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Bunt, wild, artenreich

So sehen „Natur nah dran“-Flächen nach einigen Jahren aus

Grünflächen, die mit „Natur nah dran“ angelegt wurden, sollen langfristig Lebensraum für Insekten und andere Tiere bieten. Mit der richtigen Pflege gelingt das. Erfahren Sie hier, wie die Flächen einige Jahre nach dem Projekt aussehen.

Neuenburg am Rhein

Insekten-Oasen in ehemaliger Landesgartenschau-Stadt

Martin Klatt und Katja Wörner vom NABU Baden-Württemberg besuchten gemeinsam mit Liesel Nockemann und Dirk Kalchschmidt von der Stadt Neuenburg die insektenfreundlichen Grünflächen vor Ort. Die Stadt hat 2020 gemeinsam mit dem NABU vier Standorte insektenfreundlich umgestaltet und war 2022 Ausrichterin der Landesgartenschau. Nach Ende des Projekts kam ein weiteres Wildpflanzen-Staudenbeet vor der Kirche hinzu.



  • Distelfalter auf einer „Natur nah dran“-Fläche in Neuenburg am Rhein - Foto: NABU/K. Wörner

    Distelfalter auf einer „Natur nah dran“-Fläche in Neuenburg am Rhein - Foto: NABU/K. Wörner

  • NABU-Projektleiter Martin Klatt (vorne) mit Dirk Kalchschmidt und Liesel Nockemann von der Stadt Neuenburg - Foto: NABU/K. Wörner

    NABU-Projektleiter Martin Klatt (vorne) mit Dirk Kalchschmidt und Liesel Nockemann von der Stadt Neuenburg - Foto: NABU/K. Wörner

  • Ein Schmetterling, die Goldene Acht, auf einer gelben Skabiose - Foto: NABU/K. Wörner

    Ein Schmetterling, die Goldene Acht, auf einer gelben Skabiose - Foto: NABU/K. Wörner

  • Naturnah umgestaltete Fläche am Bahnhof in Neuenburg - Foto: NABU/K. Wörner

    Naturnah umgestaltete Fläche am Bahnhof in Neuenburg - Foto: NABU/K. Wörner

Diese Fläche wurde in Neuenburg nach den Methoden von „Natur nah dran“ nach Ende des Projekts angelegt - Foto: NABU/K: Wörner

Diese Fläche wurde in Neuenburg nach den Methoden von „Natur nah dran“ nach Ende des Projekts angelegt - Foto: NABU/K: Wörner

„In Neuenburg kommt man an der Vielfalt nicht vorbei: Direkt am Bahnhof wartet auf der ‚Natur nah dran‘-Fläche ein Empfangskomitee aus Hummeln, Faltern und Käfern“, freut sich Biologe und Projektleiter Martin Klatt. Dort hat sich ein ehemaliger Rasenstreifen dank magerem Substrat und Wildpflanzen in einen artenreichen Saum verwandelt. „Hier fliegt nicht nur die Erdhummel, sondern auch die dazugehörige Kuckuckshummel. Diese legt ihre Brut in die Nester der Erdhummel und lässt diese die Sorgearbeit erledigen. Wie der Kuckuck“, erklärt Klatt an der Bahnhofsfläche. Er sieht das Vorkommen dieser Arten als wichtigen Hinweis für die Lebensraumqualitäten der Flächen.

Die Standorte in Neuenburg haben sich in fünf Jahren gut entwickelt – manche unter erschwerten Bedingungen. „Auf dem Kreisverkehr Richtung am Ortsrand nach Zienken herrschen wirkliche Extrembedingungen. Aber selbst hier blühen Thymian, Natternkopf und Johanniskraut, Bläulinge und Hummeln finden dort Nektar und Pollen“, so Klatt. „Wir sind sehr zufrieden mit unseren ‚Natur nah dran‘-Standorten“, berichtet Liesel Nockemann aus der Stadtverwaltung. „Deswegen haben wir mit den Methoden des Projekts weitergemacht und eine weitere Fläche angelegt.“ Sichtlich begeistert waren die NABU-Mitarbeitenden von diesem neu angelegten Staudenbeet beim Pfarrhaus in der Innenstadt. Die Stauden sehen toll aus und sind eine Attraktion für unzählige Insekten, wie die Bunte Hummel und winzige Wildbienen.


