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Mehr ...Heimische Pflanzen statt Neophyten
Eselsdistel statt Kanadische Goldrute im Naturgarten
Eine heimische Pflanze: Die Gewöhnliche Eselsdistel - Foto: Rolf Jantz/NABU-naturgucker.de
Wenn es summt und brummt, könnte man bei Schmetterlingsflieder und anderen nicht-heimischen Pflanzenarten denken, dass sie viel Nahrung für Insekten bieten. „Doch der Schein trügt“, sagt NABU-Naturschutzfachkraft Aniela Arnold. „Nicht-heimische Pflanzen, sogenannte Neophyten, bieten zwar teilweise Nahrung für wenige, nicht spezialisierte Insekten. Wichtig für die Artenvielfalt sind jedoch die heimischen wilden Vertreter. Denn sie bieten vielen verschiedenen, spezialisierten Insektenarten Pollen und Nektar.“ Arnold rät daher: „Lassen Sie exotische Pflanzen wie den Schmetterlingsflieder lieber im Pflanzenmarkt. Einmal ausgepflanzt, wandern sie vom Garten unkontrolliert in die umliegende Landschaft ab, wo sie heimische Nahrungspflanzen von Insekten im großen Stil verdrängen.“ So färbt das drüsige Springkraut bereits große Gebiete entlang von Waldrändern und Flussauen rosa und der asiatische Schmetterlingsflieder dominiert weitläufig die Bahndämme. Der NABU Baden-Württemberg erklärt, von welchen Pflanzen Gärtnerinnen und Gärtner lieber die Finger lassen sollten und welche heimischen Alternativen es gibt.
Heimische Wildpflanzen
Wer heimische Wildpflanzen willkommen heißt, tut vielen Insekten etwas Gutes: Tagfalterraupen wie Kleiner Fuchs oder Admiral tummeln sich an Brennnessel, Bläulinge und Gelblinge an Klee und Wicke. Solche Wildpflanzen wandern von ganz alleine ein.
- Gewöhnlicher Löwenzahn (Taraxacum sect. Ruderalia): Diese Pusteblume ist unverwüstlich, ausdauernd und vielseitig. Die mehrjährige Pflanze blüht kräftig gelb von März bis Juni und erlebt im Spätsommer oft eine Renaissance. „Löwenzahn-Pollen und -Nektar sind eine wichtige Nahrungsquelle insbesondere für früh fliegende Wildbienenarten zur Aufzucht der neuen Generationen, Blüten und Blätter sind essbar und vielseitig nutzbar. Die Samen schmecken dem Stieglitz“, erklärt Arnold.
- Gewöhnliche Eselsdistel (Onopordum acanthium): Im ersten Jahr erscheint die Blattrosette, im zweiten blüht sie rosarot im Hochsommer. „Wespen, Schmetterlinge und Schwebfliegen holen sich ihren Pollen. Weil sie trockene Standorte mag, wächst sie auf Verkehrsinseln, Trockenwiesen, Feldern und an Gartenrädern.“
- Wilde Möhre (Daucus carota): Wo sie ihre großen weißen Blütendolden in die Höhe reckt, haben die Raupen des Schwalbenschwanzes was zu futtern, die sich von den Blättern der Wilden Möhre ernähren. „Die Blüten werden von Wildbienen, Blattwespen, Wanzen, Käfern und Fliegen aller Art besucht“, sagt Arnold.
- Große Brennnessel (Urtica dioica): Wenig beliebt bei Gärtnerinnen und Gärtnern, aber umso mehr bei Insekten ist die nährstoffliebende Brennnessel. Weil sie mehr als dreißig heimischen Falterarten als Raupenfutterpflanze dient, sollte man ihr auf jeden Fall einen Platz am Rande des Gartens geben. „Eine wilde Ecke bietet sich an, wo Schnittgut gelagert wird. Ein Sud aus der Pflanze hilft gegen Blattläuse und Milben. Blätter und Samen sind sehr vitaminreich und essbar“, so die NABU-Naturschutzfachkraft.
- Ruprechtskraut (Geranium robertianum): Diese Pflanze hat es in sich: Sie blüht von Frühjahr bis Herbst an zahlreichen kleinen rosa Blüten und lockt auch kleine Wildbienen an. Die auch Stinkender Storchschnabel genannte Pflanze sorgt nach der Blüte kurze Zeit mit roten Blättern für Farbtupfer im Garten. Sie füllt gerne Lücken im Garten und ist so eine schöne Ergänzung.
