Greifvögel in Baden-Württemberg
12 Arten im Porträt
Greifvögel leben in Baden-Württemberg in unterschiedlichen Lebensräumen – in Wäldern, auf Äckern und Wiesen, an Flüssen und Seen, in Feuchtgebieten sowie in Dörfern und Städten. Viele Arten lassen sich am Himmel an ihrer Körperform, Flügelform, Schwanzform und Flugweise erkennen, teilweise auch an ihrem typischen Rufen.
Die Gefiederfarbe allein ist kein zuverlässiges Bestimmungsmerkmal. Wer Greifvögel beobachten möchte, kann ein gutes Fernglas oder Spektiv verwenden. Besonders interessant sind der Spätsommer und der Herbst: Dann sind viele Vögel gut am Himmel zu beobachten, teilweise auch während des Vogelzugs.
Welche Greifvögel brüten in Baden-Württemberg?
Die zwölf Arten im Überblick:
- Baumfalke
- Fischadler
- Habicht
- Mäusebussard
- Rohrweihe
- Rotmilan
- Schwarzmilan
- Sperber
- Turmfalke
- Wanderfalke
- Wespenbussard
- Wiesenweihe
Der NABU stellt die Arten im Folgenden mit ihren wichtigsten Merkmalen, Lebensräumen und Bestandsangaben vor.
Greifvögel beobachten, auf Brutvögel Rücksicht nehmen
Greifvögel reagieren rund um ihre Horste empfindlich auf Störungen. Wer einen Greifvogel beobachtet, sollte deshalb ausreichend Abstand halten, in Schutzgebieten auf den Wegen bleiben und sich Nestern nicht nähern. Nach dem Flüggewerden betteln junge Greifvögel oft lautstark noch einige Tage in der Nähe ihres Nests bei ihren Eltern nach Futter. Weil sie dabei länger auf einer Sitzwarte verweilen, lassen sie sich dabei gut beobachten. Bei seltenen Brutvögeln sollten genaue Neststandorte nicht veröffentlicht werden. So lässt sich verhindern, dass Brutplätze durch gut gemeinte Beobachtungsversuche gestört werden. Auch sogenannte Rupfplätze können Hinweise auf die Anwesenheit eines Greifvogels geben. Dort entfernen Greifvögel die nicht verdaulichen Federn ihrer Beute. Auch der Vogelzug im Herbst ist eine gute Zeit zum Beobachten, weil dann sehr viele Tiere unterwegs sind und Baden-Württemberg überfliegen.
Baumfalke: Schneller Jäger von Libellen und Kleinvögeln
Baumfalke - Foto: Frank Derer
Der Baumfalke (Falco subbuteo) kehrt im Frühjahr aus seinem afrikanischen Winterquartier zurück. Er besiedelt strukturreiche Landschaften mit Waldrändern, Feldgehölzen und Gewässern. Eigene Nester baut er nicht, sondern brütet häufig in alten Krähen- oder Elsternnestern. In der Luft jagt er Großinsekten, wie Libellen und Käfer, aber auch Schwalben und andere kleine Vögel. Seine langen, sichelförmigen Flügel und sein schneller, wendiger Flug erinnern an einen großen Mauersegler. Erwachsene Baumfalken haben einen dunklen Bartstreif und rostrote „Hosen“.
Woran erkennt man einen Baumfalken?
Typisch sind schlanke, sichelförmige Flügel und ein sehr schneller, wendiger Flug. In der Silhouette erinnert der Baumfalke an einen großen Mauersegler.
Wie häufig ist der Baumfalke in Baden-Württemberg?
Der Baumfalke ist ein seltener Brutvogel. Der Bestand wird auf etwa 540 bis 720 Brutpaare geschätzt.
Fischadler: Einziger brütender Adler in Baden-Württemberg
Fischadler - Foto: Tom Dove
Fischadler sind aktuell die einzigen Adler, die in Baden-Württemberg brüten. Mehr als 115 Jahre lang gab es keinen Fischadlernachwuchs. Erst 2023 zog ein erstes Paar am Oberrhein erfolgreich zwei Jungvögel groß. Auch in den Folgejahren brütete dieses bislang einzige Elternpaar trotz Rückschlägen meist mit Erfolg. Die Rückkehr des Fischadlers ist das Ergebnis jahrzehntelanger Schutzarbeit und der Installation geeigneter Nisthilfen. Fischadler ernähren sich fast ausschließlich von Fischen. Sie rütteln über Gewässern, stürzen mit vorgestreckten Füßen hinab und können vollständig ins Wasser eintauchen.
