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Bunt, wild, artenreich

So sehen „Natur nah dran“-Flächen nach einigen Jahren aus

Grünflächen, die mit „Natur nah dran“ angelegt wurden, sollen langfristig Lebensraum für Insekten und andere Tiere bieten. Mit der richtigen Pflege gelingt das. Erfahren Sie hier, wie die Flächen einige Jahre nach dem Projekt aussehen.

Berichte zu Besuchen 2026


Bad Krozingen

Stadt legt weitere naturnahe Grünflächen nach Projektende an

Vertreterinnen und Vertreter der Stadt Bad Krozingen besuchten Mitte Mai gemeinsam mit Martin Klatt und Hannah Kreß vom NABU mehrere naturnah gestaltete Grünflächen im Stadtgebiet. Die Flächen wurden 2019 im Rahmen von „Natur nah dran“ angelegt und bieten heute wertvolle Lebensräume für zahlreiche Insektenarten.



  • Wiesensalbei, Klatschmohn und Nisthilfen bieten Wildbienen Lebensraum. - Foto: NABU/H. Kreß

    Wiesensalbei, Klatschmohn und Nisthilfen bieten Wildbienen Lebensraum. - Foto: NABU/H. Kreß

  • Die naturnahen Flächen haben sich zu artenreichen Wildblumenwiesen entwickelt. - Foto: NABU/H. Kreß

    Die naturnahen Flächen haben sich zu artenreichen Wildblumenwiesen entwickelt. - Foto: NABU/H. Kreß

  • Eine Erdhummel sammelt Pollen am Wiesensalbei. - Foto: NABU/H. Kreß

    Eine Erdhummel sammelt Pollen am Wiesensalbei. - Foto: NABU/H. Kreß

  • Knautie, Schafgarbe und Wiesen-Witwenblume erfreuten das NABU-Team mit ihrer Blüte. - Foto: NABU/H. Kreß

    Knautie, Schafgarbe und Wiesen-Witwenblume erfreuten das NABU-Team mit ihrer Blüte. - Foto: NABU/H. Kreß

  • Die Stadt Bad Krozingen legte nach Projektende weitere naturnahe Flächen an. - Foto: NABU/H. Kreß

    Die Stadt Bad Krozingen legte nach Projektende weitere naturnahe Flächen an. - Foto: NABU/H. Kreß

Für Projektleiter Martin Klatt war vor allem die Entwicklung seit dem Ende des Förderzeitraums beeindruckend: „Unsere Kommunen lernen im Rahmen von ‚Natur nah dran‘, wie sie Grünflächen naturnah und insektenfreundlich gestalten können. Bad Krozingen hat diese Impulse weit über das eigentliche Projekt hinaus aufgegriffen und dauerhaft in die Grünflächenpflege integriert. Besonders beeindruckend ist, wie viele zusätzliche Flächen die Stadt in den vergangenen Jahren naturnah umgestaltet hat. Dadurch ist ein ganzes Netzwerk wertvoller Lebensräume entstanden.“

Bei dem Rundgang zeigte sich, dass sich sowohl die ursprünglichen Projektflächen als auch die später angelegten Standorte hervorragend entwickelt haben. Arten wie Färberkamille, Wiesen-Storchschnabel und Wiesen-Salbei prägen heute vielerorts das Bild und bieten zahlreichen Wildbienen, Schmetterlingen und anderen Insekten Nahrung. Trotz wechselhafter Witterung wurde deutlich, dass hier wertvolle Lebensräume entstanden sind.

„Die Flächen zeigen, was mit fachgerechter Anlage und der richtigen Pflege möglich ist“, betont Klatt. „Viele Standorte wirken heute ausgesprochen artenreich und bieten Insekten über einen langen Zeitraum Nahrung und Rückzugsräume. Besonders erfreulich ist, dass sich nicht nur die ursprünglichen Projektflächen hervorragend entwickelt haben, sondern auch die zahlreichen später angelegten Flächen.“


Emmendingen

NABU und Stadt ziehen positive Zwischenbilanz

Der Leiter des zentralen Betriebshofs Thomas Nietel und Milan Pilipovic als Leitung von Team Grün der Stadt Emmendingen besuchten Mitte Mai gemeinsam mit Martin Klatt und Hannah Kreß vom NABU Baden-Württemberg mehrere naturnah gestaltete Grünflächen im Stadtgebiet. Die Flächen wurden 2020 im Rahmen des Projekts „Natur nah dran“ angelegt und leisten heute einen wichtigen Beitrag zur Förderung der biologischen Vielfalt.



  • Der Klatschmohn konnte sich auf den Projektflächen halten und lockt Wildbienen an. - Foto: NABU/H. Kreß

    Der Klatschmohn konnte sich auf den Projektflächen halten und lockt Wildbienen an. - Foto: NABU/H. Kreß

  • Gute Stimmung beim Besuch der Wildpflanzenflächen in Emmendingen. - Foto: NABU/H. Kreß

    Gute Stimmung beim Besuch der Wildpflanzenflächen in Emmendingen. - Foto: NABU/H. Kreß

  • In Emmendingen blühen auch entlang von Straßen Wildpflanzen. - Foto: NABU/H. Kreß

    In Emmendingen blühen auch entlang von Straßen Wildpflanzen. - Foto: NABU/H. Kreß

  • Eine Steinhummel im Anflug auf die Blüte eines Wiesensalbeis. - Foto: NABU/H. Kreß

    Eine Steinhummel im Anflug auf die Blüte eines Wiesensalbeis. - Foto: NABU/H. Kreß

  • Beim Besuch im Mai blühte der Klatschmohn besonders intensiv. - Foto: NABU/H. Kreß

    Beim Besuch im Mai blühte der Klatschmohn besonders intensiv. - Foto: NABU/H. Kreß

Während des Rundgangs tauschten sich NABU und Stadtverwaltung über die Entwicklung der Flächen sowie mögliche weitere Maßnahmen aus. Dabei wurde deutlich, dass die Stadt die im Rahmen des Projekts angelegten Flächen nicht nur dauerhaft pflegt, sondern auch weiterhin nach Möglichkeiten sucht, die biologische Vielfalt im Stadtgebiet zu fördern.

„In Emmendingen sieht man, dass die Stadt das Thema Biodiversität ernst nimmt“, erklärt Projektleiter Martin Klatt. „Nicht jede Fläche entwickelt sich gleich schnell oder auf dieselbe Weise. Entscheidend ist aber, dass die Stadt langfristig dranbleibt und immer wieder neue Möglichkeiten sucht, Lebensräume für Insekten und andere Tiere zu verbessern.“

Auf den besuchten Flächen wachsen heute zahlreiche heimische Wildpflanzenarten wie Natternkopf, Margeriten oder Wundklee, die Nahrung für Wildbienen, Schmetterlinge und weitere Insekten bieten. Gleichzeitig bieten die Flächen Potenzial, die Artenvielfalt durch einfache Maßnahmen künftig noch weiter zu erhöhen.