Wilde Schönheiten in naturnahem Grün

Artenportraits

Welche Wildpflanzen sind auf den „Natur nah dran"-Flächen zu finden und welche Besonderheiten haben sie? Hier stellen wir Ihnen einige der häufig im Projekt angepflanzten Arten vor. Mehr →

Riegel

Kommune und Ehrenamtliche schaffen gemeinsam Lebensräume

Klimaschutzmanagerin Irina Wellige, Bauamtsmitarbeiterin Heike Behr und Stefan Seifert vom Betriebshof besuchten mit Martin Klatt und Katja Wörner vom „Natur nah dran“-Projektteam die naturnah angelegten Grünflächen in Riegel. Auch zwei Ehrenamtliche der Initiative Wilde Wiese waren mit dabei. Riegel hat 2022 vier Standorte insektenfreundlich umgestaltet.



  • Die spezialisierte Weißfleckige Wollbiene, Anthidium punctatum, an einer Flockenblume - Foto: NABU/K. Wörner

    Die spezialisierte Weißfleckige Wollbiene, Anthidium punctatum, an einer Flockenblume - Foto: NABU/K. Wörner

  • Blumenwiese mit blühendem Labkraut und Flockenblumen in Riegel - Foto: NABU/K. Wörner

    Blumenwiese mit blühendem Labkraut und Flockenblumen in Riegel - Foto: NABU/K. Wörner

  • NABU-Projektleiter Martin Klatt (hinten) und Klimaschutzmanagerin Irina Wellige schauen sich die umgestaltete Fläche an - Foto: NABU/K. Wörner

    NABU-Projektleiter Martin Klatt (hinten) und Klimaschutzmanagerin Irina Wellige schauen sich die umgestaltete Fläche an - Foto: NABU/K. Wörner

Das NABU-Team ist zufrieden damit, wie sich die Flächen entwickelt haben und gibt Tipps für die weitere Pflege. „Hier summt und brummt es“, freut sich Martin Klatt an der ersten Fläche am Gemeindegarten. Dort hat sich ein ehemaliger Rasenstreifen dank magerem Substrat, Wildpflanzen und viel ehrenamtlichem Engagement in einen artenreichen Saum verwandelt. „Glockenblumen, Kamillen und Skabiosen-Flockenblumen bieten ein reiches Buffet für Wildbienen. Besonders interessant: Die Weißfleckige Wollbiene schwirrt hier von Blüte zu Blüte. Diese Spezialistin unter den Bienen sammelt besonders gern den Pollen von Lippenblütlern, wie Salbei oder Ziest.“ Für Klatt ist das Vorkommen dieser Wollbiene ein Indiz für den hohen ökologischen Wert der Fläche.


Sandbienen nisten auf einer Fläche in Riegel - Foto: NABU/K. Wörner

Sandbienen nisten auf einer Fläche in Riegel - Foto: NABU/K. Wörner

Ein Standort hat sich nicht wie geplant zu einer Wiese entwickelt. Wegen der regelmäßigen Nutzung konnte sich dort keine Wiesenpflanzengesellschaft etablieren. Von den offenen Bodenstellen profitieren Bienen aber dennoch. Bodennistende Arten wie Sandbienen graben dort zuhauf kleine Löcher für ihre Nester. Der Thymian am Rand der Fläche zur Straße hin dient ihnen dabei als Futterpflanze. Andere Flächen hingegen entwickeln sich gut, aber benötigen noch Zeit: Dort wurde der ein Streifen mit Wildpflanzen angereichert, die sich über die gesamte Fläche ausbreiten werden.

„Auch für neue Grünflächen möchten wir auf das Wissen und die Methoden zurückgreifen, die wir bei ‚Natur nah dran‘ mitgenommen haben“, berichtet Klimaschutzmanagerin Wellige.


Karlsbad

Viel zu entdecken auf Insekten-Safari

Sarah Esaias, Sachgebietsleiterin im Amt für Bau, Planung und Umwelt, und Gärtnermeister Dominik Guthier zeigten dem „Natur nah dran“-Team einige der insektenfreundlichen Grünflächen in Karlsbad. Die Gemeinde hat 2020 vier Standorte insektenfreundlich umgestaltet.


