzzeit im Februar und März ruft der männliche Luchs mit einem hohen kreischenden Geheul, das in einem Murren endet. Der Ruf ist jedoch leicht mit dem Bellen eines Rehs oder dem Ruf eines Fuchses zu verwechseln.
Die Jagd
Anders als der Wolf ist der Luchs ein Pirschjäger. Zwischen den einzelnen Rissen legt er weite Strecken zurück. Die Beute weist nur wenige Bisswunden auf, meist an der Kehle, seltener im Nacken. Nach der Mahlzeit wird der Kadaver mit Schnee, Laub oder Gras zugedeckt, um Aasfresser abzuhalten. Wird er nicht gestört, kehrt der Luchs mehrmals zum gerissenen Beutetier zurück. Am Ende bleiben so nur noch Läufe, Skelett, Kopf, Fell und Verdauungstrakt übrig.
Ernährung
Rehe und Gämsen machen den größten Teil der Beute aus. Aber auch Kleinsäuger, Niederwild oder Vögel stehen auf dem Speiseplan. Nutztiere werden sehr selten gerissen. Ein Luchs frisst pro Tag durchschnittlich 1-2 Kilogramm Fleisch. Eine ernst zu nehmende Konkurrenz für die Jägerschaft stellt der Luchs nicht dar. Rechnet man den Fleischbedarf auf ein Jahr um, wären es ca. 50 Rehe, die der Luchs in einem ca. 150-200 km² großen Revier reißt.
Lebensraum
Luchse benötigen große, zusammenhängende Waldgebiete, wo sie sich gut versteckt an ihre Beute heranschleichen können und ungestört ihr Jungen unter Felsvorsprüngen oder Wurzelballen zur Welt bringen können. Meist meidet der Luchs weiträumige, offene Gebiete, auch wenn er auf Wanderschaft ist. Er ist aber nicht an besondere Waldtypen gebunden. Das Revier eines Männchens (Kuder) ist ca. 150-200 km² groß, das eines Weibchens (Katze) kleiner. Die Reviergrenzen überlappen sich oft.
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