Horb

NABU-Team begutachtet naturnahe Flächen in der Neckarstadt

Simon Schneider und Nina Völlnagel von der Stadt Horb am Neckar besuchten Ende Mai gemeinsam mit Martin Klatt, Markus Pagel und Hannes Schweikardt vom NABU Baden-Württemberg die insektenfreundlichen Grünflächen in Horb. Die Neckarstadt hat 2020 fünf Standorte naturnah umgestaltet.



  • Horb legte unter anderem naturnahe Flächen an der ehemaligen Kaserne an. - Foto: NABU/H. Schweikardt

    Horb legte unter anderem naturnahe Flächen an der ehemaligen Kaserne an. - Foto: NABU/H. Schweikardt

  • Beim Besuch blühten unter anderem Knautien, Kartäusernelke und Natternkopf. - Foto: NABU/H. Schweikardt

    Beim Besuch blühten unter anderem Knautien, Kartäusernelke und Natternkopf. - Foto: NABU/H. Schweikardt

  • Beim NABU-Besuch waren viele Wildbienen zu sehen. - Foto: NABU/H. Schweikardt

    Beim NABU-Besuch waren viele Wildbienen zu sehen. - Foto: NABU/H. Schweikardt

  • Auch Heuschrecken waren bei genauem Hinschauen zu entdecken. - Foto: NABU/H. Schweikardt

    Auch Heuschrecken waren bei genauem Hinschauen zu entdecken. - Foto: NABU/H. Schweikardt

  • Papierbirken geben dieser Fläche eine besondere Atmosphäre. - Foto: NABU/H. Schweikardt

    Papierbirken geben dieser Fläche eine besondere Atmosphäre. - Foto: NABU/H. Schweikardt

Projektleiter Martin Klatt war besonders begeistert von den Flächen am neuen Feuerwehrzentrum bei der ehemaligen Kaserne: „Hier erwartete uns ein buntes Blütenmeer aus Knautien, Natternkopf und weiteren Arten. Aus einer Brachfläche mit verunkrautetem Boden ist durch die naturnahe Umgestaltung ein kleines Biotop geworden, Wildbienen finden an den blühenden Wildpflanzen nun Pollen und Nektar.“

Markus Pagel kennt die Projektflächen gut: er wohnt in Horb und sein Büro als Leiter der NABU-Bezirksgeschäftsstelle Gäu-Nordschwarzwald liegt in der ehemaligen Kaserne. Er erinnert sich deshalb auch gut daran, wie die Flächen vor dem Projekt aussahen und zieht positive Bilanz: „Die Fläche am alten Freibad zum Beispiel war vor vielen Jahren noch ein eintöniger Rasen, für Insekten und Vögel gab es hier nichts zu holen. Dann wurde sie 2011 zur Gartenschau aufwändig umgestaltet – Papierbirken brachten Schatten und die Fläche wurde optisch deutlich aufgewertet. Tiere fanden hier aber weiterhin kaum Lebensraum, außerdem war der Pflegeaufwand zu hoch und die Fläche fiel brach. Nun wachsen hier Blut-Storchschnabel, Muskateller-Salbei und Wiesen-Witwenblume, die Fläche ist nicht nur für Menschen schön anzusehen, sondern auch für Wildbienen attraktiv.“


Rottweil

Ein Hauch von Naturschutzgebiet mitten im Ort

Andreas Gruber und Achim Ketterer von der Stadt Rottweil besuchten Ende Mai gemeinsam mit Martin Klatt und Hannes Schweikardt vom NABU Baden-Württemberg die insektenfreundlichen Grünflächen in Rottweil. Die Stadt hat 2019 sechs Standorte insektenfreundlich umgestaltet.



  • Eine Projektfläche am EDEKA erinnert an eine artenreiche Dünenlandschaft. - Foto: NABU/H. Schweikardt

    Eine Projektfläche am EDEKA erinnert an eine artenreiche Dünenlandschaft. - Foto: NABU/H. Schweikardt

  • Martin Klatt vom NABU sucht und findet Wildbienen auf den naturnahen Flächen in Rottweil. - Foto: NABU/H. Schweikardt

    Martin Klatt vom NABU sucht und findet Wildbienen auf den naturnahen Flächen in Rottweil. - Foto: NABU/H. Schweikardt

  • Der Natternkopf lockt auch in Rottweil zahlreiche Wildbienen. - Foto: NABU/H. Schweikardt

    Der Natternkopf lockt auch in Rottweil zahlreiche Wildbienen. - Foto: NABU/H. Schweikardt

  • Wiesensalbei und Gemeiner Lein erfreuen mit ihrer Blüte. - Foto: NABU/H. Schweikardt

    Wiesensalbei und Gemeiner Lein erfreuen mit ihrer Blüte. - Foto: NABU/H. Schweikardt

  • Auch Straßenbegleitgrün kann naturnah sein. - Foto: NABU/H. Schweikardt

    Auch Straßenbegleitgrün kann naturnah sein. - Foto: NABU/H. Schweikardt

Projektleiter Martin Klatt war besonders begeistert von den Flächen am Lebensmittelgeschäft EDEKA-Culinara: „Hier fühlt man sich wie in einer Dünenlandschaft am Meer oder einer Heidelandschaft – und das mitten in Rottweil! Die Stadt hat eine eintönige Rasenfläche in eine artenreiche Magerwiese verwandelt. Hier wachsen nun Aufrechter Ziest oder die Futter-Esparsette Onobrychis viciifolia  – und diese Wildpflanzenarten locken auch Wildbienen an. Wir beobachteten zum Beispiel Wollbienen, die an Ziest-Arten Pflanzenhaare sammeln, mit denen sie ihre Brutzellen auspolstern.“

Auch die naturnahen Flächen entlang der Nägelesgrabenstraße konnten überzeugen. Das Team vom städtischen Bauhof hat diese nach derselben Methode umgestaltet wie die EDEKA-Flächen: der Boden wurde ausgekoffert und mit magerem Substrat neu aufgefüllt, dann säten die Mitarbeitenden unzählige Wildpflanzenarten aus, setzten außerdem einige Wildstauden und Wildblumenzwiebeln. Inzwischen ist daraus eine artenreiche Wildblumenwiese geworden. Ausgesprochen beliebt bei Insekten war hier der Natternkopf, was Klatt wenig überraschte: „Der Natternkopf erwies sich in einer Studie als eine der insektenfreundlichsten Pflanzen, und das konnten wir auch an der Nägelesgrabenstraße beobachten. Hier finden auch hoch spezialisierte Arten wie die Natternkopf-Mauerbiene Pollen – das wichtigste Ziel von ‚Natur nah dran‘ ist also erreicht!“


Vaihingen an der Enz

Wildblumenwiesen trotzen der Hitze und locken Wildbienen

Jochen Boger und Bernd Boosz von der Stadt Vaihingen an der Enz besuchten gemeinsam mit Helena Sommer und Hannes Schweikardt vom NABU Baden-Württemberg die insektenfreundlichen Grünflächen in Vaihingen. Die Stadt hat 2018 vier Standorte insektenfreundlich umgestaltet.