Sarah Esaias, Dominick Guthier und Martin Klatt (v.l.n.r.) an der Wildpflanzenfläche in Auerbach - Foto: NABU/K. Wörner

Sarah Esaias, Dominik Guthier und Martin Klatt (v.l.n.r.) an der Wildpflanzenfläche in Karlsbad-Auerbach - Foto: NABU/K. Wörner

Die Flächen haben sich gut entwickelt. Insbesondere die Flächen am Friedhof überzeugen mit blühendem Labkraut, Steppensalbei, Schafsgarbe und der Rispigen Flockenblume. „Genauso wünschen wir uns das“, freut sich Biologe und Projektleiter Martin Klatt. „Auf den ersten Blick mag die Fläche vergrast aussehen, aber bei genauem Hinsehen entdeckt man viele Wildblumen darin. Dementsprechend sind auch viele Insekten unterwegs“, so Klatt weiter. Am Friedhof könne man gut die verschiedenen Methoden nachvollziehen, die die Gemeinde im Rahmen des Projekts „Natur nah dran“ angewendet hat. Während im vorderen Bereich der Boden durch ein Schotter-Kompost-Gemisch ausgetauscht wurde, wurden im hinteren Teil lediglich einzelne Streifen gefräst und eingesät. Bei letzterem dauert es länger, bis die eingesäten Arten sich über die ganze Fläche ausbreiten, die erste Methode zeigt schneller Erfolge. Beide Flächen entsprechen ganz den Vorstellungen des Projektleiters: „Zottelbienen, Hauhechelbläuling, viele Furchenbienen und unzählige Hummeln – hier könnte man eine Insekten-Safari anbieten.“

Das NABU-Team und die Mitarbeitenden der Gemeinde thematisierten auch, wie es mit den „Natur nah dran“-Flächen in Hinblick auf das Friedhofs-Gesamtkonzept weiter gehen wird. Leider können die Flächen aufgrund der notwendigen Friedhofs-Neugestaltung nicht langfristig erhalten werden. Stattdessen wird eine Ersatzfläche angelegt und bei der Anlage des neuen Gräberfelds ebenfalls mit Wildstauden gearbeitet.

Auch der Standort entlang der Remchinger Straße in Auerbach hat sich gut entwickelt. Derzeit dominiert dort optisch der lila blühende Steppensalbei, der rege von Erdhummeln besucht wird. Gärtnermeister Guthier berichtet von der Pflege des Standorts: „Wir haben wenig Aufwand mit der Fläche. Gemäht wird einmal pro Jahr, Bewässerung ist gar nicht notwendig.“ Auch Sachgebietsleiterin Esaias ist zufrieden: „Es ist toll, dass sich die Flächen dank der mehrjährigen Arten so gut halten. Auf dieses Prinzip möchten wir auch bei weiteren Blühflächen setzen.“



  • Auch am Friedhof sind Wildblumenwiesen entstanden - Foto: NABU/K. Wörner
  • Ein Grüner Scheinbockkäfer auf einer Witwenblume - Foto: NABU/K. Wörner
  • Ein Kleiner Feuerfalter auf Schafgarbe in Karlsbad - Foto: NABU/K. Wörner

Hemsbach

„Natur nah dran“-Urgestein überzeugt mit artenreichen Flächen

Hemsbach hat 2016 im ersten Projektjahrgang an „Natur nah dran“ teilgenommen. Thomas Wetzel und Matthias Kadel, zuständig für die Grünflächen der Stadt Hemsbach, begleiteten Martin Klatt und Katja Wörner zu den verschiedenen Standorten im Stadtgebiet.



  • Gelbbindige Furchenbiene an einer Witwenblume auf einer Fläche in Hemsbach - Foto: NABU/K. Wörner

    Gelbbindige Furchenbiene an einer Witwenblume auf einer Fläche in Hemsbach - Foto: NABU/K. Wörner

  • Martin Klatt, Matthias Kadel und Thomas Wetzel (v.l.n.r.) an einer umgestalteten Grünfläche - Foto: NABU/K. Wörner

    Martin Klatt, Matthias Kadel und Thomas Wetzel (v.l.n.r.) am Schild mit edler Granitstele - Foto: NABU/K. Wörner

  • Hummel an Herzgespann auf einer Fläche in Hemsbach - Foto: NABU/K. Wörner

    Hummel an Herzgespann auf einer Fläche in Hemsbach - Foto: NABU/K. Wörner

  • Erdhummel an Steppen-Salbei - Foto: NABU/K. Wörner

    Erdhummel an Steppen-Salbei - Foto: NABU/K. Wörner

  • Wilde Karden und ganz viel Pastinak am P&R-Parkplatz in Hemsbach - Foto: NABU/K. Wörner