Woran erkennt man einen Fischadler?
Der Fischadler hat lange, schmale und deutlich gewinkelte Flügel. Von unten wirkt er überwiegend hell, auffällig sind dunkle Flecken an den Flügelgelenken. Häufig ist er über Gewässern beim Rüttelflug zu beobachten.
Wie häufig ist der Fischadler in Baden-Württemberg?
In Baden-Württemberg brütet aktuell ein Fischadlerpaar. Seit 2023 sind sieben junge Fischadler geschlüpft. 2026 wurde zudem ein junger Fischadler im Gebiet der Saalbachniederung beobachtet, das als mögliches Brutgebiet infrage kommt.
Habicht: Kraftvoller Jäger des Waldes
Habicht - Foto: Mathias Schäf
Der Habicht ist ein kräftiger und geschickter Vogeljäger. Er lebt vor allem in abwechslungsreichen Waldlandschaften mit alten Horstbäumen und offenen Jagdgebieten. Zunehmend kommt er auch in Parks und an grünen Stadträndern vor. Zu seiner Beute gehören unter anderem Tauben, Krähen, kleinere Vögel und Säugetiere. Meist bleibt der scheue Greifvogel verborgen.
Woran erkennt man einen Habicht?
Der Habicht ist größer und kräftiger als der Sperber. Er besitzt breite Flügel, einen langen, gerundeten Schwanz und einen kraftvollen Flug. Erwachsene Habichte haben eine helle, fein quergebänderte Unterseite und einen markanten weißen Überaugenstreif.
Wie häufig ist der Habicht in Baden-Württemberg?
Der Habicht ist in Baden-Württemberg weit verbreitet. Der Bestand wird auf etwa 1.000 Brutpaare geschätzt. Besonders wichtig sind strukturreiche Wälder mit alten Horstbäumen und ausreichend großen Jagdgebieten.
Mäusebussard: Häufigster Greifvogel Baden-Württembergs
Mäusebussard - Foto: Mathias Schäf
Der Mäusebussard (Buteo buteo) kommt in Baden-Württemberg flächendeckend vor. Er brütet meist in Wäldern und Feldgehölzen und sucht seine Nahrung auf Wiesen, Weiden und Äckern. Trotz seines Namens frisst der Mäusebussard nicht ausschließlich Mäuse. Auch Regenwürmer, Amphibien, kleinere Vögel und Aas gehören zu seiner Nahrung. Sein Gefieder ist außergewöhnlich variabel und reicht von sehr hell bis dunkelbraun. Häufig sitzt der Mäusebussard auf Pfählen oder Baumspitzen und hält Ausschau nach Beute.
Woran erkennt man einen Mäusebussard?
Der Mäusebussard hat breite Flügel und einen kurzen, abgerundeten Schwanz. Häufig nutzt er die Thermik und kreist mit weit ausgebreiteten Flügeln über der Landschaft.
Wie häufig ist der Mäusebussard in Baden-Württemberg?
Mit rund 10.000 Brutpaaren ist der Mäusebussard der häufigste Greifvogel Baden-Württembergs. Die aktuelle Rote Liste der Brutvögel Baden-Württembergs gibt einen Bestand von etwa 9.000 bis 13.000 Paaren an.
Rohrweihe: Greifvogel über Schilf und Feuchtgebieten
Rohrweihe - Foto: Mathias Schäf
Die Rohrweihe brütet vor allem in ausgedehnten Schilfgebieten an Seen, Flüssen und Feuchtgebieten. Teilweise nutzt sie inzwischen auch Getreidefelder. Ihr Nest liegt am Boden und ist deshalb besonders empfindlich gegenüber Störungen und einer zu frühen Ernte.
Woran erkennt man eine Rohrweihe?
Typisch sind lange Flügel in flacher V-Stellung und ein niedriger, schaukelnder Suchflug über Schilf, Wiesen und Feldern.
Wie häufig ist die Rohrweihe in Baden-Württemberg?
Die Rohrweihe ist in Baden-Württemberg selten und stark gefährdet. Weniger als 50 Brutpaare leben im Land. Wichtige Vorkommen gibt es unter anderem im Oberrheingraben und in Oberschwaben.