  • Steppen-Salbei und viele weitere Wildpflanzenarten trotzen in Vaihingen an der Enz der Sommerhitze. - Foto: NABU/H. Schweikardt

    Steppen-Salbei und viele weitere Wildpflanzenarten trotzen in Vaihingen an der Enz der Sommerhitze. - Foto: NABU/H. Schweikardt

  • Zahlreiche Hummeln sammeln Pollen an den Blüten der Wildpflanzen. - Foto: NABU/H. Schweikardt

    Zahlreiche Hummeln sammeln Pollen an den Blüten der Wildpflanzen. - Foto: NABU/H. Schweikardt

  • In Vaihingen gibt es mehrere naturnahe Flächen an einer Sporthalle und einer Schule. - Foto: NABU/H. Schweikardt

    In Vaihingen gibt es mehrere naturnahe Flächen an einer Sporthalle und einer Schule. - Foto: NABU/H. Schweikardt

  • Jochen Boger und Bernd Boosz sind überzeugt von den naturnahen Flächen. - Foto: NABU/H. Schweikardt

    Jochen Boger und Bernd Boosz sind überzeugt von den naturnahen Flächen. - Foto: NABU/H. Schweikardt

  • Auch einen Kreisverkehr gestaltete Vaihingen naturnah um. - Foto: NABU/H. Schweikardt

    Auch einen Kreisverkehr gestaltete Vaihingen naturnah um. - Foto: NABU/H. Schweikardt

Helena Sommer vom NABU Baden-Württemberg war begeistert, wie sich die naturnahen Flächen in Vaihingen an der Enz entwickelt haben: „Die Stadt hat vor knapp acht Jahren einige Grünflächen insektenfreundlich umgestaltet, heute sind es artenreiche Biotope mitten im Ort. Hier fliegen unzählige Wildbienenarten und auch Schmetterlinge wie der Schachbrettfalter – ganz offensichtlich finden die Tiere Nahrung und Kinderstuben an den vielen verschiedenen Wildpflanzen. Besonders bemerkenswert ist, dass die Stadt Vaihingen auch nach Projektende weitere Flächen nach den ‚Natur nah dran‘-Methoden angelegt hat und pflegt. Das ist nicht nur ein Gewinn für die Artenvielfalt, sondern entlastet auch den Bauhof und die Stadtkasse. Denn die Flächen brauchen nur wenig Pflege und trotzen Hitzesommern ganz ohne Gießen.“

Besonders beeindruckt waren Sommer und Schweikardt von den Projektflächen an der Sporthalle und dem Friedrich-Abel-Gymnasium. Zum Zeitpunkt der Besichtigung hatte es 37 Grad, auch die Wochen davor war es in Vaihingen außergewöhnlich heiß und trocken. Doch den Wildblumenflächen war davon wenig anzumerken, sie begrüßten die Gäste vom NABU mit einem bunten Blütenmeer. Bernd Boosz vom städtischen Bauhof hat die Flächen von Anfang an beobachtet und berichtete, wie sie sich entwickelt haben: „Das Spannende an den Wildblumenbeeten ist, dass sie jedes Jahr anders aussehen. 2026 blühen hier vor der Sporthalle vor allem Salbei-Arten wie der Steppen- und Wiesen-Salbei besonders intensiv.“ Und an deren Blüte sammelten beim Besuch Erd-, Acker- und Steinhummeln munter Pollen und Nektar.


Eberdingen

Stieglitze, Hummeln und Schmetterlinge am Keltenmuseum

Fünf Flächen hat die Gemeinde Eberdingen 2019 im Rahmen von „Natur nah dran“ umgestaltet. Diese bieten heute wertvolle Lebensräume für zahlreiche Tierarten. Davon überzeugten sich im Juli 2026 Michaela Cafaro und Sven Klopfer von der Gemeinde Eberdingen zusammen mit Helena Sommer und Anette Marquardt vom NABU Baden-Württemberg bei einem gemeinsamen Besuch der Flächen. 



  • Schmetterling auf Natur nah dran Fläche in Eberdingen

    Schmetterling auf Natur nah dran Fläche in Eberdingen. Foto: NABU/A. Marquardt

  • Natur nah dran Fläche in Eberdingen

    In Eberdingen begrüßen Wildblumen die Besucherinnen und Besucher des Keltenmuseums. Foto: NABU/A. Marquardt

  • Stieglitz auf Natur nah dran Fläche in Eberdingen

    Die verblühten Samenstände auf den Natur nah dran Flächen sind für den Stieglitz ein gefundenes Fressen. Foto: NABU/A. Marquardt

  •  Natur nah dran Fläche in Eberdingen

    Gemeinsam wurde auch die weitere Pflege der Flächen besprochen. Foto: NABU/A. Marquardt

  • Blauschwarze Holzbienen auf Natur nah dran Fläche in Eberdingen

    Auch wenn auf dieser Fläche die Platterbse überhandzunehmen droht: die Blauschwarze Holzbiene findet hier reichlich Nahrung. Foto: NABU/A. Marquardt

  • Natur nah dran Fläche in Eberdingen

    Hier konnten die Wildpflanzen weitere Bereiche erobern und sich selbstständig weiter ausbreiten. Foto: NABU/A. Marquardt

Helena Sommer vom NABU-Projektteam war besonders erfreut, dass die Flächen trotz anhaltender Trockenheit noch eine Vielzahl an Blüten boten. Besonders angetan war sie von den Flächen am Keltenmuseum: „Hier erwartete uns eine trotz Sommerhitze noch bunte Fläche – und das ganz ohne dass hier gegossen wird. Aus artenarmen Rasenflächen ist durch die naturnahe Umgestaltung ein kleines Biotop geworden: wir konnten nicht nur zahlreiche Hummeln und weitere Wildbienen sowie Schmetterlinge an den blühenden Wildpflanzen beobachten, sondern auch Stieglitze, die sich an den Samenständen der verblühten Pflanzen bedienten.“
Die Gemeinde hat nach Projektende bereits einzelne Flächen nach den im Projekt vermittelten Prinzipien umgestaltet, weitere sollen folgen.