    Wilde Karden und ganz viel Pastinak am P&R-Parkplatz in Hemsbach - Foto: NABU/K. Wörner

„Hemsbach ist ein ‚Natur nah dran‘-Urgestein. Neun Jahre nachdem die Flächen angelegt wurden, sehen sie genauso aus, wie wir es uns wünschen“, freut sich Projektleiter Martin Klatt bereits an der ersten Fläche am Bahnhof. Auch wenn viele Pflanzen dort schon verblüht sind, erkennt er die artenreiche Zusammensetzung des Wildstaudensaums. „Wilde Möhren, Karden, das Herzgespann und ein ganzer Wald aus Pastinak. Wildbienen, wie Hummeln und Furchenbienen, finden hier Pollen und Nektar “, ergänzt Klatt. „Für uns war ‚Natur nah dran‘ erst der Startschuss – in der Zwischenzeit ist viel passiert und wir haben weitere Grünflächen insektenfreundlich angelegt“, so Thomas Wetzel, der das Projekt von Anfang an begleitet hat.

Auch die anderen besichtigten Flächen machten einen guten Eindruck.


Wiese am Friedhof kurz vor der Mahd - Foto: NABU/K. Wörner

Wiese am Friedhof kurz vor der Mahd - Foto: NABU/K. Wörner

An der an der Richard-Wagner-Straße sticht der violette Steppen-Salbei hervor und lockt viele Hummeln an. Die Wiese am Friedhof ist schon über die Blüte hinaus und wird bald gemäht, damit die Wildpflanzen im Spätsommer eine zweite Blütephase erreichen. Der NABU erörterte mit dem Hemsbacher Grünflächenteam die bestmöglichen Mahdzeitpunkte, die sich aufgrund der immer heißeren und trockeneren Sommer verschieben. Eine Staffelmahd, bei die Wiese abschnittsweise gemäht wird, ist die insektenfreundlichste Methode – verursacht auf den kommunalen Flächen aber mehr Aufwand.


Wildpflanzen kehren mit „Natur nah dran“ dran im ganzen Land zurück in Siedlungen - Karte: NABU

Die „Natur nah dran“-Kommunen

Alle Geförderten im Überblick

Im ganzen Land erblühen im Rahmen von „Natur nah dran“ bunte Wildstaudenflächen und artenreiche Wildblumenwiesen. Hier sind die teilnehmenden Städte und Gemeinden im Überblick. Mehr →

Berichte zu Besuchen 2024

Lesen Sie im Folgenden, welche Kommunen wir 2024 besucht haben und wie sich dort die Flächen entwickelt haben.


Stutensee

Sieben Jahre nach „Natur nah dran“ blüht und brummt es in Stutensee

Martin Klatt und Katja Wörner vom „Natur nah dran“-Projektteam besuchten die insektenfreundlichen Grünflächen in Stutensee. Die Stadt gehört zu einer der ersten von mittlerweile 106 „Natur nah dran“-Kommunen und hat 2017 fünf Flächen insektenfreundlich umgestaltet. Bernd Scholer und Andreas Hauth von der Stabsstelle Klima, Umwelt und Mobilität in Stutensee begleiteten die beiden zu den verschiedenen Standorten im Stadtgebiet.



  • Martin Klatt, Bernd Scholer und Andreas Hauth besichtigen die umgestaltete Fläche. Foto: NABU/K. Wörner

    Martin Klatt, Bernd Scholer und Andreas Hauth (v.l.n.r.) besichtigen die umgestaltete Fläche. Foto: NABU/K. Wörner

  • Die Gelbbindige Furchenbiene beim Blütenbesuch auf einer Flockenblume. Foto: NABU/K. Wörner

    Die Gelbbindige Furchenbiene beim Blütenbesuch auf einer Flockenblume. Foto: NABU/K. Wörner

  • Der Tolna-Platz in Stutensee. Foto: NABU/K. Wörner

    Der Tolna-Platz in Stutensee. Foto: NABU/K. Wörner

  • Eine Natternkopf-Mauerbiene surrt am Gewöhnlichen Natternkopf. Foto: NABU/K. Wörner