So wird man invasive Neophyten wieder los
Neophyten sind Pflanzen, die erst nach 1492 nach Europa gelangt sind und vorher nicht dauerhaft wild vorkamen. Den Zusatz „invasiv“ erhalten dabei nur Arten, die sich stark ausbreiten und so die Biodiversität, lokale Ökosysteme und heimische Arten gefährden. Die Bewertung nimmt in Deutschland das Bundesamt für Naturschutz (BfN) vor.
Kanadische Goldrute (Solidago canadensis): Im 17. Jahrhundert als Zierpflanze importiert, tauchen die gelben Blüten heute von Ende Juli bis in den Oktober auf immer mehr Flächen auf. Die kräftig wachsenden, bis zu zwei Meter hohen gelb-goldenen Stauden werden zwar von verschiedenen Insekten besucht, ihre Verbreitungsstrategien haben es aber in sich: Sie vermehren sich unterirdisch über Wurzelausläufer und zusätzlich über tausende Samen pro Pflanze. So kann sich die Kanadische Goldrute in kurzer Zeit auf großen Flächen ausbreiten und die dortige Vegetation verdrängen. „Wer die Kanadische Goldrute im Garten entdeckt, schneidet am besten einen großen Strauß für den heimischen Küchentisch und gräbt den Rest aus – so kann man sich an der Blüte erfreuen und dämmt dennoch ihre Verbreitung ein“, empfiehlt Arnold.
Einjähriges Berufkraut (Erigeron annuus): Ebenfalls im 17. Jahrhundert aus Nordamerika eingeführt, ist diese anspruchslose und lichtbedürftige Pflanze heute an Weg- und Straßenrändern, in Gärten, an Äckern, in Pflaster- und Plattenfugen, an Mauern und auf Brachflächen etabliert. Der aufrechte Stängel schickt mit dem Wind zehntausende Früchte als Schirmchenflieger in die Umgebung und breitet sich so rasant aus. Die gute Nachricht: „Das nicht besonders hübsche Kraut lässt sich vor der Blüte mitsamt der filigranen Wurzel leicht herausziehen. Anschließend sollten die Pflanzen im Restmüll entsorgt werden.
Götterbaum (Ailanthus altissima): Der aus China stammende Baum wurde um 1750 nach Europa gebracht. Ursprünglich war er als Zierpflanze und für den Aufbau heimischer Seidenproduktion gedacht, nämlich als Futterpflanze des Götterbaumspinners. Seither verbreitet sich die genügsame und robuste Pflanze aus und wächst in Parks, Gärten und sogar in Pflasterfugen. „Wenn sich der Götterbaum einmal im Garten etabliert, ist es schwierig, seine unzähligen Nachkommen wieder loszuwerden. Deswegen empfehlen wir, die jungen Sämlinge mit der kompletten Wurzel konsequent zu entfernen.“
Nachtkerze (Oenothera biennis): Ursprünglich aus Nordamerika stammend, ist die Gemeine Nachtkerze ebenfalls als Zierpflanze nach Europa gekommen. Die zweijährige, gelbblühende Pflanze wird über einen Meter hoch und breitet sich an günstigen Standorten rasch über Samen aus. „Die Nachtkerze lässt sich gut eindämmen, wenn man im ersten Jahr die bodenständigen Rosetten entfernt, sodass sie gar nicht erst zur Blüte kommt. Wer sie dennoch gerne blühen sieht, kann die etwa einen Meter hohen Pflanzen direkt nach der Blüte herausziehen, bevor sie sich aussäen können“, rät Gartenexpertin Arnold.
Staudenknöteriche: Als Staudenknöterich werden gleich drei invasive Arten zusammengefasst: Der Japanische Staudenknöterich (Fallopia japonica), der Sachalin-Staudenknöterich (Fallopia sachalinensis) und eine Kreuzung der beiden Arten, der Böhmische Staudenknöterich (Fallopia x bohemica). Jede dieser Arten ist problematisch. Ihre Rhizome reichen mehrere Meter in die Tiefe und bilden unterirdische Ausläufer. So dominieren die Knöteriche schnell ganze Flächen. „Gärtnerinnen und Gärtner sollten versuchen, die Pflanze möglichst komplett herauszureißen. Vor allem bei jungen Pflanzen lässt sich das Rhizom noch gut ausgraben. Hat sich der Knöterich schon etabliert, hilft konsequentes und wiederholtes Mähen. So wird die Pflanze geschwächt und verschwindet langfristig“, so Arnold.
