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Mehr ...Abflug Richtung Süden: Zugvögel brechen auf
NABU: Zilpzalp & Co. rasten in Gärten
Der Zilpzalp, der seinen Namen seinem charakteristischen Ruf verdankt, ändert auf dem Herbstzug seinen Ruf in ‚huid‘, einen Kontaktruf. - Foto: NABU/Gaby Schröder
Der Vogelzug ist eines der faszinierendsten Naturphänomene und bezeichnet die regelmäßige Wanderung vieler Vogelarten zwischen ihren Brutgebieten und Winterquartieren. In Deutschland zeigt etwa die Hälfte der rund 250 in Deutschland brütenden Vogelarten ein Zugverhalten. Dabei verlassen jedes Jahr Millionen Vögel ihre Sommerlebensräume, um in südlicheren Regionen zu überwintern. Wir beantworten wichtige Fragen zum Vogelzug.
Warum ziehen Zugvögel?
Hauptgrund für dieses Verhalten ist die jahreszeitlich bedingten Veränderungen im Nahrungsangebot . Werden die Tage kürzer und die Insekten rar, verabschieden sich viele Vögel in Richtung Süden. Das Zugverhalten ist genetisch verankert und hat sich durch evolutionäre Anpassungen entwickelt. Einige sammeln sich in großen Schwärmen, andere brechen im Familienverband oder einzeln auf. Baden-Württemberg ist nicht nur Abreise- sondern auch Zielort zum Beispiel für Vögel aus Skandinavien. Die Rotkehlchen im Garten sind nicht ganzjährig da, sondern machen nach der Brutzeit Platz für andere Ankömmlinge aus dem Norden.
Welche Zugvogelstrategien unterscheidet man?
Grundsätzlich unterscheidet man verschiedene Zugarten. Langstreckenzieher, etwa der Kuckuck oder die Rauchschwalbe, überwinden Strecken bis nach Südafrika oder in andere Regionen südlich der Sahara. Kurz- und Mittelstreckenzieher, wie etwa die Amsel, die bei uns meist Standvogel oder Kurzstreckenzieher ist, oder der Star, der hier als Kurzstrecken- oder Teilzieher auftritt, verbringen den Winter in der Regel in Mittel- oder Südeuropa. Besonders interessant sind die sogenannten Teilzieher: Hier verlässt nur ein Teil der Population das Brutgebiet, während andere Individuen ganzjährig bleiben. Ein Beispiel hierfür ist der Zaunkönig. Schließlich gibt es noch die Standvögel, also Arten, die das ganze Jahr über in ihrem Brutgebiet verbleiben. Dazu gehören bei uns unter anderem Buntspecht, Kohlmeise und auch die Ringeltaube, die typischerweise nicht abwandert.
Wann ziehen Zugvögel los?
Zugvögel ziehen meist zwischen Juli und Oktober los, wobei das Zuggeschehen stark von Art, Witterung und Nahrungsverfügbarkeit abhängt. Langstreckenzieher wie Mauersegler und Schwalben starten dabei früher als Kurzstreckenzieher. Ein innerer Kompass sowie die Streckenlänge sind bei vielen Arten, zum Beispiel bei Kuckuck oder Weißstorch, genetisch verankert. Junge Gänse hingegen lernen die Zugroute samt Rastplätzen und Überwinterungsorten bei ihrer ersten Reise von ihren Eltern.
Wann ziehen Zugvögel los?
Zugvögel ziehen meist zwischen Juli und Oktober los, wobei das Zuggeschehen stark von Art, Witterung und Nahrungsverfügbarkeit abhängt. Langstreckenzieher wie Mauersegler und Schwalben starten dabei früher als Kurzstreckenzieher. Ein innerer Kompass sowie die Streckenlänge sind bei vielen Arten, etwa bei Kuckuck, genetisch verankert. Beim Weißstorch hingegen ist dies nicht so eindeutig festgelegt: Sein Zugverhalten gilt eher als „sozialer“ Zugzwang. Junge Weißstörche benötigen den Anschluss an andere Tiere, um mitzuziehen. Junge Gänse lernen ihre Zugroute einschließlich Rastplätzen und Überwinterungsgebieten bei der ersten Reise direkt von ihren Eltern.
Wie genau finden Zugvögel ihren Weg?
Auf ihrer Reise orientieren sich die Vögel an Sonnenstand und Sternenhimmel, aber auch an markanten geographischen Leitlinien wie Flüssen, Meeresküsten oder Gebirgen und dem Erdmagnetfeld. Insbesondere bei schlechtem Wetter weist ihnen ein eingebauter Magnetkompass den Weg. Auf ihrer Reise legen die Zugvögel nicht nur große Distanzen zurück, sie haben auch zahlreiche natürliche Hindernisse wie weite Wüstengebiete zu überwinden.