    Eine Natternkopf-Mauerbiene surrt am Gewöhnlichen Natternkopf. Foto: NABU/K. Wörner

  • Bienenwölfe auf einer Wilden Möhre in Stutensee. Foto: NABU/K. Wörner

    Bienenwölfe auf einer Wilden Möhre in Stutensee. Foto: NABU/K. Wörner

  • Am Park-and-Ride-Parkplatz in Stutensee blüht der Natternkopf. Foto: NABU/K. Wörner

    Am Park-and-Ride-Parkplatz in Stutensee blüht der Natternkopf. Foto: NABU/K. Wörner

  • Eine Erdhummel ander Blüte einer Kronwicke. Foto: NABU/K. Wörner

    Eine Erdhummel an der Blüte einer Kronwicke. Foto: NABU/K. Wörner

„Acht Wildbienenarten in nur 10 Minuten, daneben noch etliche Trauerschweber und Feldwespen! Das ist einsame Spitze“, freut sich Projektleiter Martin Klatt bereits an der ersten Fläche am Tolna-Platz. Die Baustelle dort schreckt die Insekten nicht ab, denn die blühenden Wildpflanzen bieten ein buntes Buffet: Blau strahlt der Natternkopf, Färberkamille und Rainfarn in Gelb und Steppensalbei in Violett. „Natternkopf-Mauerbiene, Rainfarn-Maskenbiene, Gelbbindige Furchenbiene und zahlreiche Erdhummeln – hier brummt die Vielfalt. In den Augen einer Wildbiene ist der Tolna-Platz ein wirkliches Dorado. Dazu noch unzählige Honigbienen und sogar der Bienenwolf tummelt sich am Tolna-Platz. Er wird auch Bienen-Käfer genannt, denn seine Larven ernähren sich von der Brut der Bienen. Sein Vorkommen lässt darauf schließen, dass es viele Wildbienen gibt. Das ist also ein gutes Zeichen“, ergänzt Klatt.

Nach dem Tolna-Platz hat auch die Fläche an der Kreisstraße in Büchig überzeugt. Zwischen Gleisen und Fahrbahn liegt der schmale Streifen und ist ein Hitzehotspot ohne Schatten. Die Wildpflanzen kommen mit diesen schwierigen Bedingungen aber gut zurecht. Besonders auffällig ist die Zypressenwolfsmilch in Gelbgrün auf der Fläche. Auch dort waren zahlreiche Wildbienenarten während des Besuchs zu sehen. An den umgestalteten Flächen am Friedhof gab es zwischen Lindenblüten und unzähligen Honigbienen eine spannende Beobachtung: Die eher unscheinbare Schwarze Keulhornbiene (Ceratina cucurbitina) war beim Blütenbesuch am Natternkopf zu sehen.


Neckarsulm

Vom Parkplatz zum Biotop

Die Stadt Neckarsulm hat 2020 drei Standorte insektenfreundlich umgestaltet. Zwei der damals angelegten Flächen werden wieder als konventionelle Rasenfläche gepflegt, weil durch den dortigen großen Nährstoffreichtum keine blumenreichen Wiesen entstanden sind. Die dritte Fläche ist aber ein wertvoller Lebensraum geworden. Günter Glaser vom Bauhof Neckarsulm berichtet von den Erfahrungen mit den naturnahen Flächen. Auf einer ehemaligen Parkfläche wurde der vorhandene Schotter genutzt, um einen nährstoffarmen Wildpflanzen-Standort anzulegen – mit Erfolg. „Hier gibt es viele besondere Insekten zu entdecken! Schachbrettfalter, Hauhechel-Bläuling und jede Menge Wildbienen“, freut sich Martin Klatt. „Einige Wildpflanzen sind jetzt schon verblüht. Aber Natternkopf, Kartäuser-Nelke, Königskerze und Witwenblumen bieten den Insekten immer noch einen reich gedeckten Tisch. Es lohnt sich, mit etwas Zeit zum Beobachten herzukommen“, so Klatt weiter.