Rotmilan: Greifvogel mit markantem Gabelschwanz
Rotmilan - Foto: Mathias Schäf
Baden-Württemberg trägt eine besondere Verantwortung für den Rotmilan. Ein bedeutender Anteil des deutschen Bestands brütet im Land. Der Rotmilan (Milvus milvus) benötigt abwechslungsreiche Kulturlandschaften. In Wäldern und Feldgehölzen baut er seinen Horst, während er über Wiesen, Weiden und Äckern nach Nahrung sucht. Auf seinem Speiseplan stehen unter anderem Kleinsäuger und Aas.
Woran erkennt man einen Rotmilan?
Typisch sind der sehr lange, tief gegabelte Schwanz und die langen, angewinkelten Flügel mit hellen Bereichen auf der Unterseite. Im Segelflug wirkt der Rotmilan elegant und häufig schaukelt er leicht im Wind.
Wie häufig ist der Rotmilan in Baden-Württemberg?
In Baden-Württemberg brüten etwa 3.000 Rotmilan-Paare. Damit beherbergt das Land einen bedeutenden Anteil des deutschen Bestands.
Schwarzmilan: Greifvogel an Flüssen und Seen
Schwarzmilan - Foto: Mathias Schäf
Der Schwarzmilan kommt besonders häufig in gewässerreichen Landschaften vor. In Baden-Württemberg gehören unter anderem der Oberrhein, der Bodensee und die größeren Flüsse zu seinen Lebensräumen. Der Schwarzmilan ernährt sich vielseitig. Er frisst unter anderem Fische, Kleintiere und Aas und nutzt auch leicht erreichbare Nahrungsreste. Sein Horst befindet sich meist auf Bäumen. Trotz seines Namens ist der Schwarzmilan nicht schwarz, sondern überwiegend dunkelbraun.
Woran erkennt man einen Schwarzmilan?
Der Schwarzmilan ist dunkler und kompakter als der Rotmilan. Sein Schwanz ist nur schwach gegabelt und kann beim Kreisen fast gerade wirken.
Wie häufig ist der Schwarzmilan in Baden-Württemberg?
Für Baden-Württemberg wurden etwa 1.000 bis 1.500 Brutpaare angegeben. Besonders in gewässerreichen Landschaften erreicht der Schwarzmilan höhere Dichten.
Sperber: Kleiner, wendiger Greifvogel im Garten
Sperber - Foto: Reinhard Paulin
Der Sperber ist ein spezialisierter Vogeljäger. Er erbeutet vor allem Meisen, Finken, Sperlinge und andere Kleinvögel. Dabei nutzt er Hecken, Gehölze und Gebäude als Deckung und kann seine Beute im schnellen Tiefflug überraschen. Der Sperber kommt längst nicht mehr nur in Wäldern vor. Auch Gärten, Parks und andere Siedlungsbereiche gehören zu seinem Lebensraum. Weibchen sind deutlich größer als Männchen und können entsprechend größere Beute schlagen.
Woran erkennt man einen Sperber?
Ein Sperber ist ein kleiner, wendiger Greifvogel mit langem Schwanz und kurzen, abgerundeten Flügeln. Typisch ist ein Wechsel aus schnellen Flügelschlägen und kurzen Gleitphasen.
Wie häufig ist der Sperber in Baden-Württemberg?
Der Sperber ist ein verbreiteter Brutvogel in Baden-Württemberg. Sein Bestand wird auf etwa 2.500 Brutpaare geschätzt. Besonders dort, wo viele Kleinvögel vorkommen, kann man ihn mit etwas Glück beobachten.
Turmfalke: Greifvogel im Rüttelflug
Turmfalke - Foto: Mathias Schäf
Der Turmfalke kommt in offenen Landschaften ebenso vor wie in Dörfern und Städten. Als Brutplatz nutzt er unter anderem Felsnischen, Kirchtürme, hohe Gebäude und Nistkästen. Ein eigenes Nest baut er nicht. Besonders auffällig ist sein Rüttelflug: Der Turmfalke steht dabei scheinbar in der Luft und beobachtet den Boden. Vor allem Feld- und Wühlmäuse gehören zu seiner Nahrung. Je nach Angebot frisst er auch Jungvögel, Eidechsen, Insekten und andere Kleintiere. Turmfalken brüten häufig an Gebäuden und können teilweise auch im Winter in Baden-Württemberg beobachtet werden.
Woran erkennt man einen Turmfalken?
