Königskerze - Foto: NABU/Aniela Arnold
Blühendes Margeriten-Meer statt Steppe
Naturgärten sind schön und brauchen weniger Wasser
Dass unsere Wasservorräte begrenzt sind, bemerkt man häufig erst in den heißen Sommermonaten. Wasser im Garten sollte nicht erst reduziert werden, wenn Sparappelle an die Bevölkerung gehen. Hier kann sich glücklich schätzen, wer einen Öko-Garten sein Eigen nennt, denn der Wasserbedarf einer Wiese mit angrenzenden heimischen Gehölzen ist deutlich geringer als der einer Rasenfläche, die von Rhododendron umgeben ist.
So verwandelt sich englischer Rasen ohne Wasserzufuhr schnell in eine unansehnlich braune Steppe. Dies liegt einerseits an dem akkuraten Schnitt auf wenige Zentimeter Wuchshöhe. Das Wenige an Vegetation, das nach dem Schnitt übrigbleibt, hält die Feuchtigkeit nur schlecht im Boden und wichtiges pflanzenverfügbares Wasser verdunstet. Zudem wurzeln die Gräser nur oberflächlich und sind daher besonders anfällig, wenn die oberen Bodenschichten austrocknen. Auf einer Blumenwiese wachsen hingegen standortgerechtere Pflanzen, die eher an Trockenheit gewöhnt sind. Die Wurzeln von Glockenblume und Co reichen tief. Sie versorgen die Kräuter auch in den heißesten Sommern noch mit Wasser aus den bis zu mehreren Metern tief liegenden Bodenschichten. Zudem hält sich in einer Blumenwiese das Wasser durch den höheren Aufwuchs von bis zu einem Meter länger im Boden. Durch die Verdunstungskühle der Pflanzen entsteht so ein günstigeres Mikroklima als im kurz rasierten Rasen. Die Folge: Eine Blumenwiese kommt bei länger anhaltender Hitze und Trockenheit teils komplett ohne, teils mit geringeren Wassergaben aus und bleibt dabei noch ansehnlich.
Viel Wasser sparen lässt sich auch mit der Auswahl der Gartenpflanzen. So empfiehlt der NABU standortgerechte heimische Gehölze und Stauden, die viel weniger Wasser als beispielsweise der feuchtigkeitsliebende Rhododendron benötigen. Einige heimische Pflanzen haben spezielle Mechanismen entwickelt, um Trockenheitsperioden gut zu überstehen. So sind die Blätter der Großblütigen Königskerze (Verbascum densiflorum) oder auch des Fingerhutes dicht und wollig behaart, was vor Verdunstung schützt. Dickblattgewächse können größere Mengen Wasser besonders lange speichern und sind so an längere Trockenperioden angepasst. Zu ihnen zählen Arten wie der Weiße Mauerpfeffer (Sedum album), Dach-Hauswurz (Sempervivum tectorum) und die Purpur-Fetthenne (Sedum telephium). Wer einen pflegeleichten Eyecatcher für den Garten sucht, muss einfach nur schauen, welche Arten in den Trockenlebensräumen Deutschlands gedeihen. So findet man die pinken Blüten der Kartäusernelke (Dianthus carthusianorum) ursprünglich über Trockenrasen schwebend, das Lila des Wiesen-Salbeis (Salvia pratensis) in den Magerwiesen und die Blüten des Weißdorns (Crataegus monogyna) färben im Frühjahr die unterschiedlichsten Feldhecken weiß. Unsere heimischen Trockenheitskünstler machen sich nicht nur in der freien Landschaft gut, sondern auch im Siedlungsraum, sei es auf Kommunaler oder Unternehmensfläche oder im Privatgarten.
Ein gut bedeckter Boden bringt zusätzliche Vorteile. Eine geschlossene Pflanzendecke schützt den Boden vor dem Austrocknen – so bleibt dieser geschmeidig und kann auch im Falle der zunehmend unzuverlässigen Niederschlagsereignisse Wasser aufnehmen. Fließt weniger Wasser oberirdisch ab, leistet man ebenso einen Beitrag zur Überflutungsvorsorge und Grundwasserneubildung! Wer sich die Niederschlagsereignisse zusätzlich zunutze machen will, der sollte sich Regentonnen in den Garten stellen. Wer möchte, kann seine Regenrinne anzapfen und so auch die Wassermassen sammeln, die aufs Dach plätschern (Achtung Tierfalle: sorgen Sie immer für eine Abdeckung oder eine Ausstiegshilfe, um durstigen Kleintieren auf der Suche nach Wasser vor dem Ertrinken zu bewahren). Zu guter Letzt rät der NABU zu einer wassersparenden Bewässerungstechnik. Mit der Gießkanne oder dem Wasserschlauch lassen sich die Pflanzen, die es nötig haben, gezielt im Wurzelbereich bewässern. Wer sprengt, verspritzt das Wasser wahllos. Zudem bleibt viel von dem kostbaren Nass an den Blättern hängen, wo es von der Pflanze ungenutzt verdunstet. Erziehen Sie ihre Pflanzen dabei zu Trockenkünstlern! Statt häufig und nur ein bisschen, sollten Sie seltener und dafür kräftiger gießen. Denn die Pflanzenwurzeln folgen dem Wasser. Benetzt man nur die oberen Zentimeter Boden bleibt die Pflanze mit ihren Wurzeln ebenfalls dort und bleibt auch in Zukunft anfällig gegenüber Trockenphasen. Gießt man selten und kräftig und lässt das Wasser bis in die tieferen Bodenschichten vordringen, folgt die Pflanze mit ihren Wurzeln in die Tiefe. Die unteren Bodenschichten halten das Wasser deutlich länger und die Pflanze ist auch in anhaltenden Trockenphasen länger mit dem lebensnotwendigen Nass versorgt.
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