  • Hauhechel-Bläuling beim Blütenbesuch. Foto: NABU/K. Wörner

    Hauhechel-Bläuling beim Blütenbesuch. Foto: NABU/K. Wörner

  • Ein Schachbrettfalter auf einer Witwenblume. Foto: NABU/K. Wörner

    Ein Schachbrettfalter auf einer Witwenblume. Foto: NABU/K. Wörner

  • Totholz bietet Insekten und Reptilien Nist- und Rückzugsorte. Foto: NABU/K. Wörner

    Totholz bietet Insekten und Reptilien Nist- und Rückzugsorte. Foto: NABU/K. Wörner

  • Zu Besuch auf der umgestalteten Parkfläche in Neckarsulm. Foto: NABU/K. Wörner

    Zu Besuch auf der umgestalteten Parkfläche in Neckarsulm. Foto: NABU/K. Wörner

Neben den blühenden Wildpflanzen gibt es Totholz, Steinhaufen und Sand als Nistorte für Insekten und Reptilien. Mit der Umgestaltung dieses mehrere Tausend Quadratmeter großen Areals zeigt die Stadt Neckarsulm bemerkenswertes Engagement für die Artenvielfalt. Die anderen beiden Standorte am Klostergraben und im Wohngebiet Neuberg wurden seinerzeit weniger aufwändig angelegt. „Was funktioniert und was nicht, ist von Standort zu Standort unterschiedlich. Weil hier in Neckarsulm die Böden so nährstoffreich sind, haben artenreiche Blumenwiesen es schwerer“, erläutert Klatt. „Es ist schön zu sehen, dass die Stadt deshalb dem naturnahen Grün nicht den Rücken kehrt, sondern das bewährte Konzept von der Parkfläche wiederholen möchte.“ Auch am Klostergraben seien die Wildpflanzen noch nicht verloren. Während des Besuchs blühten der Natternkopf, Schafgarbe, die Wegwarte und Wilde Karden, während Erdhummeln und Steinhummeln beim Blütenbesuch zu sehen waren. Mit kleinen Umstellungen beim Mähen kann im Randbereich an der alten Mauer ein Wildstauden-Saum als neues Insekten-Refugium entstehen.


Mitarbeitende der „Natur nah dran“-Kommunen pflegen gemeinsam die Blüflächen in Marbach und Renningen. Foto: NABU/A. Marquardt

„Natur nah dran“-Bewerbung

So können Sie sich bewerben!

Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg können sich bewerben, um insektenfreundliche Blühflächen anzulegen. Hier finden Sie alle Informationen und Tipps zur Bewerbung. Mehr →

Ilsfeld

Fünf Jahre nach der Umgestaltung tummeln sich Insekten und Mauereidechsen

Die Ilsfeld hat 2019 mit „Natur nah dran“ vier Standorte insektenfreundlich angelegt. Gemeinsam mit Bauhofleiter Cornelis-Johannes Itzelaar besuchte das NABU-Projektteam die Flächen dort.

Martin Klatt freut sich am Kreisverkehr bei Wüstenhausen. Dort wurden zwei Randflächen am Fußweg mit Wildpflanzen umgestaltet. Es bot sich ein beeindruckender Anblick: Über zwei Meter hoch stehen dort die Wildstauden, wie Königskerze, Echter Alant und Wilde Karde. Einige der Wildpflanzen sind Mitte Juli schon verblüht. Die dürren Stängel bleiben aber stehen, damit die Pflanzen sich aussäen können und um im Winter als Nistquartiere für Insekten zu dienen. Gemäht wird der Streifen an der Schallschutzwand erst Anfang nächsten Jahres.

Die Flächen in Ilsfeld haben sich in den fünf Jahren zu artenreichen Lebensräumen entwickelt. „Die Garten-Wollbiene surrt flink am Ziest, während sich die dicken Erdhummeln an der Flockenblume tummeln. Dazwischen sieht man immer wieder kleine Schmalbienen und ein Zitronenfalter flattert von Blüte zu Blüte“, entdeckt Klatt am Ortseingang.



  • Über zwei Meter hohe Wildstauden in Ilsfeld. Foto: NABU/Katja Wörner

    Über zwei Meter hohe Wildstauden in Ilsfeld. Foto: NABU/Katja Wörner

  • Wilde Möhre, Färberkamille und Flockenblumen. Foto: NABU/Katja Wörner

    Wilde Möhre, Färberkamille und Flockenblumen. Foto: NABU/Katja Wörner

  • Steinhummel am Echten Alant. Foto: NABU/Katja Wörner

    Steinhummel am Echten Alant. Foto: NABU/Katja Wörner

  • Ein Zitronenfalter sitzt auf einer Flockenblume. Foto: NABU/Katja Wörner

    Ein Zitronenfalter sitzt auf einer Flockenblume. Foto: NABU/Katja Wörner

  • Eine Honigbiene am violetten Steppensalbei. Foto: NABU/Katja Wörner

    Honigbiene an Steppensalbei. Foto: NABU/Katja Wörner

Gernsbach

Einsatz für die Artenvielfalt seit 2017

Gernsbach hat wie Stutensee ebenfalls 2017 an „Natur nah dran“ teilgenommen. Bernd Haas, stellvertretender Bauhofleiter in Gernsbach, begleitete Martin Klatt und Katja Wörner zu den verschiedenen Standorten im Stadtgebiet.