Ostrach

Wildblumenwiesen an Schulen und Waldkindergarten

Bürgermeisterin Lena Burth und Grünanlagen-Leiter Philip Mayer von der Gemeinde Ostrach besuchten Mitte Juli gemeinsam mit Helena Sommer und Hannes Schweikardt vom NABU Baden-Württemberg die insektenfreundlichen Grünflächen. Ostrach hat 2020 mehrere Standorte insektenfreundlich umgestaltet.



  • Ein Kleines Widderchen besucht eine Wiesen-Flockenblume auf einer Projektfläche. - Foto: NABU/H. Schweikardt

    Ein Kleines Widderchen besucht eine Wiesen-Flockenblume auf einer Projektfläche. - Foto: NABU/H. Schweikardt

  • In Ostrach entstanden artenreiche Wildblumenwiesen rund um ein Schulzentrum. - Foto: NABU/H. Schweikardt

    In Ostrach entstanden artenreiche Wildblumenwiesen rund um ein Schulzentrum. - Foto: NABU/H. Schweikardt

  • Steinhaufen und Totholzstämme bieten Lebensräume für Insekten und Eidechsen. - Foto: NABU/H. Schweikardt

    Steinhaufen und Totholzstämme bieten Lebensräume für Insekten und Eidechsen. - Foto: NABU/H. Schweikardt

  • Auch am Waldkindergarten legte die Gemeinde Ostrach eine naturnahe Fläche an. - Foto: NABU/H. Schweikardt

    Auch am Waldkindergarten legte die Gemeinde Ostrach eine naturnahe Fläche an. - Foto: NABU/H. Schweikardt

  • Auf der Wilden Möhre tummeln sich viele Streifenwanzen, auch wenn sie verblüht ist. - Foto: NABU/H. Schweikardt

    Auf der Wilden Möhre tummeln sich viele Streifenwanzen, auch wenn sie verblüht ist. - Foto: NABU/H. Schweikardt

Die Gemeinde Ostrach legte den Schwerpunkt auf das Reinhold-Frank-Schulzentrum, rundherum wachsen inzwischen Wildpflanzen. Helena Sommer vom NABU-Projektteam zeigte sich beeindruckt: „Naturnahe Flächen prägen den Charakter des Schulzentrums und sind im Alltag von Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften präsent. Die Gemeinde hat hier Mut bewiesen, denn die Flächen wurden so angelegt, dass sie erst nach einigen Jahren in voller Blüte stehen. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, wo an jeder Ecke Wildpflanzen wachsen.“ Die Kommune gestaltete auch nach Projektabschluss weitere Flächen nach dem Vorbild von „Natur nah dran“ um – am Schulzentrum, aber auch an weiteren Standorten.

Am Waldkindergarten legte die Gemeinde im Rahmen des Projekts eine naturnahe Fläche an und pflanzte einige heimische Gehölze. Mayer berichtete, dass die eingesäten Wildpflanzen auf der ursprünglichen Hangfläche sich nicht gut entwickelt haben. Deshalb bepflanzte der Bauhof den Bereich unterhalb des Hangs erneut, hier konnten die Wildpflanzen gut wachsen. Beim Besuch war klar zu sehen, dass die Flächen für Insekten auch noch wichtige Lebensräume sind, wenn die Pflanzen schon verblüht sind: auf der vertrockneten Blüte der Wilden Möhre tummelten sich zahlreiche Streifenwanzen.


Berichte zu Besuchen 2025


Neuenburg am Rhein

Insekten-Oasen in ehemaliger Landesgartenschau-Stadt

Martin Klatt und Katja Wörner vom NABU Baden-Württemberg besuchten gemeinsam mit Liesel Nockemann und Dirk Kalchschmidt von der Stadt Neuenburg die insektenfreundlichen Grünflächen vor Ort. Die Stadt hat 2020 gemeinsam mit dem NABU vier Standorte insektenfreundlich umgestaltet und war 2022 Ausrichterin der Landesgartenschau. Nach Ende des Projekts kam ein weiteres Wildpflanzen-Staudenbeet vor der Kirche hinzu.



  • Distelfalter auf einer „Natur nah dran“-Fläche in Neuenburg am Rhein - Foto: NABU/K. Wörner

    Distelfalter auf einer „Natur nah dran“-Fläche in Neuenburg am Rhein - Foto: NABU/K. Wörner

  • NABU-Projektleiter Martin Klatt (vorne) mit Dirk Kalchschmidt und Liesel Nockemann von der Stadt Neuenburg - Foto: NABU/K. Wörner

    NABU-Projektleiter Martin Klatt (vorne) mit Dirk Kalchschmidt und Liesel Nockemann von der Stadt Neuenburg - Foto: NABU/K. Wörner

  • Ein Schmetterling, die Goldene Acht, auf einer gelben Skabiose - Foto: NABU/K. Wörner

    Ein Schmetterling, die Goldene Acht, auf einer gelben Skabiose - Foto: NABU/K. Wörner

  • Naturnah umgestaltete Fläche am Bahnhof in Neuenburg - Foto: NABU/K. Wörner

    Naturnah umgestaltete Fläche am Bahnhof in Neuenburg - Foto: NABU/K. Wörner

Diese Fläche wurde in Neuenburg nach den Methoden von „Natur nah dran“ nach Ende des Projekts angelegt - Foto: NABU/K: Wörner

Diese Fläche wurde in Neuenburg nach den Methoden von „Natur nah dran“ nach Ende des Projekts angelegt - Foto: NABU/K: Wörner

„In Neuenburg kommt man an der Vielfalt nicht vorbei: Direkt am Bahnhof wartet auf der ‚Natur nah dran‘-Fläche ein Empfangskomitee aus Hummeln, Faltern und Käfern“, freut sich Biologe und Projektleiter Martin Klatt. Dort hat sich ein ehemaliger Rasenstreifen dank magerem Substrat und Wildpflanzen in einen artenreichen Saum verwandelt. „Hier fliegt nicht nur die Erdhummel, sondern auch die dazugehörige Kuckuckshummel. Diese legt ihre Brut in die Nester der Erdhummel und lässt diese die Sorgearbeit erledigen. Wie der Kuckuck“, erklärt Klatt an der Bahnhofsfläche. Er sieht das Vorkommen dieser Arten als wichtigen Hinweis für die Lebensraumqualitäten der Flächen.