Vielblättrige Lupine (Lupinus polyphyllus): Die aus Nordamerika stammende „Stauden-Lupine“ ist ein Schmetterlingsblütler und wird bis zu 1,50 Meter hoch. Sie blüht meist ab dem zweiten Jahr von Ende Mai bis Anfang August bläulich. Sie vermehrt sich unterirdisch durch Ausläufer und breitet sich stark an Böschungen, Waldrändern und auf Lichtungen aus. „Wenn die Lupine sich noch nicht stark ausgebreitet hat, kann man sie mit einem Ampferstecher loswerden“, empfiehlt Arnold.
Schmetterlingsflieder (Buddleja davidii): Der sommergrüne Strauch stammt aus China und Tibet. Er ist als Nektarquelle im Hoch- und Spätsommer vor allem bei Tagfaltern beliebt. Im Gegensatz zu vielen heimischen Sträuchern bietet er jedoch keine Nahrung für Schmetterlingsraupen und spezialisierte Wildbienen. Zudem breitet er sich aber in vielen Gärten, Parks und auf Brachflächen stark aus. „Wer den Schmetterlingsflieder im Garten hat, sollte ihn direkt nach der Blüte vor dem Aussamen zurückschneiden. Alternativ lassen sich Blutweiderich, Echter Baldrian oder Gewöhnlicher Wasserdost anpflanzen, die etwa zeitgleich blühen und zusätzlich Schmetterlingsraupen als Futterpflanze dienen“, sagt die NABU-Naturschutzfachkraft.
Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus): Das schnellwachsende, immergrüne Gehölz stammt aus Kleinasien und ist in Gärten als pflegeleichtes Heckengewächs beliebt. Von April bis Mai sammeln Honigbienen und Hummeln Nektar und Pollen an den weißen Blüten. Der Kirschlorbeer ist problematisch, da er hierzulande die Natur erobert: Die Gartenpflanze breitet sich stark in Wäldern aus, wo sie mit heimischen Unterholzarten konkurriert. Ihr Pflanzensaft kann bei Kontakt zu Hautirritationen oder Vergiftungserscheinungen führen. Daher Handschuhe anziehen und Schösslinge samt Wurzel entfernen.
Hintergrund:
Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) listet kritische Pflanzen mit Ausbreitungstendenz auf. Tauchen sie irgendwo auf, ist schnelles Handeln nötig, um eine Ausbreitung zu verhindern. Etwa 430 gebietsfremde Pflanzen haben sich seit 1492 in Deutschland dauerhaft etabliert, 1.410 Neophyten kommen unbeständig vor. Ihre Ausbreitung kann erhebliche Schäden anrichten, da sie einheimische Arten verdrängen oder ökonomische und gesundheitliche Folgekosten verursachen. www.BfN.de/gefaesspflanzen
Resiliente Gärten mit heimischen Wildpflanzen
Nicht jede nicht-heimische Pflanze ist invasiv – und andersherum können sich auch heimische Pflanzen unerwünscht stark ausbreiten oder sogar dominant werden, ohne invasiv zu sein. Giersch, Ackerwinde und Kompass-Lattich sind nur einige davon. Wer Beete mit passenden Wildstauden und Gehölzen anlegt, muss langfristig weniger jäten. Mit der Zeit stellt sich ein natürliches Gleichgewicht ein, sodass konkurrenzstarke Arten weniger Chancen haben, sich auszubreiten. Heimische Wildpflanzen sind außerdem perfekt an die lokalen Bedingungen angepasst, sodass sie auch bei Trockenheit recht robust sind und wenig gärtnerische Pflege brauchen.
Stand: 7. August 2026
Zur Autorin
Aniela Arnold ist Gartenexpertin beim NABU Landesverband Baden-Württemberg. Nach Ihrem Studium der Landschaftsplanung ( B.Sc.) sowie der Landschaftsökologie (M.Sc.) leitete sie von 2020 bis 2025 das NABU-Projekt „Blühende Gärten – miteinander für mehr Vielfalt“. In diesem hatte der NABU Außenanlagen von Altenpflegeeinrichtungen naturnah umgestaltet. Aktuell ist Sie Projektleiterin von „Mensch.Natur – natürlich.zusammen.leben“ und befasst sich damit, wie Gärten und andere Außenanlagen im Siedlungsraum biodiversitätsfördernd gestaltet werden können. Privat gestaltet sie ihren eigenen Garten nach und nach naturnah um.
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