„Hier ist ein wahres Kleinod entstanden – genauso sollen die Flächen aussehen“, freut sich Projektleiter Martin Klatt an der Bushaltestelle in der Gottlieb-Klumpp-Straße. „Mit Acker-, Erd- und Wiesenhummel sind hier gleich drei Hummelarten unterwegs, das erlebt man nicht überall.  Natternkopf, Flockenblume und Steppensalbei bieten ihnen Pollen und Nektar als Nahrung für ihre Larven.“ Auch die umgestaltete Fläche am Dorfplatz in Lautenbach überzeugt mit ihrem Artenreichtum. „Nachtkerzen, Thymian und Witwenblumen blühen hier schon, der Rainfarn steht in den Startlöchern“, entdeckt Klatt. Der Dorfplatz kommt nicht nur Wildbienen, Faltern und Käfern, sondern auch den Menschen zugute. Auf der anderen Seite des Platzes wurde nämlich ein Ziergarten von einer Bürgergruppe angelegt. Auch dort sind mit Wollziest und Muskatellersalbei Pflanzen vertreten, von denen Wildbienen profitieren.



  • Martin Klatt und Bernd Haas inmitten von Wildpflanzen auf einer Fläche in Gernsbach.  Foto: NABU/K. Wörner

    Martin Klatt und Bernd Haas inmitten von Wildpflanzen auf einer Fläche in Gernsbach. Foto: NABU/K. Wörner

  • Eine Ackerhummel an Quirlblütigem Salbei. Foto: NABU/K. Wörner

    Eine Ackerhummel an Quirlblütigem Salbei. Foto: NABU/K. Wörner

  • Wildpflanzen wachsen auch an sehr unwirtlichen Orten, wie in den Fugen zwischen Bordsteinen. Foto: NABU/K. Wörner

    Manche Wildpflanzen wachsen auch an sehr unwirtlichen Orten. Foto: NABU/K. Wörner

  • Umgestaltete Fläche am am Dorfplatz im Ortsteil Lautenbach. Foto: NABU/K. Wörner

    Umgestaltete Fläche am am Dorfplatz im Ortsteil Lautenbach. Foto: NABU/K. Wörner

Das NABU-Team gab auch Tipps für die weitere Pflege der Flächen. So ist es notwendig die Blumenwiesen zum richtigen Zeitpunkt zu mähen, damit die Pflanzengemeinschaft langfristig artenreich bleibt. Ansonsten drohen Wiesen von Gräsern dominiert zu werden und das wichtige Blütenangebot zu verlieren. Die Margeritenblüte ist zum Beispiel ein guter Anzeiger für den richtigen Mahd-Zeitpunkt. Auch wenn es schwerfällt die Blumen in voller Pracht zu entfernen, können damit andere Arten gefördert werden, indem sie mehr Licht bekommen.

„Sieben Jahre nach der Teilnahme an ‚Natur nah dran‘ zeigt sich, dass Gernsbach immer noch hinter dem Projekt steht. Einige Standorte haben sich zu tollen Lebensräumen für Insekten und andere Tiere entwickelt. Wir freuen uns, wenn Gernsbach auch in Zukunft Einsatz für die Artenvielfalt zeigt“, so Klatt weiter.


Drei Jahre nach dem Projekt blühten in Ettenheim zahlreiche Königskerzen. Foto: NABU/Anette Marquardt

Erfahrungen aus Ettenheim

Ettenheims Bauhofleiter berichtet von „Natur nah dran“

Die Stadt Ettenheim hat 2018 an „Natur nah dran“ teilgenommen und danach 29 weitere Flächen naturnah gestaltet. Bauhofleiter Markus Ohnemus berichtet von den Erfahrungen. Mehr →

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„Natur nah dran“-Team
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