Die Standorte in Neuenburg haben sich in fünf Jahren gut entwickelt – manche unter erschwerten Bedingungen. „Auf dem Kreisverkehr Richtung am Ortsrand nach Zienken herrschen wirkliche Extrembedingungen. Aber selbst hier blühen Thymian, Natternkopf und Johanniskraut, Bläulinge und Hummeln finden dort Nektar und Pollen“, so Klatt. „Wir sind sehr zufrieden mit unseren ‚Natur nah dran‘-Standorten“, berichtet Liesel Nockemann aus der Stadtverwaltung. „Deswegen haben wir mit den Methoden des Projekts weitergemacht und eine weitere Fläche angelegt.“ Sichtlich begeistert waren die NABU-Mitarbeitenden von diesem neu angelegten Staudenbeet beim Pfarrhaus in der Innenstadt. Die Stauden sehen toll aus und sind eine Attraktion für unzählige Insekten, wie die Bunte Hummel und winzige Wildbienen.


Wilde Schönheiten in naturnahem Grün

Artenportraits

Welche Wildpflanzen sind auf den „Natur nah dran"-Flächen zu finden und welche Besonderheiten haben sie? Hier stellen wir Ihnen einige der häufig im Projekt angepflanzten Arten vor. Mehr →

Riegel

Kommune und Ehrenamtliche schaffen gemeinsam Lebensräume

Klimaschutzmanagerin Irina Wellige, Bauamtsmitarbeiterin Heike Behr und Stefan Seifert vom Betriebshof besuchten mit Martin Klatt und Katja Wörner vom „Natur nah dran“-Projektteam die naturnah angelegten Grünflächen in Riegel. Auch zwei Ehrenamtliche der Initiative Wilde Wiese waren mit dabei. Riegel hat 2022 vier Standorte insektenfreundlich umgestaltet.



  • Die spezialisierte Weißfleckige Wollbiene, Anthidium punctatum, an einer Flockenblume - Foto: NABU/K. Wörner

    Die spezialisierte Weißfleckige Wollbiene, Anthidium punctatum, an einer Flockenblume - Foto: NABU/K. Wörner

  • Blumenwiese mit blühendem Labkraut und Flockenblumen in Riegel - Foto: NABU/K. Wörner

    Blumenwiese mit blühendem Labkraut und Flockenblumen in Riegel - Foto: NABU/K. Wörner

  • NABU-Projektleiter Martin Klatt (hinten) und Klimaschutzmanagerin Irina Wellige schauen sich die umgestaltete Fläche an - Foto: NABU/K. Wörner

    NABU-Projektleiter Martin Klatt (hinten) und Klimaschutzmanagerin Irina Wellige schauen sich die umgestaltete Fläche an - Foto: NABU/K. Wörner

Das NABU-Team ist zufrieden damit, wie sich die Flächen entwickelt haben und gibt Tipps für die weitere Pflege. „Hier summt und brummt es“, freut sich Martin Klatt an der ersten Fläche am Gemeindegarten. Dort hat sich ein ehemaliger Rasenstreifen dank magerem Substrat, Wildpflanzen und viel ehrenamtlichem Engagement in einen artenreichen Saum verwandelt. „Glockenblumen, Kamillen und Skabiosen-Flockenblumen bieten ein reiches Buffet für Wildbienen. Besonders interessant: Die Weißfleckige Wollbiene schwirrt hier von Blüte zu Blüte. Diese Spezialistin unter den Bienen sammelt besonders gern den Pollen von Lippenblütlern, wie Salbei oder Ziest.“ Für Klatt ist das Vorkommen dieser Wollbiene ein Indiz für den hohen ökologischen Wert der Fläche.


Sandbienen nisten auf einer Fläche in Riegel - Foto: NABU/K. Wörner

Sandbienen nisten auf einer Fläche in Riegel - Foto: NABU/K. Wörner

Ein Standort hat sich nicht wie geplant zu einer Wiese entwickelt. Wegen der regelmäßigen Nutzung konnte sich dort keine Wiesenpflanzengesellschaft etablieren. Von den offenen Bodenstellen profitieren Bienen aber dennoch. Bodennistende Arten wie Sandbienen graben dort zuhauf kleine Löcher für ihre Nester. Der Thymian am Rand der Fläche zur Straße hin dient ihnen dabei als Futterpflanze. Andere Flächen hingegen entwickeln sich gut, aber benötigen noch Zeit: Dort wurde der ein Streifen mit Wildpflanzen angereichert, die sich über die gesamte Fläche ausbreiten werden.

„Auch für neue Grünflächen möchten wir auf das Wissen und die Methoden zurückgreifen, die wir bei ‚Natur nah dran‘ mitgenommen haben“, berichtet Klimaschutzmanagerin Wellige.


Karlsbad

Viel zu entdecken auf Insekten-Safari

Sarah Esaias, Sachgebietsleiterin im Amt für Bau, Planung und Umwelt, und Gärtnermeister Dominik Guthier zeigten dem „Natur nah dran“-Team einige der insektenfreundlichen Grünflächen in Karlsbad. Die Gemeinde hat 2020 vier Standorte insektenfreundlich umgestaltet.


Sarah Esaias, Dominick Guthier und Martin Klatt (v.l.n.r.) an der Wildpflanzenfläche in Auerbach - Foto: NABU/K. Wörner

Sarah Esaias, Dominik Guthier und Martin Klatt (v.l.n.r.) an der Wildpflanzenfläche in Karlsbad-Auerbach - Foto: NABU/K. Wörner

Die Flächen haben sich gut entwickelt. Insbesondere die Flächen am Friedhof überzeugen mit blühendem Labkraut, Steppensalbei, Schafsgarbe und der Rispigen Flockenblume. „Genauso wünschen wir uns das“, freut sich Biologe und Projektleiter Martin Klatt. „Auf den ersten Blick mag die Fläche vergrast aussehen, aber bei genauem Hinsehen entdeckt man viele Wildblumen darin. Dementsprechend sind auch viele Insekten unterwegs“, so Klatt weiter. Am Friedhof könne man gut die verschiedenen Methoden nachvollziehen, die die Gemeinde im Rahmen des Projekts „Natur nah dran“ angewendet hat. Während im vorderen Bereich der Boden durch ein Schotter-Kompost-Gemisch ausgetauscht wurde, wurden im hinteren Teil lediglich einzelne Streifen gefräst und eingesät. Bei letzterem dauert es länger, bis die eingesäten Arten sich über die ganze Fläche ausbreiten, die erste Methode zeigt schneller Erfolge. Beide Flächen entsprechen ganz den Vorstellungen des Projektleiters: „Zottelbienen, Hauhechelbläuling, viele Furchenbienen und unzählige Hummeln – hier könnte man eine Insekten-Safari anbieten.“

Das NABU-Team und die Mitarbeitenden der Gemeinde thematisierten auch, wie es mit den „Natur nah dran“-Flächen in Hinblick auf das Friedhofs-Gesamtkonzept weiter gehen wird. Leider können die Flächen aufgrund der notwendigen Friedhofs-Neugestaltung nicht langfristig erhalten werden. Stattdessen wird eine Ersatzfläche angelegt und bei der Anlage des neuen Gräberfelds ebenfalls mit Wildstauden gearbeitet.