Charakteristisch sind die langen, spitzen Flügel und der lange, breit gefächerte Schwanz. Besonders typisch ist der Rüttelflug über Wiesen und Äckern.
Wie häufig ist der Turmfalke in Baden-Württemberg?
Der Turmfalke ist nach dem Mäusebussard einer der häufigsten Greifvögel Baden-Württembergs. Der Bestand wird auf etwa 5.000 bis 7.000 Brutpaare geschätzt.
Wanderfalke: Schneller Greifvogel an Felsen und Gebäuden
Wanderfalke - Foto: Eric Fischer
Der Wanderfalke zählt zu den schnellsten Tieren der Welt. Bei der Jagd stößt er aus großer Höhe auf fliegende Vögel herab. Ursprünglich brütet der Wanderfalke an Felswänden. Heute nutzt er auch Steinbrüche, Kirchtürme, Kraftwerke und andere hohe Bauwerke.
Woran erkennt man einen Wanderfalken?
Der Wanderfalke hat einen kompakten Körper, einen relativ kurzen Schwanz sowie lange, spitze und kräftige Flügel. Sein Flug ist schnell und kraftvoll.
Wie häufig ist der Wanderfalke in Baden-Württemberg?
Heute brüten bis zu 300 Paare im Land. Gleichzeitig werden in den vergangenen Jahren erneut Bestandseinbrüche im Zusammenhang mit der Aviären Influenza (H5N1) gemeldet. Monitoring und Schutzmaßnahmen bleiben daher wichtig.
Wespenbussard: Spezialist für Wespennester
Wespenbussard - Foto: NABU/Christoph Moning
Der Wespenbussard verbringt nur die warme Jahreszeit in Baden-Württemberg. Seine Hauptnahrung besteht aus Larven und Puppen staatenbildender Wespen. Mit seinen kräftigen Füßen gräbt er unterirdische Wespennester aus. Kleine, dicht anliegende Kopffedern, schlitzförmige Nasenlöcher und besondere Strukturen an den Füßen schützen ihn dabei vor Stichen. Der Wespenbussard lebt in abwechslungsreichen Waldlandschaften mit Wiesen und Lichtungen. Auf den ersten Blick ähnelt er dem Mäusebussard.
Woran erkennt man einen Wespenbussard?
Typisch sind der kleine, vorgestreckte Kopf, der lange Schwanz und die eher flach gehaltenen Flügel. Mehrere dunkle Schwanzbinden können sichtbar sein.
Wie häufig ist der Wespenbussard in Baden-Württemberg?
Für Baden-Württemberg werden etwa 500 bis 700 Brutpaare angegeben. Der Wespenbussard ist deutlich scheuer als der Mäusebussard und deshalb schwieriger zu beobachten.
Wiesenweihe: Seltene Bodenbrüterin in Getreidefeldern
Wiesenweihe - Foto: Mathias Schäf
Die Wiesenweihe gehört zu den seltensten Brutvögeln Baden-Württembergs. Nachdem sie zeitweise fast verschwunden war, siedelten sich im Nordosten des Landes wieder einzelne Paare an. Da natürliche Wiesenlebensräume fehlen, brütet die Art heute häufig in Getreidefeldern. Ohne Absprachen mit landwirtschaftlichen Betrieben und einen gezielten Schutz der Nester können Jungvögel bei der Ernte getötet werden. Wie andere Weihen fliegt die Wiesenweihe niedrig und leicht schwankend über offenen Flächen.
Woran erkennt man eine Wiesenweihe?
Die Wiesenweihe wirkt besonders schlank und leicht. Sie hat sehr lange, schmale Flügel. Beim grauen erwachsenen Männchen ist ein schwarzes Flügelband erkennbar.
Wie häufig ist die Wiesenweihe in Baden-Württemberg?
Heute brüten wieder etwa 20 Paare im Land. Die Art gilt weiterhin als vom Aussterben bedroht.
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Information:
Neue Untersuchungen zur den Verwandtschaftsverhältnissen zwischen Falken und den anderen Greifvögeln haben gezeigt, dass die Falken in der zoologischen Systematik als eine eigene Gattung geführt werden müssen. Streng genommen zählen sie nicht zu den Greifvögeln (wie Adler, Bussarde etc.). Wir belassen die Falken auf unserer Webseite trotzdem noch bei den Greifvögeln, da dies der Vereinfachung und besserer Lesbarkeit unserer Webseite dient bzw. die Suche auf unserer Webseite nach den Falken vereinfacht.