Bleiben oder fliegen?
Der Vogelzug ist gefährlich, daher braucht es gute Gründe, um aufzubrechen. Insektenfressende Langstreckenzieher, wie Mauersegler, Mehlschwalbe oder Braunkehlchen, fliegen bis südlich der Sahara. Mönchsgrasmücke, Singdrossel oder Zilpzalp überwintern als Kurzstreckenzieher im Mittelmeerraum oder im nördlichen Afrika. Mildere Winter sorgen dafür, dass neben Weißstorch auch Zilpzalp oder Mönchsgrasmücke mitunter dableiben. Körner und Sämereien fressende Vögel, wie Buchfink, Sperling sowie Kohl- und Blaumeise, finden im Winter genügend Futter und sind als Standvögel ganzjährig in ihrem Brutgebiet.
Welche Rolle spielt der Klimawandel?
Zugvögel sind in besonderem Maße von Umweltveränderungen betroffen. Studien zeigen, dass Lebensraumverlust, die Zerstörung von Rastgebieten und der Klimawandel gravierende Auswirkungen auf Zugrouten und die Überlebenschancen vieler Vogelarten haben. So verzichten einige Vogelarten inzwischen ganz auf den Zug oder verkürzen ihre Route, weil die Winter in Mitteleuropa milder werden. In Baden-Württemberg, wo viele Feuchtgebiete und Moore wichtige Rastplätze darstellen, sind Schutzmaßnahmen von großer Bedeutung. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Bestände vieler Vogelarten in Gärten und Parks in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen sind, während insbesondere Waldvogelarten stabile oder leicht steigende Bestände aufweisen.
Welchen Gefahren begegnen die Zugvögel auf ihrer Reise?
Ein Hindernis auf dem Weg, an das man häufig nicht denkt, sind übrigens Glasscheiben“, sagt Schmidt-Rothmund. Viele Vögel sterben infolge von Kollisionen, weil Glas nicht als Hindernis wahrgenommen wird. „Um am eigenen Fenster Abhilfe zu schaffen, kann es schon ausreichen, Jalousien, Rollos, Gardinen oder Streifenvorhänge anzubringen und zuzuziehen. Weitere Infos dazu finden sie hier
Welche Zugvögel fliegen bei Tag, welche bei Nacht?
Greifvögel wie Wespenbussard oder Rotmilan fliegen am Tag. Sie nutzen die Thermik, um aufzusteigen und dann in großen Höhen zu ziehen. Im Gegensatz dazu brechen die meisten Singvögel bei sternenklarem Nachthimmel zwischen Dämmerung und Mitternacht auf. Sie fliegen im Schutz der Dunkelheit, da sie tagsüber leichte Beute für Greifvögel wären. An der Konstellation des Sternenhimmels können sie sich orientieren. In der kühlen Nacht überhitzen die Vögel nicht so schnell, obwohl jeder Flügelschlag Wärme produziert.
Einzeln oder gemeinsam fliegen?
Manche Vogelarten, wie der Star, bilden nach der Brutsaison eine ganze Vogelschar mit bis zu 1.000 Tieren. Im Schwarm achtet jedes Tier auf bis zu sieben Schwarmnachbarn und versucht neben diesen Vögeln immer dieselbe Position einzuhalten. Jede Richtungsänderung reißt somit auch den Schwarmgenossen mit und verhindert, dass Vögel zusammenstoßen. Die große Gruppe schützt den einzelnen Vogel vor Beutegreifern aus der Luft, zum Beispiel vor Wanderfalken oder Sperbern.
Welche Bedeutung hat Baden-Württemberg für die Zugvögel?
Besonders im Herbst lassen sich spektakuläre Zugbewegungen beobachten, wenn Kranichschwärme auf ihrem Weg nach Südwesten über das Land ziehen. Ihre Hauptflugrouten verlaufen über Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen bis nach Frankreich, eine südliche Route führt auch durch Bayern und Baden-Württemberg.Gerade Baden-Württemberg ist für viele Zugvögel ein bedeutendes Transit- und Rastgebiet. Millionen Vögel überqueren jedes Jahr das Land, nutzen Feuchtgebiete, Flussauen oder Streuobstwiesen als Rastplätze oder schlagen sogar ihr Winterquartier im milden Südwesten auf. Besonders auffällig ist im Oktober und November der Zug der Kraniche, deren charakteristische Formationen regelmäßig über Baden-Württemberg zu beobachten sind. Auch kleinere Arten, wie Mauersegler oder Schwalben, verlassen bereits im Spätsommer den Südwesten Deutschlands, um im Mittelmeerraum oder in Afrika zu überwintern.