Auch der Standort entlang der Remchinger Straße in Auerbach hat sich gut entwickelt. Derzeit dominiert dort optisch der lila blühende Steppensalbei, der rege von Erdhummeln besucht wird. Gärtnermeister Guthier berichtet von der Pflege des Standorts: „Wir haben wenig Aufwand mit der Fläche. Gemäht wird einmal pro Jahr, Bewässerung ist gar nicht notwendig.“ Auch Sachgebietsleiterin Esaias ist zufrieden: „Es ist toll, dass sich die Flächen dank der mehrjährigen Arten so gut halten. Auf dieses Prinzip möchten wir auch bei weiteren Blühflächen setzen.“



  • Auch am Friedhof sind Wildblumenwiesen entstanden - Foto: NABU/K. Wörner
  • Ein Grüner Scheinbockkäfer auf einer Witwenblume - Foto: NABU/K. Wörner
  • Ein Kleiner Feuerfalter auf Schafgarbe in Karlsbad - Foto: NABU/K. Wörner

Hemsbach

„Natur nah dran“-Urgestein überzeugt mit artenreichen Flächen

Hemsbach hat 2016 im ersten Projektjahrgang an „Natur nah dran“ teilgenommen. Thomas Wetzel und Matthias Kadel, zuständig für die Grünflächen der Stadt Hemsbach, begleiteten Martin Klatt und Katja Wörner zu den verschiedenen Standorten im Stadtgebiet.



  • Gelbbindige Furchenbiene an einer Witwenblume auf einer Fläche in Hemsbach - Foto: NABU/K. Wörner

    Gelbbindige Furchenbiene an einer Witwenblume auf einer Fläche in Hemsbach - Foto: NABU/K. Wörner

  • Martin Klatt, Matthias Kadel und Thomas Wetzel (v.l.n.r.) an einer umgestalteten Grünfläche - Foto: NABU/K. Wörner

    Martin Klatt, Matthias Kadel und Thomas Wetzel (v.l.n.r.) am Schild mit edler Granitstele - Foto: NABU/K. Wörner

  • Hummel an Herzgespann auf einer Fläche in Hemsbach - Foto: NABU/K. Wörner

    Hummel an Herzgespann auf einer Fläche in Hemsbach - Foto: NABU/K. Wörner

  • Erdhummel an Steppen-Salbei - Foto: NABU/K. Wörner

    Erdhummel an Steppen-Salbei - Foto: NABU/K. Wörner

  • Wilde Karden und ganz viel Pastinak am P&R-Parkplatz in Hemsbach - Foto: NABU/K. Wörner

    Wilde Karden und ganz viel Pastinak am P&R-Parkplatz in Hemsbach - Foto: NABU/K. Wörner

„Hemsbach ist ein ‚Natur nah dran‘-Urgestein. Neun Jahre nachdem die Flächen angelegt wurden, sehen sie genauso aus, wie wir es uns wünschen“, freut sich Projektleiter Martin Klatt bereits an der ersten Fläche am Bahnhof. Auch wenn viele Pflanzen dort schon verblüht sind, erkennt er die artenreiche Zusammensetzung des Wildstaudensaums. „Wilde Möhren, Karden, das Herzgespann und ein ganzer Wald aus Pastinak. Wildbienen, wie Hummeln und Furchenbienen, finden hier Pollen und Nektar “, ergänzt Klatt. „Für uns war ‚Natur nah dran‘ erst der Startschuss – in der Zwischenzeit ist viel passiert und wir haben weitere Grünflächen insektenfreundlich angelegt“, so Thomas Wetzel, der das Projekt von Anfang an begleitet hat.

Auch die anderen besichtigten Flächen machten einen guten Eindruck.


Wiese am Friedhof kurz vor der Mahd - Foto: NABU/K. Wörner

Wiese am Friedhof kurz vor der Mahd - Foto: NABU/K. Wörner

An der an der Richard-Wagner-Straße sticht der violette Steppen-Salbei hervor und lockt viele Hummeln an. Die Wiese am Friedhof ist schon über die Blüte hinaus und wird bald gemäht, damit die Wildpflanzen im Spätsommer eine zweite Blütephase erreichen. Der NABU erörterte mit dem Hemsbacher Grünflächenteam die bestmöglichen Mahdzeitpunkte, die sich aufgrund der immer heißeren und trockeneren Sommer verschieben. Eine Staffelmahd, bei die Wiese abschnittsweise gemäht wird, ist die insektenfreundlichste Methode – verursacht auf den kommunalen Flächen aber mehr Aufwand.


Wildpflanzen kehren mit „Natur nah dran“ dran im ganzen Land zurück in Siedlungen - Karte: NABU

Die „Natur nah dran“-Kommunen

Alle Geförderten im Überblick

Im ganzen Land erblühen im Rahmen von „Natur nah dran“ bunte Wildstaudenflächen und artenreiche Wildblumenwiesen. Hier sind die teilnehmenden Städte und Gemeinden im Überblick. Mehr →

Berichte zu Besuchen 2024


Stutensee

Sieben Jahre nach „Natur nah dran“ blüht und brummt es in Stutensee

Martin Klatt und Katja Wörner vom „Natur nah dran“-Projektteam besuchten die insektenfreundlichen Grünflächen in Stutensee. Die Stadt gehört zu einer der ersten von mittlerweile 106 „Natur nah dran“-Kommunen und hat 2017 fünf Flächen insektenfreundlich umgestaltet. Bernd Scholer und Andreas Hauth von der Stabsstelle Klima, Umwelt und Mobilität in Stutensee begleiteten die beiden zu den verschiedenen Standorten im Stadtgebiet.