Welcher Vogel fliegt die weiteste Strecke?
Die Küstenseeschwalbe hält den Rekord für die längste Zugstrecke aller Vögel. Sie brütet im nördlichen Polarkreis und überwintert im südlichen, wodurch sie jedes Jahr die Reise von der Arktis bis zur Antarktis und wieder zurück antritt. Der Grund für diese außergewöhnliche Wanderschaft liegt in den optimalen Bedingungen, die sie in beiden Regionen vorfindet. Im arktischen Sommer gibt es ein besonders reichhaltiges Nahrungsangebot, etwa Fische und Krill, das für die Versorgung der Jungen unerlässlich ist. Gleichzeitig bleibt die Sonne dort über Monate hinweg am Himmel, sodass die Vögel nahezu rund um die Uhr auf Nahrungssuche gehen können. Sobald die Bedingungen im Norden ungünstiger werden, ziehen die Küstenseeschwalben in die antarktischen Gewässer, wo sie erneut von einem sommerlichen Nahrungsüberfluss profitieren. Auf diese Weise erlebt die Art jedes Jahr zwei Sommer und nutzt stets die Regionen mit den besten Licht- und Nahrungsverhältnissen.
Insgesamt zeigt sich, dass der Vogelzug ein empfindliches, aber zugleich beeindruckend angepasstes Naturphänomen ist. Er verbindet Kontinente, Ökosysteme und Jahreszeiten miteinander. Baden-Württemberg spielt dabei eine Schlüsselrolle als Rast- und Durchzugsgebiet vieler Arten, die hier Energie tanken, bevor sie ihre weiten Reisen fortsetzen. Der Schutz dieser Lebensräume ist entscheidend, um den Vogelzug auch in Zukunft als fester Bestandteil unserer Natur zu bewahren.
Weitere typische Zugvögel:
Der Weißstorch
Fast 75 Prozent der deutschen Weißstörche wählen für ihren Zug in die Überwinterungsgebiete die östliche Route, die sie über den Bosporus in der Türkei in den Nahen Osten zunächst bis in den Sudan und dann weiter nach Tansania und sogar nach Südafrika führt. Oft legen sie dabei Strecken von mehr als 10.000 Kilometern zurück. In jedem Jahr folgen etwa 500.000 Störche dieser Strecke vom Bosporus über Zentralanatolien bis nach Iskenderun an der Mittelmeerküste
Die Störche Südwestdeutschlands nehmen gemeinsam mit ihren Artgenossen aus Frankreich, Spanien und der Schweiz die westliche Zugroute über Gibraltar und die Sahara, um in der westafrikanischen Sahelzone zwischen Senegal und Tschad den Winter zu verbringen. In den letzten Jahren haben sich aber mehr und mehr Störche den Weiterzug abgewöhnt. Sie bleiben in Südspanien, wo sie auch in den Wintermonaten auf Mülldeponien ausreichend Nahrung finden.
Das Rotkehlchen
Nordöstliche Populationen des Rotkehlchens ziehen im Herbst in den Mittelmeerraum und durchqueren dabei auch Deutschland. Manche davon überwintern hier auch, während unsere einheimischen Rotkehlchen größtenteils ebenfalls nach Süden ziehen.
Die Nachtigall
Ab Mitte August zieht die Nachtigall einzeln und nachts gen Süden. Ihr Überwinterungsgebiet erstreckt sich von Senegal und Guinea bis Somalia, Kenia und Nordtansania. Die Alpen, das Mittelmeer und die Sahara bilden für sie keine Hindernisse. Die Savannen südlich der Sahara erreicht sie ab Anfang September, danach verlangsamt sich der Zug ins Winterquartier. Mit etwas mehr Tempo fliegt die Nachtigall im März wieder zurück in die Brutgebiete. In Deutschland erscheinen die ersten Nachtigallen ab Anfang April.
Der Kranich
Zu den wohl auffälligsten Zugvögeln, die unser Land zwei Mal im Jahr überqueren, zählt der Kranich. Über 100.000 Kraniche wählen alljährlich eine südwestliche Zugroute, auf der sie Deutschland in schmaler Front überqueren, um die kalte Jahreszeit in Frankreich, in der spanischen Extremadura oder im Nordwesten Afrikas zu verbringen. Besonders die flachen Küstengewässer der Vorpommerschen Boddenlandschaft wirken dabei wie ein Magnet auf die Zugvögel. Hier finden sie geeignete Schlafplätze und vielfältige Nahrungsräume vor.
Auf dem Zug, der überwiegend nachts stattfindet, fliegen Kraniche in typischer Keilform oder in einer langen Reihe. Ihre weittragenden Rufe sind dabei gut zu hören.