  • Martin Klatt, Bernd Scholer und Andreas Hauth besichtigen die umgestaltete Fläche. Foto: NABU/K. Wörner

    Martin Klatt, Bernd Scholer und Andreas Hauth (v.l.n.r.) besichtigen die umgestaltete Fläche. Foto: NABU/K. Wörner

  • Die Gelbbindige Furchenbiene beim Blütenbesuch auf einer Flockenblume. Foto: NABU/K. Wörner

    Die Gelbbindige Furchenbiene beim Blütenbesuch auf einer Flockenblume. Foto: NABU/K. Wörner

  • Der Tolna-Platz in Stutensee. Foto: NABU/K. Wörner

    Der Tolna-Platz in Stutensee. Foto: NABU/K. Wörner

  • Eine Natternkopf-Mauerbiene surrt am Gewöhnlichen Natternkopf. Foto: NABU/K. Wörner

    Eine Natternkopf-Mauerbiene surrt am Gewöhnlichen Natternkopf. Foto: NABU/K. Wörner

  • Bienenwölfe auf einer Wilden Möhre in Stutensee. Foto: NABU/K. Wörner

    Bienenwölfe auf einer Wilden Möhre in Stutensee. Foto: NABU/K. Wörner

  • Am Park-and-Ride-Parkplatz in Stutensee blüht der Natternkopf. Foto: NABU/K. Wörner

    Am Park-and-Ride-Parkplatz in Stutensee blüht der Natternkopf. Foto: NABU/K. Wörner

  • Eine Erdhummel ander Blüte einer Kronwicke. Foto: NABU/K. Wörner

    Eine Erdhummel an der Blüte einer Kronwicke. Foto: NABU/K. Wörner

„Acht Wildbienenarten in nur 10 Minuten, daneben noch etliche Trauerschweber und Feldwespen! Das ist einsame Spitze“, freut sich Projektleiter Martin Klatt bereits an der ersten Fläche am Tolna-Platz. Die Baustelle dort schreckt die Insekten nicht ab, denn die blühenden Wildpflanzen bieten ein buntes Buffet: Blau strahlt der Natternkopf, Färberkamille und Rainfarn in Gelb und Steppensalbei in Violett. „Natternkopf-Mauerbiene, Rainfarn-Maskenbiene, Gelbbindige Furchenbiene und zahlreiche Erdhummeln – hier brummt die Vielfalt. In den Augen einer Wildbiene ist der Tolna-Platz ein wirkliches Dorado. Dazu noch unzählige Honigbienen und sogar der Bienenwolf tummelt sich am Tolna-Platz. Er wird auch Bienen-Käfer genannt, denn seine Larven ernähren sich von der Brut der Bienen. Sein Vorkommen lässt darauf schließen, dass es viele Wildbienen gibt. Das ist also ein gutes Zeichen“, ergänzt Klatt.

Nach dem Tolna-Platz hat auch die Fläche an der Kreisstraße in Büchig überzeugt. Zwischen Gleisen und Fahrbahn liegt der schmale Streifen und ist ein Hitzehotspot ohne Schatten. Die Wildpflanzen kommen mit diesen schwierigen Bedingungen aber gut zurecht. Besonders auffällig ist die Zypressenwolfsmilch in Gelbgrün auf der Fläche. Auch dort waren zahlreiche Wildbienenarten während des Besuchs zu sehen. An den umgestalteten Flächen am Friedhof gab es zwischen Lindenblüten und unzähligen Honigbienen eine spannende Beobachtung: Die eher unscheinbare Schwarze Keulhornbiene (Ceratina cucurbitina) war beim Blütenbesuch am Natternkopf zu sehen.


Neckarsulm

Vom Parkplatz zum Biotop

Die Stadt Neckarsulm hat 2020 drei Standorte insektenfreundlich umgestaltet. Zwei der damals angelegten Flächen werden wieder als konventionelle Rasenfläche gepflegt, weil durch den dortigen großen Nährstoffreichtum keine blumenreichen Wiesen entstanden sind. Die dritte Fläche ist aber ein wertvoller Lebensraum geworden. Günter Glaser vom Bauhof Neckarsulm berichtet von den Erfahrungen mit den naturnahen Flächen. Auf einer ehemaligen Parkfläche wurde der vorhandene Schotter genutzt, um einen nährstoffarmen Wildpflanzen-Standort anzulegen – mit Erfolg. „Hier gibt es viele besondere Insekten zu entdecken! Schachbrettfalter, Hauhechel-Bläuling und jede Menge Wildbienen“, freut sich Martin Klatt. „Einige Wildpflanzen sind jetzt schon verblüht. Aber Natternkopf, Kartäuser-Nelke, Königskerze und Witwenblumen bieten den Insekten immer noch einen reich gedeckten Tisch. Es lohnt sich, mit etwas Zeit zum Beobachten herzukommen“, so Klatt weiter.



  • Hauhechel-Bläuling beim Blütenbesuch. Foto: NABU/K. Wörner

    Hauhechel-Bläuling beim Blütenbesuch. Foto: NABU/K. Wörner

  • Ein Schachbrettfalter auf einer Witwenblume. Foto: NABU/K. Wörner

    Ein Schachbrettfalter auf einer Witwenblume. Foto: NABU/K. Wörner

  • Totholz bietet Insekten und Reptilien Nist- und Rückzugsorte. Foto: NABU/K. Wörner

    Totholz bietet Insekten und Reptilien Nist- und Rückzugsorte. Foto: NABU/K. Wörner

  • Zu Besuch auf der umgestalteten Parkfläche in Neckarsulm. Foto: NABU/K. Wörner

    Zu Besuch auf der umgestalteten Parkfläche in Neckarsulm. Foto: NABU/K. Wörner

Neben den blühenden Wildpflanzen gibt es Totholz, Steinhaufen und Sand als Nistorte für Insekten und Reptilien. Mit der Umgestaltung dieses mehrere Tausend Quadratmeter großen Areals zeigt die Stadt Neckarsulm bemerkenswertes Engagement für die Artenvielfalt. Die anderen beiden Standorte am Klostergraben und im Wohngebiet Neuberg wurden seinerzeit weniger aufwändig angelegt. „Was funktioniert und was nicht, ist von Standort zu Standort unterschiedlich. Weil hier in Neckarsulm die Böden so nährstoffreich sind, haben artenreiche Blumenwiesen es schwerer“, erläutert Klatt. „Es ist schön zu sehen, dass die Stadt deshalb dem naturnahen Grün nicht den Rücken kehrt, sondern das bewährte Konzept von der Parkfläche wiederholen möchte.“ Auch am Klostergraben seien die Wildpflanzen noch nicht verloren. Während des Besuchs blühten der Natternkopf, Schafgarbe, die Wegwarte und Wilde Karden, während Erdhummeln und Steinhummeln beim Blütenbesuch zu sehen waren. Mit kleinen Umstellungen beim Mähen kann im Randbereich an der alten Mauer ein Wildstauden-Saum als neues Insekten-Refugium entstehen.


Mitarbeitende der „Natur nah dran“-Kommunen pflegen gemeinsam die Blüflächen in Marbach und Renningen. Foto: NABU/A. Marquardt

„Natur nah dran“-Bewerbung

So können Sie sich bewerben!

Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg konnten sich bis 2026 zum vorerst letzten Mal bewerben, um insektenfreundliche Blühflächen anzulegen. Hier finden Sie alle Informationen. Mehr →

Ilsfeld

Fünf Jahre nach der Umgestaltung tummeln sich Insekten und Mauereidechsen

Die Ilsfeld hat 2019 mit „Natur nah dran“ vier Standorte insektenfreundlich angelegt. Gemeinsam mit Bauhofleiter Cornelis-Johannes Itzelaar besuchte das NABU-Projektteam die Flächen dort.

Martin Klatt freut sich am Kreisverkehr bei Wüstenhausen. Dort wurden zwei Randflächen am Fußweg mit Wildpflanzen umgestaltet. Es bot sich ein beeindruckender Anblick: Über zwei Meter hoch stehen dort die Wildstauden, wie Königskerze, Echter Alant und Wilde Karde. Einige der Wildpflanzen sind Mitte Juli schon verblüht. Die dürren Stängel bleiben aber stehen, damit die Pflanzen sich aussäen können und um im Winter als Nistquartiere für Insekten zu dienen. Gemäht wird der Streifen an der Schallschutzwand erst Anfang nächsten Jahres.

Die Flächen in Ilsfeld haben sich in den fünf Jahren zu artenreichen Lebensräumen entwickelt. „Die Garten-Wollbiene surrt flink am Ziest, während sich die dicken Erdhummeln an der Flockenblume tummeln. Dazwischen sieht man immer wieder kleine Schmalbienen und ein Zitronenfalter flattert von Blüte zu Blüte“, entdeckt Klatt am Ortseingang.



  • Über zwei Meter hohe Wildstauden in Ilsfeld. Foto: NABU/Katja Wörner

    Über zwei Meter hohe Wildstauden in Ilsfeld. Foto: NABU/Katja Wörner

  • Wilde Möhre, Färberkamille und Flockenblumen. Foto: NABU/Katja Wörner

    Wilde Möhre, Färberkamille und Flockenblumen. Foto: NABU/Katja Wörner

  • Steinhummel am Echten Alant. Foto: NABU/Katja Wörner

    Steinhummel am Echten Alant. Foto: NABU/Katja Wörner

  • Ein Zitronenfalter sitzt auf einer Flockenblume. Foto: NABU/Katja Wörner

    Ein Zitronenfalter sitzt auf einer Flockenblume. Foto: NABU/Katja Wörner

  • Eine Honigbiene am violetten Steppensalbei. Foto: NABU/Katja Wörner

    Honigbiene an Steppensalbei. Foto: NABU/Katja Wörner

Gernsbach

Einsatz für die Artenvielfalt seit 2017

Gernsbach hat wie Stutensee ebenfalls 2017 an „Natur nah dran“ teilgenommen. Bernd Haas, stellvertretender Bauhofleiter in Gernsbach, begleitete Martin Klatt und Katja Wörner zu den verschiedenen Standorten im Stadtgebiet.

„Hier ist ein wahres Kleinod entstanden – genauso sollen die Flächen aussehen“, freut sich Projektleiter Martin Klatt an der Bushaltestelle in der Gottlieb-Klumpp-Straße. „Mit Acker-, Erd- und Wiesenhummel sind hier gleich drei Hummelarten unterwegs, das erlebt man nicht überall.  Natternkopf, Flockenblume und Steppensalbei bieten ihnen Pollen und Nektar als Nahrung für ihre Larven.“ Auch die umgestaltete Fläche am Dorfplatz in Lautenbach überzeugt mit ihrem Artenreichtum. „Nachtkerzen, Thymian und Witwenblumen blühen hier schon, der Rainfarn steht in den Startlöchern“, entdeckt Klatt. Der Dorfplatz kommt nicht nur Wildbienen, Faltern und Käfern, sondern auch den Menschen zugute. Auf der anderen Seite des Platzes wurde nämlich ein Ziergarten von einer Bürgergruppe angelegt. Auch dort sind mit Wollziest und Muskatellersalbei Pflanzen vertreten, von denen Wildbienen profitieren.



  • Martin Klatt und Bernd Haas inmitten von Wildpflanzen auf einer Fläche in Gernsbach.  Foto: NABU/K. Wörner

    Martin Klatt und Bernd Haas inmitten von Wildpflanzen auf einer Fläche in Gernsbach. Foto: NABU/K. Wörner

  • Eine Ackerhummel an Quirlblütigem Salbei. Foto: NABU/K. Wörner

    Eine Ackerhummel an Quirlblütigem Salbei. Foto: NABU/K. Wörner

  • Wildpflanzen wachsen auch an sehr unwirtlichen Orten, wie in den Fugen zwischen Bordsteinen. Foto: NABU/K. Wörner

    Manche Wildpflanzen wachsen auch an sehr unwirtlichen Orten. Foto: NABU/K. Wörner

  • Umgestaltete Fläche am am Dorfplatz im Ortsteil Lautenbach. Foto: NABU/K. Wörner

    Umgestaltete Fläche am am Dorfplatz im Ortsteil Lautenbach. Foto: NABU/K. Wörner

Das NABU-Team gab auch Tipps für die weitere Pflege der Flächen. So ist es notwendig die Blumenwiesen zum richtigen Zeitpunkt zu mähen, damit die Pflanzengemeinschaft langfristig artenreich bleibt. Ansonsten drohen Wiesen von Gräsern dominiert zu werden und das wichtige Blütenangebot zu verlieren. Die Margeritenblüte ist zum Beispiel ein guter Anzeiger für den richtigen Mahd-Zeitpunkt. Auch wenn es schwerfällt die Blumen in voller Pracht zu entfernen, können damit andere Arten gefördert werden, indem sie mehr Licht bekommen.

„Sieben Jahre nach der Teilnahme an ‚Natur nah dran‘ zeigt sich, dass Gernsbach immer noch hinter dem Projekt steht. Einige Standorte haben sich zu tollen Lebensräumen für Insekten und andere Tiere entwickelt. Wir freuen uns, wenn Gernsbach auch in Zukunft Einsatz für die Artenvielfalt zeigt“, so Klatt weiter.


Drei Jahre nach dem Projekt blühten in Ettenheim zahlreiche Königskerzen. Foto: NABU/Anette Marquardt

Erfahrungen aus Ettenheim

Ettenheims Bauhofleiter berichtet von „Natur nah dran“

Die Stadt Ettenheim hat 2018 an „Natur nah dran“ teilgenommen und danach 29 weitere Flächen naturnah gestaltet. Bauhofleiter Markus Ohnemus berichtet von den Erfahrungen. Mehr →

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